Alter Geist im Schlossgemäuer

Thema der Geisterstunde
Ungewöhnliche Geisterstunde im Schloss Wiehe
Die Geisterstunden in unserem Schloss haben nichts mit dem Erscheinen von Gespenstern zu tun, sondern sie sollen den Intellekt der Gäste bereichern. Zu diesem Zweck halten auf ihrem Gebiet Kompetente im Winterhalbjahr im Gewölbekeller Vorträge. Für den 7. 9. 2012 war um 19 Uhr zur Geisterstunde eingeladen worden. Das Thema lautete: „Geschichte und Geschichten zum Schloss WIEHE“. Referent war einer aus der Familie Werthern, Herr Ludwig Most.
Wie immer waren alle Stühle im Weinkeller besetzt. Einige wurden zusätzlich hereingetragen. Ich sah viele auswärtige Gäste. Mitglieder des Schlossvereins schenkten Wein und alkoholfreie Getränke aus. Nach der Vorstellung des Referenten folgte dessen Vortrag. Herr Most verstand es, uns Zuhörer zu packen. Er sprach interessant, gut gegliedert. Auf einer Leinwand verdeutlichte er die Gliederung seiner Rede und veranschaulichte sie durch Bilder.
Nicht nur der Termin dieser Geisterstunde war ungewöhnlich, sondern auch ihr Inhalt. So wie Herrn Mosts Rede persönlich war, ist auch mein Beitrag mein persönlicher Eindruck. Die im Thema angekündigten Geschichten vom Schloss vermisste ich. Der Exkurs in die Historie der von Werthern erschien mir anfangs zu weit in die Vergangenheit zu gehen. Keiner würde sich all die Namen der jahrhundertelangen Geschlechterfolgen merken. Dann fiel der Begriff URADEL, und ich verstand, was zu beweisen war.
Die Nachfahren der Schlossbesitzer fühlten sich zu Unrecht enteignet, das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg, das zweite Mal nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Meinen Eltern war im und nach dem Krieg auch Unrecht geschehen. Schon immer wurden die Biographien der Menschen von der Politik beeinflusst. Mir ging das Bildungsprivileg, das Mutter und Vater trotz Begabung eine höhere Bildung verwehrt hatte, durch den Kopf.
Herrn Mosts Vortrag weckte viele Erinnerungen. Z. B. waren Schweinehirten für mich als Kind keine Märchenfiguren, sondern sehr real. Während die Schlosskinder ein Kindermädchen hatten, musste meine Mutter für mehrere Nachbarskinder Kindermädchen sein. Großvater als Dachdecker war froh, dass er in den Wintermonaten das Schlossdach reparieren durfte. Er wäre sonst ohne Arbeit gewesen.
Während der Diskussion merkte ich, dass sich Herr Most des Sprengstoffes seiner Ausführungen bewusst war; denn die Aufforderung, alles in einem Buch zu veröffentlichen, lehnte er ab, weil ein solches Unfrieden bringen könne. Allerdings versprach er dem Schlossverein den Text seines Referates. Ich empfand das als inkonsequent.
Im Gegensatz zu vorhergehenden Geisterstunden sprach diese nicht nur den Intellekt an, sondern je nach Alter, Herkunft und Erlebnissen der Anwesenden auch ihr Gefühl.
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