Öfen sammeln? Doch, das geht. Ronald Koch sammelt nicht nur, er restauriert auch

Leben im Ofenmuseum: Ronald Koch zwei zwei Prachtexamplaren historischer Öfen. Foto: Heyder
  Kyffhäuserland: Antike Gussöfen |

Von Oslo bis Alicudi - Sammler und Restaurator Ronald Koch – Mit jedem Ofen ist ein Abenteuer verbunden

„Julius Wurmbach, Bockenheim“, wenn dieser Schriftzug auf einer Metallplatte zum Vorschein kommt, glänzen die Augen von Ronald Koch. Der Name klingt wie Musik in seinen Ohren. Dann hat er einen gefunden, jenen Rolls Royce unter den Öfen. Formschön, leistungsstark und vollendet in der Luftregulierung.

In seinen Adern fließt wohl kein Blut mehr, sondern Ruß. „Wenn einer sagt ich bin verrückt, hat er recht“, sagt Koch schmunzelnd. Der Mann aus Günserode sammelt und restauriert Gussöfen aus der Kaiserzeit. Jugendstil und Gründerzeit von 1870 bis 1910 in etwa.

Damals hießen sie Füll-Regulier-Ofen und waren nicht einfach nur zum Heizen da. Sie waren das Prunkstück in großen Herrenzimmern, reichlich verziert und manchmal sogar in Farbe, anstelle des üblichen Ofenschwarzes. „Ein Ofen mit Farbe war gleich doppelt so teuer“, weiß Koch, der tiefes Glück empfindet, wenn er einen seiner Musterkataloge der Gießereien durchblättert und diese Schönheiten auf dem Papier bestaunt. Einige davon stehen in Flur, Wohnzimmer und Arbeitszimmer. Überfüllt wirken die großen Räume trotzdem nicht, eher wie ein Museum.

„Aber in die obere Etage kommen sie nicht“, sagt seine Frau Rebekka mit einem Schmunzeln, die ab und zu hinter her schickt: „Hättest du nicht einfach Briefmarken sammeln können!“

Jeder von Kochs Öfen ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern in seiner Beschaffung mit einem Abenteuer verbunden. Und davon können die Kochs dutzende erzählen. Wie man einen 120-Kilo-Ofen im Flugzeug von Oslo nach Berlin transportiert beispielsweise. Na wie wohl? „Im Handgepäck.“ Und schon läuft vor Kochs innerem Auge ein Film ab: „Wir sind zu dritt nach Norwegen geflogen, ich habe den Ofen gekauft und vor Ort auseinander gelegt. Auf einem Parkplatz habe ich sechs Pakete geschnürt und sie so lange umgepackt, bis jedes davon 20 Kilo wog.“ Das passt ins Handgepäck. Ohne jede Stadtbesichtigung ging es prompt mit dem nächstmöglichen Flieger zurück, alles innerhalb von 24 Stunden. Nur eines der Abenteuer, die mit einem Ofen verbunden sind. Koch könnte tagelang erzählen von solchen Reisen. Zwischenzeitlich standen mal Hunderte auf dem urgemütlichen Hof in Günserode, in dessen Galerie noch immer eine Sammlung kleiner Kanonenöfen steht. „Mit dem kleinen ganz links hat die Sammlung mal angefangen“, erklärt Koch, wie er sich mit diesem brennenden Virus angesteckt hat.

Von Oslo bis Alicudi, von Moskau bis Paris kennt man Koch unter den Liebhabern und Besitzern alter Gussöfen. Er gehört zu einer handvoll von Fachleuten für die Restaurierung. Der gelernte Heizungsbauer sammelt nicht nur, er restauriert die alten Stücke originalgetreu und hat inzwischen einen Beruf daraus gemacht. Auch für die Öffentlichkeit sind die Stücke zu sehen, wer sich vorher anmeldet, darf vor Ort einen Blick auf die erstaunliche Sammlung werfen.

Info: Kochs Antike Gussöfen, Ronald Koch, Wippertalstrasse 9
99707 Kyffhäuserland OT Günserode.www.antiker-gussofen.de


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