Nebenwirkung in Kauf nehmen?

14 Euro für Heilkräuter, 5 Euro Rezeptzuzahlung
„Ärzte fragen nicht,“
sagte verschmitzt lachend mein Hausarzt. „Sie wissen alles.“ Mir war nicht zum Lachen. Ich wusste, dass er die Wahrheit scherzend aussprach. Mit dem Befund vom Röntgen hatte er mich zum Lungenspezialisten überwiesen. Wir fanden das neue Ärztehaus schnell. Ich war positiv überrascht: modern, hell, geräumig, behindertengerecht, allerdings für Sehbehinderte weniger, zügige, freundliche Abfertigung. Schnell waren wir wieder auf dem Heimweg, in der Tasche den Befund und das Rezept für ein Präparat zum Inhalieren. Die Enttäuschung kam später, als mir Sohn den Beipackzettel vorlas. Verheerend die Nebenwirkungen! Zum Schluss das Schlimmste: „Mögliche Nebenwirkungen schließen Störungen der Nebennierenrindenfunktion, Verminderung der Knochendichte, Wachstumsverzögerungen bei Kindern und Jugendlichen sowie Augenerkrankungen (grauer Star - Katarakt, grüner Star - Glaukom) ein.“
Wie bei vielen alten Menschen lässt bei mir die Knochendichte nach, hat der graue Star begonnen. Eine OP desselben ist für AMD-Patienten nicht unproblematisch, weil der als Ersatz eingesetzten künstlichen Linse die Schutzmembran gegen die UV-Strahlen des Sonnenlichtes fehlt. Dadurch kann die Makuladegeneration schneller voranschreiten, der Patient eher erblinden. Wie verhängnisvoll!
Ich war enttäuscht, wütend; denn der Lungenarzt hatte eine Liste meiner Arzneien verlangt und bekommen. Sie enthielt auch meine Augendragees. Warum hatte er nicht gefragt. Ach, ja: „Ärzte wissen alles.“ Wie schlimm stand es um meine Bronchen? Den Befund konnte ich nicht deuten. Der ihn geschrieben hatte, war im Urlaub. So ging ich zum Hausarzt, bevor der auch entfloh. Er erklärte mir, die Funktion der Atemwege sei altersgerecht normal, nur auf das Reizmittel bei der Untersuchung hätten meine Bronchen empfindlich reagiert. Außerdem riet er mir, meine Augenärztin zu konsultieren.
Diese hat Urlaub. Ich glaube kaum, dass sie mir zu dem Inhalationsmittel raten würde. Auch in der Apotheke wusste man keinen Rat. Also - selbst ist die Frau. Ich studierte meine „Klosterheilkunde“, kaufte Fenchelfrüchte, Eibischwurzel, Malvenblätter und –blüten sowie Spitzwegerich, setzte Fenchelhonig an, stellte eine Teemischung her. Nun hoffe ich, dass es hilft.
Am meisten ärgere ich mich über mich selbst. Hätte ich die Nebenwirkung auf meine Arznei zur Regelung des Blutdruckes ernst genommen, wäre mir viel erspart geblieben, unnötige Geldausgaben, Autofahrten und viel Ärger. Sohn machte mir klar, dass Ärzte nicht das leisten können, was ich von ihnen erwarte. Das Gefühl, dass meine Gesundheit nur mir wichtig ist, dass andere an meinem Schicksal verdienen, bleibt.
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4 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 06.08.2011 | 09:17  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 06.08.2011 | 21:09  
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Hannelore Grünler aus Artern | 06.08.2011 | 21:30  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 06.08.2011 | 22:09  
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