Die Spur der Steine: Postmeilensteine zeugen von einer Zeit, in der Ortsumfahrungen noch nicht erfunden waren

Bad Langensalza
Von Wolfgang Rewicki

MÜHLHAUSEN. Sie sind stumme Zeitzeugen am Straßenrand: Meilensteine, allgemein Postmeilensteine genannt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden sie in Deutschland aufgestellt. Sie dienten zunächst der Post, die nach festgesetzten Entfernungen die Beförderungszeiten sowie das Paket- und Geldporto regelte. Einige Exemplare findet man heute auch noch im Unstrut-Hainich- Kreis. Sie wurden entlang der Poststraße Leipzig-Kassel beziehungsweise Erfurt-Heiligenstadt errichtet.

Mit Beginn des Chausseebaus wurden Meilensteine auch zur Bestimmung der Chausseelängen errichtet. Wie die meisten ihrer Vorgänger erhielten sie Angaben zu Orten und Entfernungen. Die Meilensteine unterscheidet man nach ihrer speziellen Gestalt und Beschriftung in Ganz-, Halb- und Viertelmeilensteine. Die Steine jüngeren Datums sind meist schmuckloser. Mit Einführung des metrischen Systems in Deutschland ab 1872 verloren die Meilensteine (1 Meile = 7,53248 km, später 7,5 km) an Bedeutung.

Meilensteine sind die Vorläufer der Kilometersteine und heutigen Stationszeichen an unseren Straßen. Sie haben heute keine verkehrstechnische Bedeutung mehr. Sie stehen am Straßenrand, sind im Graben oder unter Gestrüpp versteckt, teilweise im Erdreich versunken, verwittert, umgefahren oder wurden bei Bauarbeiten beschädigt.

Die Kopie einer kursächsischen Postsäule steht unweit des Rathauses in Bad Langensalza. Eine preußische Säule fällt dem aufmerksamen Beobachter in Höngeda bei Mühlhausen auf. In Mühlhausen (Langensalzaer Landstraße, Ecke Bonatstraße) steht ein sorgfältig restaurierter Halbmeilenstein, eine so genannte Große Glocke. Ein ebensolcher ist mitten in Schönstedt zu finden, und da zeugt er also von einer Zeit, da Ortsumfahrungen noch nicht erfunden waren.

Am Ortsausgang von Großengottern - in Nähe der Andreaskapelle - steht die kleinste Variante der Postmeilensteine, ein Viertelmeilenstein, eine Kleine Glocke. Im Dorfmuseum auf dem Gelände des "Hornhardtschen Ritterguts" kann noch der Rest einer Kursächsischen Postmeilensäule von 1729 besichtigt werden.

In Schönstedt und auch in Großengottern zum Beispiel haben die Gemeinden Informationstafeln bei den Steinen aufgestellt. Diese sieht aber nur der, der keine Ortsumfahrung benutzt.

Wissenswert:
• In der Erfindung von abfälligen Bezeichnungen für Kutschen und Wege waren die Menschen des 18. Jahrhunderts wegen der unbequemen Fortbewegungsart äußerst kreativ: Marterkasten, Ackerkarren, Teufelsweg oder Höllenpfad, das waren noch die harmloseren Bezeichnungen.
• Um 1820 waren die bedeutenden Überland- Postkurse so gut ausgebaut, dass die Kutschen mit dem Tempo einzelner Reiter mithalten konnten. Die Reisegeschwindigkeit wurde durch Straßenbau von etwa 2 km/h im Jahr 1700 auf etwa 10 km/h im Jahr 1850 gesteigert.
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Ulf Wirrbach aus Gotha | 25.05.2012 | 18:09  
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