Brückenprüfung in Eisenach

Techniker Mario Gottschalk prüft die Mühlgrabenbrücke in der Eisenacher Karolinenstraße. (Foto: Stadtverwaltung Eisenach)
 
Brücke Karolinenstraße (Foto: Stadtverwaltung Eisenach)

Keine weiteren Sperrungen Instandsetzungsarbeiten aber dringend notwendig


EISENACH. 54 Brücken und weitere Ingenieurbauwerke sind in Eisenach geprüft worden. Die gute Nachricht: Es müssen keine weiteren Brücken gesperrt werden. Dringend notwendig sind aber grundhafte Instandsetzungsarbeiten. Handlungsbedarf gibt es bei der Mühlgrabenbrücke in der Karolinenstraße und der Mühlgrabenbrücke in der August-Bebel-Straße.

In Eisenach müssen keine weiteren Brücken gesperrt werden. Das ist das Ergebnis der Brückenprüfung. Die Details und weitere Informationen dazu stellte Andreas Ludwig (Dezernent für Bauwesen und Umwelt) gemeinsam mit Bolko Schumann (Leiter Amt für Tiefbau und Grünflächen) der Presse vor. Mit dabei waren die Fachleute Silvio Krech und Mario Gottschalk. Sie sind Mitarbeiter des Ingenieurbüros Probst GmbH aus Meiningen, das die Prüfung in Eisenach vorgenommen hat.

Die Ergebnisse der Hauptprüfung der Mühlgrabenbrücke in der Karolinenstraße haben jedoch Handlungsbedarf ergeben. In unmittelbarer Nähe zum jetzigen Gehweg bröckeln einzelne Betonteile am Rand der Brücke ab. Aus diesem Grund werden die dort bereits aufgestellten Absperrgitter so verschoben, dass die Fußgänger weit genug vom abbröckelnden Rand entfernt die Brücke überqueren können. Die Änderung wird so vorgenommen, dass für die Autofahrer eine Fahrspur von zwei Metern Breite verbleibt. „Fußgänger und Autofahrer können an dieser Stelle weiterhin sicher unterwegs sein“, sagte Andreas Ludwig. Mitarbeiter des städtischen Bauhofes sind gerade dabei, die Änderungen auszuführen.

Ebenfalls nochmals verengt werden muss die Fahrbahn auf der Mühlgrabenbrücke in der August-Bebel-Straße. Grund sind starke Schäden am äußeren Fahrbahnträger der Brücke.

„Tatsache ist, dass in Eisenach die Bausubstanz der Brücken seit Jahren stetig schlechter wird“, sagte Andreas Ludwig. Weil finanzielle Mittel fehlen, kann es sich die Stadt nicht leisten, dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten auszuführen. „Unser Gesamtbudget für die Brücken betrug im Jahr 2013 rund 50.000 Euro“, so Ludwig. Damit ist die Stadt gerade einmal in der Lage, kleine Reparaturen an den Brücken vorzunehmen. An Neubauten oder grundhafte Instandsetzungsarbeiten ist nicht zu denken. Viel eher kommt es zu einem Stau von notwendigen Arbeiten, weil eben das Geld fehlt. „Wir haben eine große Verantwortung und bemühen uns, die vorhandenen Gelder trotzdem klug einzusetzen“, betonte Ludwig. Deshalb wertet sein zuständiges Fachamt (Amt für Tiefbau und Grünflächen) die vorliegenden Ergebnisse der Brückenprüfung genau aus.

Jede der 54 Eisenacher Brücken hat im Amt für Tiefbau und Grünflächen eine eigene Akte. Darin enthalten sind die Prüfberichte – die aktuellen, aber auch die Berichte der Vorjahre. Sie sind wichtig, um zum Beispiel nachvollziehen zu können, an welchen Stellen und an welchen Brücken sich die Bausubstanz verschlechtert. Nachgeschlagen werden können auch bereits ausgeführte Reparaturarbeiten. Ein Prüfbericht umfasst – abhängig vom Bauwerk und den vorhandenen Schäden – durchschnittlich zehn bis 15 Seiten. Er enthält alle Details: angefangen vom Baujahr, den Abmessungen bis hin zu Angaben über die Konstruktionsart. Besonders wichtige Informationen – darunter Angaben zur Standsicherheit, Verkehrssicherheit, möglichen Sofortmaßnahmen und Angaben zur Dauerhaftigkeit – sind rot markiert. Am Ende erhält jedes geprüfte Bauwerk eine Bauzustandsnote. „Die Spanne reicht von 1,0 bis 4,0“, erklärte Silvio Krech. Die Noten sind vergleichbar mit Schulnoten, haben allerdings gravierendere Auswirkungen. Erhält eine Brücke zum Beispiel eine 1,5 bedeutet das, dass sie keine echten Schäden aufweist. Eine 2,0 zeigt an, dass zwar Schäden vorhanden sind, aber die Tragfähigkeit dennoch gegeben ist. Instandsetzungsarbeiten sind notwendig, wenn sich die Bauzustandsnote im Bereich von 3,0 bis 3,9 bewegt. In Eisenach sind davon bereits 23 Brücken betroffen. Eine 4,0 erhalten Brücken, die teilzerstört sind und deren Tragfähigkeit stark vermindert ist.

