Teure Heimat / Luises Biografie, Teil 7

Ein BR zieht tief seinen Hut.
Freuden einer Hochbetagten
Ich bin glücklich, hier in Wiehe in Thüringen leben zu können, glücklich und dankbar, dass meine Tochter mich betreut. Mir geht es wirklich sehr gut. Ich habe mein eigenes kleines Reich. In meiner Wohnstube kann ich lesen, fernsehen, Handarbeiten machen, rätseln, sogar Besuch empfangen. Hier bewahre ich Andenken, die Bilder meiner Kinder, Enkel und Urenkel und alle Ausweispapiere auf. Bequem sind mein Sessel, mein Sofa und der Schlafbereich mit allen sanitären Sachen gleich nebenan. Ich lebe mit lieben Menschen zusammen und kann mich auch zurückziehen.
Für den Notfall habe ich eine Klingel, die man im ganzen Haus hört. Die Mahlzeiten bringt mir Erika herauf. Damit sie die Treppe nicht zu oft steigen muss, baute sie einen Korblift, mit dem wir schmutziges Geschirr, Wäsche und anderes vom Erdgeschoss in die erste Etage befördern. Auf der Treppe muss ich immer schön aufpassen.
Feste Tages- und Wochengepflogenheiten sind entstanden. Zu jeder Jahreszeit bin ich je nach Wetter und Gelegenheit im Freien: im Hof bei den anderen am Tisch oder in der Hollywood –Schaukel, so oft wie möglich im Garten, mit meinem Gefährt zum Spaziergang auf dem Bachweg bis zum Hainborn. Im Herbst und Winter, wenn im Unstruttal die Nebel steigen, fährt uns Erikas Partner hinauf auf die Höhe. Dort ist klare Luft. Ich kann beim Laufen talwärts besser atmen.
Erikas Partner, der Gute, fährt mich zu den notwendigen Arztbesuchen oder auch zu Krankenhausaufenthalten. Im Krankenhaus besuchten die beiden mich immer. Autofahrten nach Dresden, wo Alfred inzwischen mit seiner Familie im ländlichen Graupa am Lochmühlenweg wohnt, sind mir schon sehr anstrengend geworden. Aber jeden Sonntag telefoniere ich mit meinem Sohn und der Schwiegertochter. Sie weiß immer sehr viel zu erzählen.
Was kann ich noch selbst tun. Na, das wird allmählich weniger. Aber ich bin zufrieden. Ich häkle, rätsle, sehe fern, helfe im Haushalt, z. B. beim Gemüseputzen. Mein Bett darf ich nicht mehr selbst machen, aber ich kann mich an- und ausziehen. Mit meinem Rollstuhl fahre ich in Erikas Begleitung in den Garten. Hier bin ich am liebsten den ganzen Tag. So viel Zeit hat meine Tochter aber nicht immer. Ich jäte, hacke um Büsche, zupfe hier und da. Ja, ich kann mich bücken, kann mich auch immer wieder aufrichten. Mit Sonnenbrille und Hut sehe ich bestimmt lustig aus.
Ein Schwätzchen über den Gartenzaun mit den Gartennachbarn mache ich gern. Nette Nachbarn und Nachbarinnen habe ich auch in unserer Straße. Nachbar Hans schaut nach mir, wenn Erika und Benno mal wegfahren müssen. Und zu meinem Geburtstag kommen bestimmt wieder viele zum Gratulieren wie im vorigen Jahr: Nachbarn, Nachbarinnen, Vertreter von Kirche und Stadt. Da gibt es im Hof eine lange Geburtstagstafel. Ich habe es wirklich sehr gut.
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4 Kommentare
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Silke Dokter aus Erfurt | 24.07.2014 | 22:36  
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Hannelore Grünler aus Artern | 25.07.2014 | 00:43  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.07.2014 | 07:46  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 27.08.2014 | 23:27  
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