Schule in Not

vor der Versammlung, voller Parkplatz
 
gespannte Erwartung
Wiehe in Not
Der STADTBOTE von Wiehe rief im Juli zum Erhalt der „Grundschule am alten Wald“ auf, und viele kamen am 8. 7. 2013 in die Turnhalle ihrer Schule: Vertreter der Stadt mit der Bürgermeisterin, Vertreter von Institutionen, Vereinen, Betrieben, Firmen, heutige Lehrer und Lehrerinnen, auch ehemalige Pädagogen und natürlich Eltern. Ich war erstaunt, wie viele ihr Interesse am Schulstandort Wiehe bekundeten, hätte mir aber gewünscht, die Turnhalle hätte die Masse der Eltern nicht aufnehmen können. Genau das wäre dem Anlass „Grundschule Wiehe in Not“ gemäß gewesen; denn was wäre unser Städtchen ohne Schule.
Aus dem beschaulichen Wiehe, wie es in der TA vor kurzem beschrieben wurde, würde ein ödes Städtchen ohne Kultur, ohne Hoffnung auf Zukunft werden, bedeutungslos, überaltert, dahin siechend.
So weit die Bürger Wiehes zurückdenken können, war ihre Stadt Schulstandort. In die Alte Schule ging schon meine Mutter (Jahrgang 1914). Als die Schule nach dem Zweiten Weltkrieg aus allen Nähten platzte, zog man ins Schloss. Liebevoll erinnern sich ehemalige Lehrer und Schüler der Schulzeit im Schloss. Aus Einsicht in die Notwendigkeit entstand die NEUE SCHULE, die Polytechnische Oberschule für die Klassen 1 bis 10, für modernen Unterricht in allen Fächern, für sinnvolle Freizeitgestaltung.
In den Winterferien 1980 war die Neue Schule bezugsfertig. Viele Freizeitstunden opferten Lehrer und Schüler für den Umzug. Seit Beginn des neuen Schuljahres war hier mein Arbeitsplatz. Ich unterrichtete Deutsch, Englisch, Russisch, auch Biologie, gab Schulgartenunterricht sowie Nadelarbeit, erhielt Einblick in den Schulhort. Vom 5. bis zum 10. Schuljahr führte ich als Klassenleiterin eine Klasse. Diese Klassenstufe war nicht nur zweizügig wie die anderen, sondern sogar dreizügig mit je 18 Schülern. Von solch einem Geburtenreichtum kann man heute nur träumen. Aber die Grundschule in Wiehe hat genügend Schüler (90), eine engagierte Lehrer- und Elternschaft.
Gut vorbereitet, überlegt und besonnen sprachen nicht nur die Vertreter der Öffentlichkeit, - jetzige Bürgermeisterin, Frau Dagmar Dittmer, ehemaliger Bürgermeister, Herr Willi Willomitzer, - sondern auch Vertreter der Eltern, Betriebe, Vereine und Institutionen für den Erhalt unserer Schule.
Und obwohl der ehemalige Direktor der Klosterschule Rossleben, Herr Erich Hofereiter, die Versammlung gut moderierte, verlief diese eine Zeitlang überschäumend emotional. Ich konnte das gut verstehen; denn der Erste Kreisabgeordnete des Kyffhäuser Kreises, Herr Holger Hässler, konnte die Anhänger der wiehschen Grundschule nicht überzeugen, dass Bottendorf der bessere Grundschulstandort wäre. Herr Sven Tschapeller von der Bauverwaltung erfand im Eifer der Diskussion eine 5. Etage, die Grundschülern nicht zugemutet werden könne, für die man einen Fahrstuhl bauen müsse. Ganz unverständlich blieb mir, warum die Herren vom Kreis die Inklusion Behinderter in die Diskussion brachten, als wäre sie ausschlaggebend für den Standort der Grundschule.
Als gut empfand ich die Zusammenfassung der Versammlung: „Berichten Sie im Kreis, dass wir in Wiehe für den Erhalt beider Schulstandorte plädieren. Kleine Füße müssen kleine Wege zur Schule haben, sowohl in Wiehe wie auch in Bottendorf.“ Leider wurde diese Forderung im Bericht der Tagespresse (TA) nicht veröffentlicht. Auch die Feststellung des Betriebsleiters, Herrn Uwe Erl: „Keine Bildung ist die teuerste Bildung“ hielt man von der Presse für überflüssig.
Auf dem Heimweg wurde eifrig weiter diskutiert, sehr emotional und hart: „Abgekartetes Spiel!“, „Rufmord“, „Die billigste Lösung ist für unsere Kinder gut genug. Kurzsichtigkeit!“ „Armes Deutschland!“ „Leute wir geh`n heim, machen Kinder.“
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