Sehen und gesehen werden

Lebensqualität: Teilhabe an Sport, Kultur u. Vereinsleben
Für ungezählte Unsichtbare – gegen goldene Tabletten
Wir verabschieden uns: „Bis bald.“ und „Man sieht sich.“ Wir gehen durch Straßen, über Märkte, in Museen und Schlösser, ins Konzert und Theater, um zu sehen und gesehen zu werden. Nicht so unsere blinden und sehbehinderten Mitbürger. Oder hat jemand von Euch dort irgendwo schon Blinde gesehen? Immerhin leben in Berlin schätzungsweise 20 000 sehbeeinträchtigte und 6000 blinde Menschen, bundesweit soll es 150 000 Blinde und 500 000 Sehbehinderte geben. Ich sah weder in unserer Hauptstadt noch irgendwo im Land einen von ihnen, aber ich weiß: Es gibt sie. Doch keiner weiß, ob diese Zahlen stimmen.
In der alten BRD wurden blinde und sehbehinderte Mitmenschen nie gezählt. Die DDR hingegen veröffentlichte ihre Zahl jährlich auf Grundlage ausgezahlter Blindengelder. Bei dieser Vorgehensweise ist eine Dunkelziffer möglich. Nach der politischen Wende übernahm die neue, nun größere BRD die Zahlen des nicht mehr existierenden Staates, rechnete sie per Dreisatz und Schätzung hoch. (Erinnert Euch! Dreisatz: Mit Hilfe dreier gegebener Größen wird eine mit ihnen zusammenhängende Unbekannte bestimmt.) Man erhielt folgendes Ergebnis: 650 000 BRD-Bürger sind seheingeschränkt. Da erfahrungsgemäß auf 3 Blinde 10 Sehbehinderte kommen, geht man von 150 000 Blinden und 500 000 Sehbehinderten aus.
Verbittert stellen die vom Schicksal hart getroffenen fest: „Wer nicht sieht, wird nicht gesehen.“ Sie fordern zornig: eine Statistik, angemessenes, in allen Bundesstaaten gleiches Behindertenteilhabegeld, Barriere-Freiheit und genügend ausgebildete Pädagogen. Um diese berechtigten Forderungen des Blinden-und Sehbehindertenverbandes zu erfüllen, ist eine Statistik notwendig. Diese ist wichtiger als parteipolitisches Geplänkel, wichtiger als die Auszeichnung der beliebtesten Pharmabetriebe mit der GOLDENEN TABLETTE. Statt Ärzte mit der Einschätzung des Pharmaimages zu belasten, sollte man die überlasteten Mediziner die Pflicht an ihren Patienten erfüllen lassen. Die Arzneimittelindustrie sollte sich mit dem materiellen Gewinn zufrieden geben und nicht von Nachhaltigkeit schwatzen, solange Erkrankungen zunehmen.
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7 Kommentare
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Uwe Zerbst aus Gotha | 27.10.2012 | 13:27  
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Manfred Hartmann aus Nordhausen | 27.10.2012 | 15:30  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 27.10.2012 | 22:46  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 30.10.2012 | 08:08  
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Hannelore Grünler aus Artern | 30.10.2012 | 13:21  
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Antje Hellmann aus Jena | 30.10.2012 | 15:09  
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Hannelore Grünler aus Artern | 30.10.2012 | 20:19  
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