Ein AMD-Patient sieht anders

junge Mutter
Zu viel des Guten (Ostern 11)
Tagelang Sonne pur, sommerliche Temperaturen, täglich Kopfschmerzen, Blitze hinter geschlossenen Lidern noch nach dem Mittagschlaf! Ich konnte mich nicht an April-Sommer-Sonnen-Überfluss gewöhnen. Der Osterspaziergang fiel aus. Während Manfried in den Garten fuhr, um nach dem Rechten zu sehen und einen Kräuterstrauß zu pflücken, bestückte ich einen schattigen Arbeitsplatz im Hof mit allerlei Utensilien. Ich wollte Bildcollagen zusammenstellen, die anderen meine AMD-Sicht auf Personen verdeutlichen konnten. Aus der Gartenzeitung schnitt ich passende Bilder, verdeckte Gesichter mit dunkleren Papierausschnitten. Meine papiernen Anschauungsobjekte musste ich mit Steinen vorm Wind sichern. Nachdem ich einige Kinder- und Erwachsenenbilder gefertigt hatte, versuchte ich, mit buntem Zeitungspapier zu zeigen, was ich mitunter stundenlang vor meinen gestressten Augen sehe: glühende Kreise dunkel umringt, leuchtende Reifen um tiefschwarze Mitte, Blitze im Farbengewirr.
Mein verständnisvoller Mann kam mit Flieder- und Kräuterstrauß zurück, gesellte sich zu mir, durchforstete Zeitungen nach Ideen für die Schaufenster-Illustration des Gartenvereins anlässlich der 1225-Jahr-Feier unseres Städtchens. An seinen Fragen zu meiner Schnippelei merkte ich, dass selbst ihm nicht klar war, wie ein AMD-Patient seine Mitmenschen und Umgebung sieht. Meine österliche Beschäftigung würde vielleicht einige dieser Unklarheiten beseitigen können.
Nach einer weiteren Stunde Collagebau am Ostermontag war ich voller Hoffnung. Die Farbzusammenstellungen ähneln meinem Sehen. Aus Schnippeln Fotos zu fabrizieren, ging über meine Augenkraft. Manfried nahm es mir ab. Ins Internet, also Mitmachportal der AA, können wir die Hobby-Collagen setzen. Sie werden gesehen, helfen mir, andere vor AMD zu warnen. Ich muss eine gute Auswahl treffen: die besten Bilder zum Verallgemeinern, genug, aber nicht zu viel des Guten. Ich weiß: Niemand will Verschwommenes, Verzerrtes, Verblasstes sehen. Meine Collagen werden es schwer haben, neben schönen Fotos der Frühlings- und Ostergalerien zu bestehen. Sie sollen nicht bewundert, sondern beachtet werden.
Inzwischen dachte ich über weitere Möglichkeiten zur Veranschaulichung meiner Seh-Fähigkeit nach, mit Erfolg, wie ich hoffe.
Gesichter erkennt er nicht. Aber hinter geschlossenen Lidern ist es nicht dunkel.
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6 Kommentare
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 26.04.2011 | 23:14  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.04.2011 | 23:52  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 28.04.2011 | 09:37  
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.04.2011 | 12:46  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 28.04.2011 | 18:36  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 28.04.2011 | 19:33  
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