Trügerische Hoffnung einer AMD-Patientin

Wanderung zu zweit (gute Sicht mit beiden Augen)
Nur ein halber Mann
Ausgeruht starteten wir in den Tag, in einen sonnigen Sonntag, nicht zu warm, nicht zu kalt. Nur eine leichte Brise wehte uns Wandernden entgegen. Schleierwolken am Himmel erlaubten mir, die Sonnenbrille einzustecken. Über die blühende Wiese folgte ich meinem Mann, dem Vorgänger, der mir auch schnell einmal ein Hindernis aus dem Weg räumt, wie auf all unseren Wanderungen. So lichtdurchflutet wie die Landschaft war auch meine Scheibe vorm Auge. „Das ist mein Wetter, mein Tag“, dachte ich. Und da muss mich wohl der Teufel geritten haben. In der Hoffnung auf freie Sicht deckte ich mein linkes Auge ab, wollte das rechte zum Unmöglichen zwingen. Ach, du trügerische Hoffnung! Vor mir wanderten nur zwei Beine. Darüber gähnte ein schwarzes Loch. Enttäuscht senkte ich den Blick. Da verschwanden die Beine im Dunklen. Dafür war jetzt meines Ehemannes obere Hälfte zu sehen und an Stelle der Beine gähnendes Schwarz, aus dem mich des Teufels Fratze anzugrinsen schien. Unwillkürlich war ich stehen geblieben. Mein Vorgänger fragte besorgt: „Bin ich zu schnell?“ „Nein, ich halte Schritt.“
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2 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 30.08.2011 | 11:54  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 30.08.2011 | 14:55  
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