Tief in die Augen geschaut

Klarer Himmel – trübe Aussicht
Bei unserer Fahrt zur Augenärztin nach Querfurt strahlte am 18. 12. 2013 der Himmel. Nirgends Nebel, keine Wolken, kein Regen oder Glatteis in Aussicht, keine Umleitung stellte sich uns in den Weg. Ideales Autofahrwetter wie wir beide es lieben. Früher war ich ängstlich. Jedes kleinste Wetterungemach beunruhigte mich. Schon lange habe ich meine Auto-Reisekrankheit besiegt. Heute fürchtet mein Guter Wind und Wetter, Nebel, Regen, Schnee und Glatteis. Er allein trägt ja die Verantwortung. Ich bin kein guter Beifahrer. Auf den Fahrten zum Arzt schone ich meine Augen, heimwärts schmerzen sie durch das blendende Untersuchungslicht. So halte ich sie fast immer geschlossen.
In der Praxis ein ungewohntes Bild: in den Wartezimmern vereinzelte Patienten, aber ein wartender Pulk in der Aufnahme, Leute jeden Alters, jeder Körperstatur, aber keine Schwester. Zu spät sah ich das Schild, mein Mann las vor:„Bin gleich zurück. Bitte setzen Sie sich!“
Die Schwester drängte sich verärgert durch: „Nun gehe ich nach der Bestellliste. Warum haben Sie meine Bitte nicht erfüllt? Strafe muss sein.“
„Entschuldigen Sie! Wir sind Augenpatienten“, bat ich für alle. Sie sah amüsiert auf, schwieg, arbeitete zügig. Von mir wollte sie wissen, ob ich besondere Beschwerden hätte, da ich nach ungewohnt kurzer Zeit wieder da sei. So erfuhr ich, dass Frau Dr. Wagner zwar den Befund geschickt hätte, aber von einer vierteljährlichen Frist darin nichts stände.
Ich verkürzte mir das Warten mit Nachdenken, Phantasieren über ungewöhnliche Mitpatienten, deren Körperfülle keine Kleidung verbergen konnte. Da war alles möglich: Unfälle, Stoffwechselkrankheit, Bequemlichkeit, falsche Essgewohnheiten. So verlor für mich das Schweigen seine Bedrohlichkeit. Ich wurde ruhiger, beschloss: „Ich werde alles tun, um trotz schwindender Sehkraft und Fibromyalgie nicht aus dem Leim zu gehen.
Im Sprechzimmer wurde erstaunlich ausgiebig gesprochen, angefangen beim Dank für meinen Brief mit dem AA-Artikel „Goldrichtig“ über die segensreiche Erfindung der selbstklebenden Brillenfolie für AMD-Patienten von Professor Sinzinger und seinem Team aus Ilmenau. Auch Frau Dr. Kunert wünscht sich die schnelle Umsetzung durch die Industrie, ist aber wie ich skeptisch. Selbstverständlich wollte meine Ärztin wissen, warum ich die OCT abgelehnt hätte. Ich erklärte ausführlich, sie bestätigte, dass ich als Patient ein Recht auf für mich zufriedenstellende Aufklärung hätte.
Konzentrierte Untersuchung meiner Augen wechselte mit klärenden Worten über Gen-Forschung, empfohlene Nahrungsergänzungsmittel, Eigenverantwortlichkeit und Zukunftsaussichten für AMD-Patienten. Rosig, beruhigend sind diese Aussichten für mich, meine Kinder und Enkel sowie alle betroffenen, erblich belasteten Leidensgefährten wahrlich nicht; denn die Forschung schleppt sich dahin, zu schwierig, zu teuer, zu langwierig, Hoffnung auf Hilfe für jetzige und folgende Generation nicht in Sicht, Hoffnungsschimmer erst für meine Urenkel. Unser kleiner Theo feierte am 16. 12. 2013 seinen 1. Geburtstag.
Klarer Himmel und geklärte Sicht auf zwar trübe Zukunft begleiteten uns heimwärts. Wie und Was standen mir deutlich vor Augen. Auf das Warum scheint es keine Antwort zu geben.
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1 Kommentar
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Regina Kleiber aus Sondershausen | 28.12.2013 | 16:09  
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