Zehn Brücken sind älter als 80 Jahre
„Die Durchschnittsnote der Eisenacher Brücken ist eine 2,8“, erklärte Andreas Ludwig. Am besten schneidet die 2011 gebaute Hörselbrücke in der Nicolaus-Otto-Straße ab. Diese Plattenbalkenbrücke aus Stahlbeton erhielt die Bauzustandsnote 1,4. Schlusslicht mit der Note 4,0 ist die Hörselbrücke in der Friedrich-Naumann-Straße. Die 1911 errichtete Brücke ist seit August 2007 für den Verkehr gesperrt. Fußgänger und Radfahrer können die Hörsel in diesem Bereich über eine Behelfsbrücke queren. „An dieser Stelle ist Handlungsbedarf erkennbar. Einen Neubau können wir aber nicht finanzieren“, sagt Ludwig. Aus Sicherheitsgründen bleibt die Straßenverbindung daher bis auf Weiteres für den Verkehr gesperrt. Schlechte Noten (3,9) haben außerdem die beiden Mühlgrabenbrücken in der Karolinenstraße und der August-Bebel-Straße.

Nachtrag: Fahrspuren auf zwei Mühlgrabenbrücken noch weiter verengt
Die Fahrspuren auf den Mühlgrabenbrücken in der Eisenacher Karolinenstraße und der August-Bebel-Straße sind kurzfristig noch weiter eingeengt worden. Immer wieder versuchten schwere Transporter oder sogar Lastkraftwagen die Brücke in der Karolinenstraße zu befahren, obwohl eine Tonnage-Begrenzung von 3,5 Tonnen gilt. Für Fahrzeuge bis zu einer Gesamtbreite von maximal zwei Metern bleibt die Durchfahrt bei angemessener Geschwindigkeit weiterhin möglich. Die Polizei wird in den nächsten Tagen verstärkt kontrollieren, ob die beschilderten Verbote eingehalten werden.

Die Änderungen waren notwendig geworden, nachdem die Brückenprüfung weitere Schäden an beiden Bauwerken ergeben hatte. An der Brücke in der Karolinenstraße bröckeln am Rand einzelne Betonteile ab. Am Bauwerk in der August-Bebel-Straße gibt es starke Schäden am äußeren Fahrbahnträger. Beide Brücken erhielten die Bauzustandsnote 3,9. Sie besagt, dass Instandsetzungsarbeiten notwendig sind. Ab einer Note von 4,0 handelt es sich um Brücken, die teilzerstört sind und deren Tragfähigkeit stark vermindert ist. Einschränkungen hinsichtlich der Befahrbarkeit beider Brücken gibt es bereits seit mehreren Jahren: Auf der Brücke in der Karolinenstraße seit März 2010, auf der Brücke in der August-Bebel-Straße seit September 1995. Der Stadt fehlen für dringend notwendige grundhafte Instandsetzungsarbeiten oder Neubauten die finanziellen Mittel.


Rechtlicher Hintergrund – DIN1076
Die Vorgaben zum regelmäßigen Überprüfen von unter anderem Brücken sind in der DIN 1076 nachzulesen. Darin geht es um „Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen – Überwachung und Prüfung“. Sachkundige Ingenieure prüfen diese Bauwerke. Das sind unter anderem Brücken, Tunnel, Stützmauern, Lärmschutzwände oder Unterführungen. Festgelegt ist, dass alle sechs Jahre eine Hauptprüfung, alle drei Jahre eine einfache Prüfung stattfinden muss. Unabhängig davon kann eine zusätzliche Prüfung aus besonderem Anlass – Hochwasser, Brand usw. – notwendig sein.
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