Knastorgel im Bachhaus

Wann? 21.03.2012

Wo? Bachhaus, Frauenplan, 99817 Eisenach DE
Letzte Handgriffe in der Werkstatt von Orgelbauer Joachim Stade, und dann kann die Orgel ins Eisenacher Bachhaus geliefert werden.
Eisenach: Bachhaus | Von Wolfgang Rewicki


EISENACH. Ganze "14 Thaler und 17 Groschen mit dem Fuhrlohn" hat der Weimarer Zuchthausinspektor Johann August Stickel (übrigens ein gebürtiger Eisenacher) im Jahre 1816 ausgegeben, um ein Orgelpositiv, das bis dahin in Kleinschwabhausen stand, in die Weimarer Zuchthaus-Kirche zu verbringen. Bezahlt haben den Ankauf des Instruments damals die Weimarer Sträflinge, denn jeder hatte "zum geringsten 2 Groschen" dazu beigesteuert. Das alles verrät eine handschriftliche Notiz im Innern des Instruments, das wahrscheinlich im Jahre 1650 von einem uns heute unbekannten Thüringer Orgelbauer für die Dorfkirche von Kleinschwabhausen gefertigt wurde. Dort mag sie womöglich auch Johann Sebastian Bach kennengelernt haben, der ja von 1708 bis 1717 Hoforganist im nahe gelegenen Weimar war.


Die weitere Odyssee des Instruments ausführlicher zu schildern, ist hier nicht vonnöten. Weitaus interessanter ist es doch, dass der Bachhaus-Chef Jörg Hansen eben dieses Instrument auf der Internetseite eines Auktionshauses entdeckte, das Geld für den Ankauf beschaffte und es schließlich 2009 für "schlappe" 21.665 Euro für die Instrumentensammlung des Bachhauses ersteigerte. Da hätte der Weimarer Zuchthausinspektor noch lange sammeln müssen...


Das Orgelpositiv mit insgesamt fünf Registern und 270 Pfeifen wurde inzwischen in der Werkstatt der Firma Orgelbau Waltershausen restauriert und wird noch in dieser Woche ins Eisenacher Bachhaus geliefert, denn am nächsten Mittwoch, dem 21. März, also am Geburtstag von Johann Sebastian Bach, soll ihm um 12.30 Uhr der Altenburger Schlossorganist Felix Friedrich öffentlich die ersten Töne entlocken. 48 Tasten hat er dafür zur Verfügung. Die erste Probe wird Friedrich allerdings noch in der Waltershäuser Werkstatt abhalten.


Zugegeben, der Redakteur des Allgemeinen Anzeigers hatte Glück, er weiß schon wie die Orgel klingt: Denn beim Werstattbesuch am vorigen Freitag war Theophil Heinke, Organist an der Stadtkirche zu Waltershausen, anwesend und spielte recht hingebungsvoll, damit sich Stephan Krause, der die Orgel gestimmt und intoniert hatte, einmal in aller Ruhe davon überzeugen konnte, dass ihm seine Arbeit gut gelungen ist. Allerdings wird er nochmal Ohr und Hand anlegen müssen, denn nach dem Transport ins Bachhaus wird zwangsläufig nochmals nachgebessert.


Joachim Stade, gemeinsam mit Krause Inhaber der Waltershäuser Orgelbaufirma, gesteht: "Normalerweise kommen die Orgeln ja nicht zu uns in die Werkstatt. Um so schöner ist es, dass wir ein solch altes Instrument wieder zum Leben erwecken konnten."


Veranstaltungen zum Bachgeburtstag am 21. März:11 Uhr, Bach-Ehrung am Bachdenkmal, danach freier Eintritt im Museum des Bachhauses; 12 Uhr, Filmpremiere zum Thema "Wiederentdeckung der Matthäus-Passion durch Mendelssohn Bartholdy; 12.30 Uhr, Orgelweihe; 19.30 Uhr, Festkonzert mit dem Vokalensemble "Thios Omilos".
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