Von Jüngeren lernen

Ein Strauß mit 5 Heilkräutern
Plauderstunde mit Kräutertee
Am Samstag, dem 8. 9., war im Heimathaus eine ungewöhnliche, interessante Plauderstunde. Ungewöhnlich war der Samstag als Termin. Das war nötig, denn die junge Kräuterkundige, Andrea Bachmann, ist berufstätige Mutter und Ehefrau. Heilkräuter, deren Sammlung und Anwendung sind ihr Hobby. Natürlich gab es auch den traditionellen Bohnenkaffee, aber dazu keinen Kuchen. Andrea hatte einen prächtigen Kräuterstrauß sowie zwei große Schüsseln mit Brotaufstrich für uns zubereitet, eine mit süßem, eine mit herzhaftem. Etliche Brotsorten standen bereit, und alle langten tüchtig zu. Wir waren des Lobes voll.
Eigentlich hatte ich zuerst keine Lust, meinen Mittagsschlaf zu opfern, weil ich mir keinen persönlichen Gewinn von der Veranstaltung versprach, fühle ich mich doch selbst als Kräuterhexe. Dann sagte ich mir, dass man immer dazulernen könne. Das war gut; denn seit dem Auftritt mit ihrem Kräuterwissen in einer Geisterstunde im Schlosskeller hatte die Vortragende viel dazugelernt über Kräuter, ihre Inhaltsstoffe und Anwendung, den Konkurrenzkampf zwischen Kräuterkundigen und Pharmaindustrie, über Nebenwirkungen von Arzneimitteln, Heilkunde der Germanen. Das trug sie sicher und anschaulich vor, ließ sich durch Zwischenfragen nicht beirren. Auch ich erfuhr einiges Neues, auch Erstaunliches, z. B. über die hoch interessante Biologie der Brennnesseln und Mystizistisches, das ich nicht glauben wollte.
Andrea verkündete die Weisheit eines Kräuterkundigen: „Vertrauen Sie! Die Heilkräuter kommen zu den Kranken. Ich habe dies selbst schon beobachtet, begrüßte das Kräutlein freundlich. Es vermehrte sich, und im nächsten Jahr wurde es in unserer Familie gebraucht.“
Ausgerechnet ich ungläubige Hanne lieferte zu dieser in meinen Augen wundergläubigen Ansicht mehrere bestätigende Erfahrungen.
In Rerik lieh mir unsere Wirtin, die mein Hobby kennt, ein neueres Kräuterbuch. Ich machte mir Notizen, suchte nach dem Ostsee-Urlaub das für die Augen angepriesene Schöllkraut überall vergebens, fand es schließlich auf dem Friedhof. Hier jätete ich am Denkmal für die Gefallenen und nahm mir eine Schöllkraut-Pflanze mit heim. Auf unserem Hofbeet gedieh sie so gut, dass ich sie noch im gleichen Jahr nutzen konnte. Im Folgejahr wuchs Schöllkraut in rauen Mengen auch an den entferntesten Orten. Hatten es die Vögel ausgesät? Warum nicht schon früher?
Andrea berichtete, sie habe ihrer Mutter für die Augen Weinraute-Kautabletten verordnet. „Ach“, warf ich ein, „vor Jahren kaufte ich eine Weinraute auf dem Wochenmarkt. Die winterharte Pflanze gefällt mir. Sie hat blaugrünes Laub, gelbe Blüten, schmeckt aber schrecklich bitter. Seit zwei Jahren steht fast immer ein winziges Väschen mit diesem Kraut auf unserem Esstisch, weil ich der Meinung bin, wenn wir Menschen Geschmacksnerven für Bitteres haben, sollten wir auch Bitteres essen, das für die Verdauung gut ist. So kam also ein Heilkraut, dessen Wirkung früher in der Weinherstellung genutzt wurde, zu mir AMD-Patientin, ohne dass ich seine Heilkraft für mich kannte.“
Nun kaue ich die Blätter der Weinraute im Bewusstsein, meinen Augen Gutes zu tun, suche in Kräuterbüchern Wissenswertes über diese Pflanze, die ich seither nicht wieder im Kräuterangebot auf Frühjahrsmärkten fand. Ich hoffe, die bittere Weinraute hilft mir gegen die Bitternis meiner AMD-Erkrankung.
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2 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 25.09.2012 | 13:01  
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Hannelore Grünler aus Artern | 25.09.2012 | 17:03  
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