Förderungen abgelehnt

Dieser Turm wird demnächst abgerissen. Foto: Kolbe (Foto: Heiko Kolbe)
Bad Frankenhausen/Kyffhäuser: Oberkirche | Jahrzehnte lang gekämpft, monatelang gehofft und am Ende verloren. Es ist amtlich: Der Oberkirchturm in Bad Frankenhausen wird abgerissen. Die Stadt hätte den Turm nur übernehmen können, wenn das Land sich an den Mehrkosten von 800 000 Euro beteiligt.

Doch die Landesregierung lehnt eine weitere Förderung für Sanierungsversuche ab. „Der Wunsch des Bürgermeisters der Stadt zur weiteren Förderung der Sanierungsbemühungen um den ‚Schiefen Turm’ in Bad Frankenhausen muss leider abgelehnt werden“, sagte der Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, Christian Carius, nach der Kabinettsitzung in Erfurt.

Frankenhausens Bürgermeister Matthias Strejc sprach am Montag von einem sehr guten Informationsaustausch mit dem federführenden Thüringer Bauministerium - bis Ende Oktober. Seit einigen Wochen herrschte Funkstille und die Kommune hatte das Gefühl, dass das Thüringer Bauministerium die Problematik aussitzen will und bewusst Fristen verstreichen lässt, denn am 25. November endete die letzte Frist seitens der Landeskirche. Die Kurstadt hatte aber noch eine allerletzte Hoffnung, dass sich Ministerpräsidentin Lieberknecht noch einmal in das Thema einschaltet und in dieser Woche nochmals einen Brandbrief an sie geschickt, mit der Bitte, alles Erdenkliche zu unternehmen, um den Abriss zu verhindern.

Bauminister Christian Carius erläuterte die Ablehnung wie folgt (aus der Pressemeldung):

"Der sogenannte „Schiefe Turm“ der Oberkirche in Bad Frankenhausen hat bei einer Höhe von 56 Meter inzwischen eine Schieflage von fast 4,5 Meter erreicht und droht einzustürzen. Ursache sind vorrangig Senkungserscheinungen östlich des Kirchturms. Außerdem wurde ein größerer Hohlraum nordwestlich des Turms festgestellt.

Der Turm befindet sich im Eigentum der örtlichen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Deshalb sind die seit 2007 vorgenommenen Sanierungsaktivitäten auch von Seiten der Bauverwaltung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) durchgeführt worden.

Das Ziel der Sanierungsbemühungen war, die bisherige Senkungsgeschwindigkeit von 6 Zentimeter/Jahr auf 5 Millimeter/Jahr zu reduzieren. Dies konnte leider nicht erreicht werden. Wenngleich sich die Senkungsgeschwindigkeit durchaus verringerte.

Für den Versuch der Sanierung wurden insgesamt rund 900.000 Euro aus der Städtebauförderung bereitgestellt. Davon wurden bisher rund 466.000 Euro in die Sanierung investiert.

Nach diesen Sanierungsbemühungen hatte man nun zunächst geplant, die Hohlräume unter der Kirche zur Stabilisierung des Baugrunds zu verfüllen. Diese Maßnahme wurde allerdings verworfen, nachdem Bauexperten darauf hingewiesen hatten, dass dadurch die wirtschaftliche Basis von Bad Frankenhausen gefährdet würde.

Denn eine solche Vorgehensweise würde die Solequelle gefährden, die die für Bad Frankenhausen so wichtige Kyffhäuser-Therme speist.

Zudem dürfen, ich zitiere: „…keine hochhydraulischen, aluminiumsilikathaltigen Bindemittel (Zemente) für die zunächst geplante Bohrpfahlgründung und die Hohlraumverfüllungen im Untergrund wegen des Baugrundes aus Gipskarst verwendet werden, da andernfalls unkalkulierbare Treiberscheinungen provoziert würden.“


Auch die zuletzt von der Stadt Bad Frankenhausen vorgeschlagene „Dreipunktlagerung“ ist keine praktikable Lösung:

1. Denn weder der Bürgermeister der Stadt Bad Frankenhausen, noch die Baufirma können garantieren, dass mit der „Dreipunktlagerung“ tatsächlich eine nachhaltige Stabilisierung des Turmes erzielt werden kann.

2. Das Erscheinungsbild des Turmes würde durch die massiven Stützbauwerke bei der „Dreipunktlösung“ stark beeinträchtigt. Dies hätte negative Auswirkungen auf die angedachte touristische Lösung.

Und was die angesprochene touristische Lösung angeht, so lag und liegt bis heute weder ein belastbares noch aussagefähiges Nutzungskonzept für den Turm vor. Bei dieser Fülle von Unwägbarkeiten kann es keine Entscheidung für eine Förderung geben.

Zugleich muss das Projekt „Oberkirche“ sich aber auch an anderen Fördervolumen beispielsweise der „Thüringer Kircheninitiative“ messen lassen. Innerhalb dieser Initiative werden ortsbildprägende Dorfkirchen baulich gesichert oder saniert. In der Regel beträgt der Fördersatz hier rund 150.000 Euro.

Ich möchte in diesem Zusammenhang aber auch erwähnen, dass die Unterkirche in Bad Frankenhausen, die von der Kirchengemeinde aktiv genutzt wird, weiter gefördert wird.

Wie auch alle anderen aktiv genutzten Kulturdenkmale im Kyffhäuserkreis weiter gefördert werden: So beispielsweise die Wasserburg Heldrungen, das Schloss Wiehe, die Parkanlagen Ebeleben und Bendeleben, der Burghof Kyffhäuser, oder die Stadtkirche Greußen.“
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7 Kommentare
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 23.11.2011 | 14:28  
Axel Heyder aus Erfurt | 24.11.2011 | 09:35  
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 24.11.2011 | 10:14  
Axel Heyder aus Erfurt | 24.11.2011 | 10:57  
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 24.11.2011 | 11:52  
5.678
Gunter Linke aus Saalfeld | 25.11.2011 | 13:30  
Lokalredaktion Sömmerda aus Sömmerda | 25.11.2011 | 14:34  
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