Kindesunterhalt steht an erster Stelle

Reaktion auf einen Artikel mit diesem Titel aus der TA vom 29. April 2011

Mit meiner Geschichte als Vater, über die Beziehung zu meiner seit Juli 2009 volljährigen Tochter und den Einfluss Ihrer Mutter möchte ich versuchen, ein immer wieder gleiches und schnell gefundenes Urteil, dem Leser aus der Sicht des „Bösen“ näher zu bringen.

Nach dem sich meine damalige Frau, im Jahr 2000, von mir trennte, war für einige Jahre die Beziehung zu meiner Tochter die eines Vaters zu seinem Kind. Das Besuchsrecht war geregelt und wurde eingehalten, der Unterhalt durch eine Urkunde vom Jugendamt festgesetzt.
Mit Erreichen der Pubertät änderten sich die Interessen meiner Tochter. Besuche an Wochenenden wurden immer seltener. Meine Nachfragen vor den Wochenenden fanden immer häufiger die Antworten: „Ich bin bei meiner Freundin“ oder „Ich fahre mit Mutti einkaufen“.

Im Dezember 2007, nachdem der letzte Besuch über ein halbes Jahr zurücklag, habe ich mir in einem Anruf erlaubt zu sagen „Um Dein Weihnachtsgeschenk zu bekommen, solltest Du mich schon noch mal besuchen kommen“. Der Rückruf der Mutter war laut und anklagend, „Wie kannst Du deiner Tochter so etwas antun“, genau diesen Umgang, mit einem für mich ernsten Problem der Entfremdung, erwartet man von einer studierten Sozialpädagogin. Seit dieser Zeit reduzierte sich der Kontakt auf Geburtstagsgeld, Weihnachtsgeld, ab und zu eine Handykarte und „Papa kannst Du mich mal wohin fahren“. Die letzte „Geldübergabe“ fand Weihnachten 2009 statt. Ein Besuch von mir bei ihr: 5 Minuten Windfang, Dankeschön und Tschüss.

Im Januar 2010 habe ich meinen Arbeitgeber gewechselt und bin mit meiner neuen Frau und unserer kleinen Tochter umgezogen. Ein gegebener Anlass für meine große Tochter nachzufragen: „Papa, wenn Du jetzt eine neue Anstellung hast, müssen wir dann nicht den Unterhalt neu berechnen lassen? Ich brauche von Dir eine Verdienstbescheinigung!“ Ich kann nur vermuten, dass diese Anfrage von Ihrer Mutter empfohlen wurde. Auf meine Antwort: „Natürlich, aber da Du bereits 18 bist, benötige auch ich Bescheinigungen von Dir und deiner Mutter“, wechselte mein Gesprächspartner. Ihre Mutter beschimpfte mich grob: „Meine Einkünfte gehen Dich gar nichts an, mit Leuten wie Dir habe ich tagtäglich zu tun!“ Hier möchte ich ergänzen, dass Sie an einem Amtsgericht tätig ist.

Zu dieser Zeit war mir nicht klar, dass die Existenz der Jugendamtsurkunde aus dem Jahr 2000, die sich nur auf die 2. und 3. Altersstufe bezieht (die 3. Altersstufe endet mit dem 18. Geburtstag) trotz intensiver Bemühungen zur neuen Berechnung und langem Schriftwechsel zwischen den später eingeschalteten Anwälten zu einer sehr hohen Nachzahlung führen sollte.

Ich habe meiner Tochter direkt nach dem unangenehmen Telefonat geschrieben. In einer E-Mail habe ich Ihr die Art der Unterhaltsberechnung volljähriger Kinder genau aufgezeigt. Lange blieb dieses Schreiben unbeantwortet. Im Wissen darüber, dass Ihre Mutter in guter Anstellung ist und niemanden weiter Unterhalt schuldet, habe ich meine Zahlung gekürzt. Ich habe weiterhin über die Hälfte Ihres Gesamtanspruchs bezahlt, ohne den Anspruch meiner zweiten minderjährigen Tochter zu berücksichtigen.
Nun wurde ich von meiner Tochter voll aus Ihrem Leben gestrichen. Ich erhielt weder eine Auskunft über den Abschluss Ihres Abiturs, noch über den Beginn des Studiums. Gern wäre ich als Vater mehr als nur eine Zahlungseingang am Monatsbeginn.

