Teure Heimat / Luises Biografie, 5. Teil

Neues bauen
Eigene Wege
Ich fühlte mich auf dem Lande stets wohl, mochte die Arbeit in der Landwirtschaft. Da ich keinen Beruf erlernt hatte, war ich froh, hier meine Aufgabe, meinen Verdienst gefunden zu haben. Bei Alfred und Erika war das anders.
Obwohl die Lehrer Alfred empfahlen, zur Oberschule zu gehen, beendete er seine Schulzeit mit der 10. Klasse. Er lernte beim Bauunternehmer in Fleetmark und ging anschließend nach Dresden, gründete dort eine Familie, arbeitete als Polier auf dem Bau, und ich bekam einen Enkel.
Erika hatte es schwerer. Sie ging nicht gern zur Schule, lernte deshalb schlecht, obwohl sie nicht dumm ist. Oder war es umgekehrt? Jedenfalls wollte unsere Tochter die Schule unbedingt nach der 8. Klasse verlassen. Ihre allgemeine Schulbildung endete damit gegen meinen Wunsch im Jahr 1957. Es dauerte einige Zeit, bis Erika ihren Arbeitsplatz fand. Doch da sie sehr fleißig ist, war sie überall als Arbeitskraft gern gesehen, zum Beispiel in Salzwedel auf dem Hauptpostamt als Vertretung oder fast zwei Jahre an der VEB-Tankstelle als Anlernkraft. Regelmäßig ging sie zweimal wöchentlich zur Berufsschule. Auch mir war sie eine gute Hilfe. Immer suchte sie nach einer Arbeit, die ihr auf die Dauer Spaß machen würde und mit der sie ihr eigenes Geld verdienen könnte.
Im Juli 1960 las Erika eine Zeitungsannonce vom Erholungsheim des Ministeriums des Inneren im thüringischen Elgersburg. Dieser folgt sie in die Ferne. Noch nie war die Siebzehnjährige so weit von daheim weg gewesen. Sie bekam großes Heimweh. Erst nach meinem Besuch und nachdem sie zwei Mädchen aus Rademin nachgeholt hatte, ging es ihr besser.
Im Erholungsheim musste sie als Serviererin arbeiten, aber auch als Küchenhilfe und Zimmermädchen. Das Monatsgehalt war für sie als Ungelernte natürlich bedeutend niedriger als für die Gelernten. Sie hatte zwar Essen und Wohnung im Heim frei, doch als sie einen Wintermantel brauchte, reichte ihr Monatsgeld von 180 Mark nicht. Die Familie musste zusammenlegen.
Zwischen 1964 und 1987 arbeitete Erika beim VEB Geraberg, einem Thermometerwerk. Sie wickelte beim ZGH Metallgeräte Relais. Von 1987 bis 1988 war sie im Erholungsheim der Reichsbahn tätig. Am 17. März 1988 begann sie ihre Tätigkeit im FDGB-Schloss Elgersburg.
Mit achtzehn Jahren lernte Erika ihren Eberhard kennen und lieben. Seit damals waren sie immer zusammen. Noch heute bewundert sie seine Vielseitigkeit. Eberhard war Glasbläser. Er stellte große Leuchtstoffröhren zu Werbezwecken her. Er arbeitete als Musiker und Hausmeister. Im Dezember 1964 heiratete sie. Im Jahr 1965 gebar Erika ihren Sohn Frank. Die Silberne Hochzeit durfte das Paar noch zusammen feiern. Mit Eberhards allzu frühen Tode am 25. 3. 1990 endete die glücklichste Zeit im Leben meiner Tochter. Ihrem jetzigen Lebenspartner folgte sie erst sieben Jahre später nach Wiehe in Thüringen.
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 20.07.2014 | 12:13  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.07.2014 | 07:04  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 27.08.2014 | 22:55  
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