Erholsame Wanderung am 3. 10.

Blühende Landschaften
„Was möchtest du morgen, am Tag der Einheit machen?“ Als Antwort kam: „Lass uns wandern!“ Mir war das recht; denn mir schmerzte der Schädel. Ich hatte nicht nur Kopfschmerzen, sondern es stach in den Ohren, rumorte im Gebiss, hinter der Stirn. Die Augen drückten, tränten, waren so lichtempfindlich wie lange nicht. Ich wusste nicht wovon. Lag´s an der Überanstrengung am 1. 10., an den zwei Glas Wein nach dem Konzert oder am Wetter? Die Sinfonietta war hoffentlich unschuldig!
Wandern, das hieß: frische Luft, Ruhe zwischen Feldern, auf Wiesen, im Wald. Im Rucksack Sonnenbrille, Handy, Bestimmungsbüchlein für Wildpflanzen, so zogen wir los. „Lass uns die versprochenen blühenden Landschaften schauen!“ An wie vielen Kräutern hatten wir uns erfreut, sie aber nicht benennen können! Heute sollten sie Namen bekommen, aus als selbstverständlich hingenommenen Schönheiten sollten bewusst wahrgenommene Wildpflanzen werden.
Bald brauchte ich die Sonnenbrille; denn alles war in Licht getaucht. Bald packten wir Handy und Büchlein aus; denn zwischen schon bestellten Feldern führte uns der Weg an bisher für uns namenlosen schönen Selbstverständlichkeiten vorbei. Die Standorte der fast verblühten Heilkräuter würde ich mir merken. Wie konnten wir dafür sorgen, dass der Schandfleck am Hang verschwand oder wenigstens der einzige blieb?
Aus der Ferne schallte Musik herüber. Erst jetzt fiel mir die Ankündigung wieder ein: Schalmeienklänge vorm „Fröhlichen Wanderer“, Räucherfisch-Verkauf auf Garnbachs Straße. Nun kamen wir doch ins Feiertagsgewimmel.
Auch unseren Weg zum Mittagsmahl hatte ich falsch eingeschätzt. Quer durch schattigen Wald führte er steil abwärts. Die steinerne Begrenzung war zu erkennen, nicht die Stufen. Manfried ging vor mir, beseitigte fürsorglich grobe Hindernisse wie Steine und Äste. Ich stieg ihm nach, gleichsam die Augen in die Hand nehmend. Aufatmend erreichte ich den Hainborn-Weg. Mein Guter konnte nicht verstehen, warum ich stöhnte: „Diesen Abstieg nie wieder!“ Ich verschwieg meine Gedanken: „So wie alles im Leben zum ersten Male geschieht, gibt es für alles ein letztes Mal.“
Im „Fröhlichen Wanderer“ verflog mein Trübsinn. Die Schalmeien bliesen ihn weg. Zuerst saß ich mit geschlossenen Augen zwischen vielen fröhlichen Gästen. Bald siegte Neugier, ich konnte mit allen Sinnen genießen: kühles Bier, vortreffliches Fischgericht, fröhliche Musik, freundliche Begrüßungen. Am meisten erfreute ich mich am Anblick der beiden jungen Betreiberinnen des Lokals. Wie flink und gewandt sie trotz Last zwischen den Tischen schritten! Wie wohl sie sich in ihrem abgesprochenen Dirndl-Outfit fühlten. Doreens Rock und Schürze schwangen mit den anmutigen Bewegungen. Janas Bluse und Lederhose wirkten, wie für sie gemacht. Zwei tüchtige junge Unternehmerinnen bedienten ihre Gäste aus nah und fern, unter denen selbstverständlich viele Angehörige der Kapelle saßen.
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4 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 06.10.2012 | 19:00  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 07.10.2012 | 00:07  
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Karin Jordanland aus Artern | 07.10.2012 | 16:28  
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Regina Kleiber aus Sondershausen | 08.10.2012 | 16:31  
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