Nach mehrmonatiger Funkstille, kam dann der erste Brief ihres Anwalts mit einer Zahlungsaufforderung noch über den Titel der bestehende Urkunde hinaus, jedoch ohne jede Auskunft von Tochter und Mutter. In endlosem Schriftverkehr, wurden die gesetzten Fristen immer wieder ignoriert, obwohl ich meine Auskünfte zeitnah in der gestellten Frist geleistet habe. Die für die Berechnung auch relevante neue Lebensgemeinschaft der Mutter ist in einem Schreiben einfach weggelogen worden. Hier denke ich, ein wenig mehr Aufrichtigkeit wäre wohl eher im Interesse des Kindes.

Schlussendlich, nach dem Verstreichen eines ganzen Jahres, blieb nur der Antrag auf Abänderung an das Gericht. Meine letzte Hoffnung das meiner Tochter verdeutlicht wird, dass nicht ausschließlich ihr Vater für ihren Unterhalt zuständig ist. Vielleicht wächst dann ein wenig Verständnis für die Haltung des Vaters und man nähert sich langsam wieder an.
Die Verhandlung kam und traf mich schwer. An Stelle einer von mir erwarteten Betrachtung meiner Verhältnisse, die meiner Tochter und Ihrer Mutter (es hat sich wirklich viel Schriftverkehr angesammelt) wurde mir verdeutlicht, dass das Gericht völlig überlastet und somit nicht in der Lage ist , sich intensiv mit allem Fällen zu beschäftigen. Es blieb also nur die Urkunde, ohne Berücksichtigung der Volljährigkeit meiner Tochter oder der Bedürfnisse meiner zweiten minderjährigen Tochter, für das gesamte Jahr 2010 in voller Höhe.

Der Wunsch meiner Tochter vom Januar 2010, den Unterhalt neu berechnen zu lassen, sollte auch dann Berücksichtigung finden, wenn dadurch weniger Geld von Papa zu bekommen ist. Meine Anstrengungen über das gesamte Jahr, eine Unterhaltseinigung zu finden, an der sich auch die Mutter beteiligt, blieben unberücksichtigt. Demnach war das geschickte Hinauszögern durch den Anwalt der Tochter am Ende von Erfolg gekrönt. Auch zu Ihrem Vorteil ergab sich das Versäumnis, zu Studienbeginn einen Antrag auf Bafög zu stellen. Der für das Jahr 2011 gestellte Antrag ergab einen mehr als doppelt so hohen Anteil für die Mutter, da im Gegensatz zum Gericht das Bafög-Amt auch weitere Kinder berücksichtigt.

In einem Artikel der TA vom 29.04.2011, wenige Tage nach meiner Verhandlung, spricht ein Richter darüber, dass es meist die Männer sind, die Ihren Unterhalt zu mindern versuchen. Ich denke aber, es sind auch häufig die Männer, die wie ich, nach der Volljährigkeit ihrer Kinder draufzahlen und die Mütter ziehen den Nutzen daraus, ihren Anteil nicht leisten zu müssen.

Da die meisten Unterhaltsurkunden die Änderungen ab dem 18. Lebensjahr nicht berücksichtigen, möchte ich jeden dazu raten, ob Vater oder Mutter, der auf eine solche Urkunde verpflichtet ist, sich rechtzeitig um Abänderung zu kümmern und sich nicht hinhalten zu lassen. Das Ergebnis einer zu spät geführten Verhandlung kann jeden sehr grob treffen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
5 Kommentare
Thomas Gräser aus Erfurt | 04.05.2011 | 12:02  
Thomas Gräser aus Erfurt | 04.05.2011 | 12:29  
Thomas Gräser aus Erfurt | 04.05.2011 | 13:41  
6
Goeran Most aus Artern | 06.05.2011 | 08:04  
Thomas Gräser aus Erfurt | 06.05.2011 | 13:12  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige