Wiederentdeckung eines optischen Spielzeuges

Blick in unendlich vielfältige Farbenwelt
Seit dem 5. 1. 2014 liegt das Kaleidoskop neben meinem Laptop. Das schlanke grüne Rohr ist 17 cm lang, hat oben und unten einen schwarzen Ring. Unten fasst dieser das Guckloch ein, oben eine Glasscheibe. Am oberen Ende befinden sich zwischen der glatten und einer matten Glasplatte eingelegte kleine farbige Objekte aus Glas. Im Rohr selbst sind längs Spiegelstreifen angebracht, drei oder vier, die sich an ihren Längskanten berühren, so dass ein symmetrisches, farbiges Muster sichtbar wird, das sich beim Drehen des Rohres ändert. Den Betrachter erfreut unendliche Farben- und Formenvielfalt.
Beim ersten Blick durch das Kaleidoskop erfasste mich ein Glücksgefühl. Wie vor langer, langer Zeit schaute ich in hell leuchtende bunte Muster. Alle Farben des Regenbogens erstrahlten mir wie in Kindertagen. Die kleinste Drehung veränderte das Muster wieder und wieder. Immer entstand ein Unikat geeignet als Teppich- oder Stoffmuster, meine Phantasie beflügelnd, mich die heimtückische Augenkrankheit AMD vergessen lassend.
Nur langsam wurde mir bewusst, dass ich das Kaleidoskop vor mein noch sehendes Auge hielt, der Farbenrausch einseitige Sinnestäuschung war. Ich ließ das optische Spielzeug sinken, bedeckte das linke Auge mit der Hand und wagte den Blick durch das Wunderding mit meinem rechten Auge.
Zuerst trauriges Grau, aber dann eine leichte Gliederung erkennbar, Sekunden später eine zarte Einfassung des grauen Mittelfeldes, um diese ein hellerer Rand. Schließlich leuchten die Kaleidoskop-Muster auf, verhaltener, gedämpfter als beim linken Auge, verändern sich beim Drehen. Und da! Zwischendurch Farbblitze, kurz und hell. Sind das Sehmomente meines kranken Auges oder Erinnerungen des beflügelten Hirns.
Ich werde nachdenklich. Kannten die Ilmenauer Forscher um Professor Sinzinger Kaleidoskope? Bestimmt! Entstehen doch in Kindertagen durch sinnvolle Spielzeuge Neugier, Forscherdrang. Habe ich soeben die Wirkung selbstklebender Folie für AMD-Patienten vorempfunden? Wie weit ist die Umsetzung des goldenen Patentes in die Praxis? Kann ich durch Übung mit dem Kaleidoskop die Abbilder vor meinem eingebluteten Auge schärfen? Oder ist alles nur ein wunderbunter Farbtraum?
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Antje Hellmann aus Jena | 23.01.2014 | 11:42  
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