Tausende Jahre altes Wissen

  Dem Vergessen entrissen
„Man wird so alt wie´ ne Kuh und lernt immer noch dazu“, sagte ich. Unsere hochbetagte Nachbarin (90+) lachte und drückte es höflicher aus. „Man wird so alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.“
Holundersaft, Holunderkaltschale, Holundersuppe hatten meine Geschmacksnerven gekitzelt, meine Neugier geweckt. Ich setzte Holunderlikör an, obwohl ich von Giftstoffen in den Beeren gelesen hatte. Aber ich nahm mir vor zu ergründen, warum unsere Vorfahren die Holunderbeeren so lange gekocht hatten.
Vollmondnächte sind bei mir kurz, also gut zum Lesen. Zwei Stühle, ein hoher Bücherstoß und die unentbehrliche Lupe mit Licht, so saß ich Kräuterhexe ein paar Wachstunden nächtens und besserte lückenhaftes Kräuterwissen auf. Erstaunlich, was mein Bücherregal barg, wie oberflächlich meine Anfangsrecherche zum Holunderbusch gewesen war.
Dieses Geißblattgewächs (Caprifoliaceae) , dessen lateinischer Name Sambucus nigra ist, wird auch Holder, Holderbusch, Holderstock, Holler, Kissikenbaum, Musflieder und Fliederbusch genannt. Das unruhige Hin- und Herschwenken seiner Blätter brachte ihm im Norddeutschen den Namen Flieder vom mittelhochdeutschen vlederen =flattern abgeleitet. Also müsste ich die Märchen und Legenden neu lesen, ist in ihnen sicher meistens der Holunder gemeint.
Wegen seiner vielseitigen Heilkraft wurde er vom Volk verehrt. So zogen am Anfang des 20. Jahrhunderts alte Leute in Crock südlich des Rennsteiges vor einem besonders breit gewachsenem Hollerstrauch den Hut.
Die Wachsfreudigkeit des Holunderbusches klingt aus einem Gedicht, gefunden in einem fränkischen Volksblatt vom Anfang des 19. Jahrhunderts.
Getreue Nachbarn
Nachbars Kinder und Nachbars Holunder
bannest du nie auf die Dauer.
Schließest du ihnen die Türe, o Wunder,
klettern sie über die Mauer.
Und warum kenne ich den Holunder nicht als Nahrung und Heilmittel aus meiner Kindheit in Artern? Im sogenannten Schützengraben standen viele Holunderbüsche, zwischen ihnen versteckten wir uns. Aus ihren Zweigen schnitzten wir. Pfeifen oder Flöten sollten es werden. Ich vermisste meinen Vater. Er hätte mir mit seinem Geschick bestimmt helfen können. Aber er musste im Feld sein, kam selten auf Heimaturlaub.
Unsere Wiehsche Oma brachte uns Beeren aus dem Garten. Wir waren auf die Wildbeeren nicht angewiesen. Sie standen sicher damals im Verruf; denn böser Hexen- und Dämonenglaube hatte tausend Jahre altes Wissen verdrängt. Aberglaube gegen Erfahrungswissen. Dummheit zeigten die Bräuche, Hautlappen, Eiter, Kleidung, Nägel, Zähne der Kranken an den Strauch zu hängen, damit dessen Wachstumskraft das Böse aus ihnen ziehe und somit gleichzeitig der Mensch geheilt werde.
So wie der Holunder unverwüstlich ist in seiner Wachstumskraft, so setzt sich das Wissen um seine wunderbaren Heilkräfte durch. Neben Rezepten für Saft, Gelee, Wein, Likör, Sekt, Tee, Bäder, Umschläge enthält meine Bibliothek neue Anwendungsmöglichkeiten bei verschiedenen Krankheiten, sind Wirkungsweise und Nebenwirkungen wissenschaftlich begründet.
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7 Kommentare
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 27.10.2013 | 20:50  
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Antje Hellmann aus Jena | 28.10.2013 | 09:45  
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.10.2013 | 20:08  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 30.10.2013 | 11:53  
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Renate Jung aus Erfurt | 31.10.2013 | 23:58  
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Hannelore Grünler aus Artern | 04.11.2013 | 12:24  
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Renate Jung aus Erfurt | 04.11.2013 | 23:52  
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