Wünsche werden wahr

Traum von der großen Babypuppe
Wünschen und Weisheit
Weihnachtszeit – Zeit der Wünsche. Als Kind schreiben wir einen Wunschzettel für den Weihnachtsmann. Später versuchen wir, die Wünsche unserer Lieben zu erfüllen; denn dass der gute Alte menschlichen Wünschen Beachtung schenken könnte, daran wollen wir nicht mehr so recht glauben. Ich jedenfalls erfuhr schon als Kind, Kriegskind, von seiner Ohnmacht Kinderweihnachtswünschen gegenüber, wusste schon im Vorschulalter, dass der Weihnachtsmann Helfer braucht, um seiner Pflicht zur Wunscherfüllung auch nur einigermaßen gerecht werden zu können.
Ich hatte mir als Dreijährige eine große Babypuppe zu Weihnachten gewünscht, bekam aber im Oktober ein Schwesterchen. Da stimmte doch gar nichts, weder der Adressat, noch der Termin und auch nicht das Geschenk. Ich wollte die Puppe und Mutti bekam eine, sogar eine lebendige. Ich hoffte auf Weihnachten. Doch es gab keine Wunscherfüllung. Mutti und ich, wir mussten uns das Baby weiterhin teilen.
Nach den Erzählungen meiner Mutter soll ich eine gute Puppenmutti gewesen sein, zärtlich, geschickt und zuverlässig. Einmal hätte ich Schwesterchen sogar trocken gelegt, erzählte sie mir viel später, als ich selbst schon Mutter war. Das wird wohl wahr sein; denn wenn mir die lebendige Babypuppe zur Hälfte gehörte, so war ich auch mit für ihr Wohlbefinden verantwortlich, während Mutti im Winter 1939 / 40 Einkäufe tätigte. Ein nasser Pops gehörte nicht zu Schwesterchens Zufriedenheit, wie mir ihr Weinen verkündet haben mag.
Zweimal musste ich die Popo-Trockenlegaktion ausführen, einmal während Muttis Abwesenheit., das zweite Mal zur Demonstration der richtigen Einschätzung meiner nicht einmal vierjährigen Pflegekräfte für die Ungläubige, die danach erleichtert aufgeatmet habe, wie sie mir später erzählte. Ich hatte den schwesterlichen Popo nur angehoben, die Windeln untergeschoben - - -. „Dann habe ich`s gemacht wie du, Mutti. Das kann ich schon, habe doch gut aufgepasst, wie du Schwesterchen trocken legst.“
Ein Baby bekam ich trotzdem nicht, nicht einmal die gewünschte große Babypuppe, nicht zu Weihnachten 1939, nie als Weihnachtsgeschenk. Unterm Weihnachtsbaum saßen jedes Jahr meine kleinen Püppchen, immer neu eingekleidet. Überraschend war das nicht, denn schon Wochen vorher hatte ich im Kehricht Wollfäden oder Stofffitzelchen, Reste von Muttis Handarbeiten für ihre beiden Mädchen, mich die Große und mein Schwesterchen, gefunden. Mutti war Weihnachtsmannhelferin.
Aber Kinder wurden uns - wie damals meine Schwester meinen Eltern - im Oktober geboren, Tochter 1957, Sohn 1961. Der Zusammenhang zwischen meinem kindlichen Große-Babypuppe-Wunsch trotz Krieg und der Erfüllung unseres Kinderwunsches, der grünlerschen Familienplanung, allerdings wurde mir erst nach über einem halben Jahrhundert in der Weihnachtszeit 2011 klar. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, als ich in einem Büchlein mit weisen Aussprüchen las: „Gebet Acht auf eure Wünsche, sie könnten in Erfüllung gehen!“
Im Oktober 1957 erfüllte sich mein großer Wunsch zum ersten Male. Tochter war 57 Zentimeter lang, wog bei der Geburt 4400 Gramm. Unser Sohn wurde im Oktober 1961 mit 4500 Gramm geboren und war einen Zentimeter länger als seine große Schwester. Wahrlich Riesenbabys wie gewünscht!
Es heißt zwar: „ Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden“, aber es heißt auch, dass man aus Erfahrung klug wird. Vorsichtshalber werde ich mir keine große Babypuppe wieder wünschen. Mein Wunsch könnte in Erfüllung gehen. Besonders in der Weihnachtszeit geschehen auch heute noch Wunder.
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 14.12.2011 | 23:14  
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Petra Seidel aus Weimar | 25.12.2011 | 17:20  
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