Umweltgefahr für unser Augenlicht

Augenlicht in Gefahr
Unbekannte Leidensgefährtin
Draußen war es hell. Ich lauschte, hörte kein Regengeprassel auf dem Dachfenster mehr. Also stand ich auf, um endlich die Rabatte vorm Haus vom Unkraut zu befreien. Auf der Haustreppe stehend, stellte ich erfreut fest, dass der Wind Beet und Weg abgetrocknet hatte. Die Nachtkerzenblüten hingen vor Nässe wie Glocken herab, umschwirrt von Insekten. Sie würden sich nicht wieder aufrichten. Erst jetzt konnten die Krabbler die Bestäubung vollziehen.
Hacken und Jäten gingen leicht. Um gut sehen zu können, hatte ich die Hacke mit dem abgebrochenen Stiel gewählt. Ich musste sowieso tief gebückt arbeiten. Erst die Hälfte war geschafft, als das Zopfmädchen, das um 7 Uhr zum Schulbus lief, herüber grüßte. Ihr Winken aber galt der Mutter, die vorm Haus stand und ebenfalls winkte. Tägliches Abschiedsritual!
Ich bückte mich wieder hinab zum Gelb und Orange der Tagetes, beeilte mich; denn in einer Stunde würde ich zum Frühstück erwartet. Ein PKW fuhr auf den Parkstreifen direkt hinter mir. Ich richtete mich auf und dankte der Fahrerin lachend: „ Schön, dass sie mich nicht umgefahren haben!“ Ihre Antwort kam freundlich, in Eile: „Ich habe zwar nur ein Auge, sah Sie aber trotzdem.“ „Da sind wir Leidensgefährten. Auch ich muss mit einem Auge zurechtkommen. Was fehlt Ihrem denn?“ „Das weiß ich noch nicht, will gerade zum Arzt.“ „Da müssen sie aber so schnell wie möglich zum Augenarzt“, war mein Rat. Und die Ahnungslose erwiderte schon von der anderen Straßenseite: „Ich versuche es zuerst bei meiner Hausärztin. Wenn sie mir nicht helfen kann, brauche ich sowieso eine Überweisung zum Augenarzt.“
Meine Hände jäteten, meine Gedanken kreisten: „Da eilt sie dahin, die Nichtsahnende! Denkt an das erforderliche Scheinchen, gute Staatsbürgerin unseres bürokratischen Staates. Sie erwartet nichts Gutes. AMD ist nur eine Gefahr für unser Augenlicht. Ich werde wohl kaum etwas über ihr Los erfahren. In dieser Kürze der Begegnung prägte sich mir nichts ein. An ihr Gesicht kann ich mich schon jetzt nicht erinnern. Der Klang der Stimme verhallte, ohne eine Klangspur zu hinterlassen. Da ich ihr nicht nachschaute, kenne ich auch ihren Gang nicht. Unbekannte Leidensgefährtin ich wünsche dir Glück und einen guten Augenarzt.“
Allein in Deutschland leiden jetzt schon vier Millionen Menschen an AMD, weltweit sind es 25 bis 30 Millionen. Die Prognose der Augenheilkundler ist düster: In 30 bis 40 Jahren werden 75 bis 90 Millionen Menschen weltweit an AMD erkrankt sein. Betroffen sind besonders die Menschen in den Industrieländern; denn zur Vererbung kommen die Schädigungen aus deren gesundheitsgefährdender Umwelt hinzu.
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10 Kommentare
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 15.07.2012 | 21:21  
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Hannelore Grünler aus Artern | 15.07.2012 | 21:37  
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Karin Jordanland aus Artern | 15.07.2012 | 21:46  
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 15.07.2012 | 21:50  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 15.07.2012 | 22:40  
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Hannelore Grünler aus Artern | 16.07.2012 | 00:06  
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Renate Jung aus Erfurt | 18.07.2012 | 00:15  
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Hannelore Grünler aus Artern | 18.07.2012 | 02:03  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 18.07.2012 | 21:02  
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 19.07.2012 | 09:50  
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