Lippmann & Rau-Musikarchiv: Offen zum Tag des Denkmals - In die Thüringenhalle gepilgert worden

    Eisenach: Lippmann & Rau Musikarchiv |

+ Stiftung unterhält das LIPPMANN+RAU-MUSIKARCHIV in den Räumen der Alten Mälzerei in Eisenach + Das 1999 gegründete Archiv widmet sich der Geschichte des Jazz und der populären Musik + umfassende Sammlungen mit 80.000 Tonträgern und Filmen + 60.000 Bücher und Musikzeitschriften + 60.000 Fotografien, Programmhefte und Konzertplakate sowie Musikinstrumente, Rundfunkmanuskripte und Briefe. +

Wie aus einer Schwärmerei von einer handvoll Musikbegeisterten eines der bedeutendsten Musikarchive der Neuzeit geworden ist, lässt sich zum Tag des Offenen Denkmals in Eisenach ein stückweit nachvollziehen. Die Lippmann & Rau Stiftung sitzt in der Alten Mälzerei und wird die Gäste zum Tag des Offenen Denkmals empfangen. Wohl eine Reihe von glücklichen Fügungen hat die Stiftung zu dem gemacht, was sie inzwischen geworden ist: Ein großartige Sammlung von Sammlungen. „Das Basement war die Sammlung von Günther Boers. Er hat zu DDR-Zeiten schon hier gespielt und gesagt: ‚Wenn ich mal nicht mehr bin, dann unterstütze ich Eisenach mit meiner Sammlung‘. Er war lange Zeit mit Ella Fritzgerald B.B. King und Louis Armstrong befreundet. Und das war ein Signal an die Jazz-Welt. ‚Wenn der Boers das nach Eisenach gibt, dann muss das ja doch etwas ernsthaftes sein‘ erklärt Reinhard Lorenz, Stiftungsbeirat den Anfang.

Inzwischen sind viele bedeutende Musik- und Buchsammlungen dazu gekommen. Diese werden - so wie sie sind - zusammen gelassen.
Mit all seinem Herzblut ist Lorenz dabei, und einer, der mit einem Konzert von Louis Armstrong mit dem Jazz-Virus infiziert wurde.

„Mein erstes Livekonzert war am 7. April 1965. Ich bin in die Thüringenhalle gepilgert worden – mit Eisenacher Jazz-Freaks zu Louis Armstrong. Ich war knapp 14 Jahre. Diese Nacht hat mein Leben verändert. Für diese Generation hat diese Musik eine Rolle gespielt. Es war eine Möglichkeit, seinen Protest auszudrücken. Am Ende waren die langen Haare in Ost und in West gleichermaßen unbeliebt …“ Auch von solchen Geschichten erzählt das Archiv aus Platten und Original-Dokumenten. Der Jazzclub Eisenach der auf 30 Jahre Geschichte im Industriedenkmal zurückblicken kann, platzt inzwischen fast aus allen Nähten. „Geplant ist ein kompletter Neubau auf dem Gelände der Mälzerei“, sagt Lorenz, „der auch Ausstellungsfläche bietet“. Für den Tag des Offenen Denkmals aber, kann man erst einmal besichtigen, was Eisenach da wertvolles für die Musikgeschichte hat.


Wie ist dieses Archiv entstanden?
Reinhard Lorenz, Stiftungsbeirat: 1999 wurde offiziell eingeweiht. Das waren die ersten zaghaften Schritte. Das Basement war allerdings die Sammlung des Bluespianisten Günter Boas. Er hat zu DDR-Zeiten schon hier gespielt und gesagt ‚Wenn ich mal nicht mehr bin, dann unterstütze ich das mit meiner Sammlung‘ und er war lange Zeit mit Ella Fritzgerald B.B. King und Louis Armstrong befreundet. Das war ein Signal an die Jazz-Welt. ‚Wenn der Boers das nach Eisenach gibt, dann muss das ja doch etwas ernsthaftes sein‘. Er hat 1978 mal hier gespielt und die Nachkriegsentwicklung der Jazz-Musik maßgeblich geprägt. In seiner Band spielte damals ein „republikflüchtiger“ Eisenacher, Robert Blume, der Bruder des Eisenacher Jazz-Club-Gründers. Dieser Boers-Nachlass war so ein bisschen die Keimzelle von allem. Da hingen unheimlich viele Namen dran. Aber den Ritterschlag bekamen wir 2004, als wir versucht hatten, das Archiv ein wenig zu ordnen und alles in Gang zu bringen. Da bekamen wir einen Anruf von Wim Wenders aus New York. Für seinen Film „The Soul of a man“ hat Wenders hat das Archiv genutzt.

Ist das Archiv eine reine Plattensammlung?
Reinhard Lorenz: Nein, es gibt Bücher, Zeitschriften, CDs, Kassetten, Tonbänder - wir sind auch im Netz präsent, haben durch die Kooperation mit der Musikhochschule in Weimar nun ganz andere Möglichkeiten. Wir verstehen uns in erster Linie aber als Forschungsarchiv. Gleichwohl bearbeiten wir auch einzelne Anfragen von Privatleuten. In der Regel sitzen bei uns Schüler, Stunden, Historiker. Durch den Nachlass von Horst Lippmann und Fritz Rau gibt es vieles für das neue Gebäude, das einen Ausstellungsbereich haben soll (da ist unser ehrgeiziges Ziel bis 2019). Da haben wir das ein oder andere zu bieten. Es gibt also auch dreidimensionale wichtige Archivarien. Es ist außerdem gerade an der Zeit, dass diese 40er, 50er Jahre so im Fokus stehen.


"Wir haben aber eine sehr breite Grundphilosphie: Punk, Rock, Jazz, Klezmer, Folk, Blues .. das gesamte Spektrum der populären Musik."



Wie sind sie selbst zum Jazz gekommen?
Reinhard Lorenz: Mein erstes Livekonzert war am 7. April 1965. Ich bin in die Thüringenhalle gepilgert worden - mit Eisenacher Jazz-Freaks zu Louis Armstrong, ich war knapp 14. Diese Nacht hat mein Leben verändert. Das ist eine Generation, für die diese Musik eine Rolle gespielt hat. Es war eine Möglichkeit, seinen Protest auszudrücken. Am Ende waren die langen Haare in Ost und in West gleichermaßen unbeliebt …

"Das Inselprinzip"


In welcher Form sind die Sammlungen sortiert?
Reinhard Lorenz: Es ist das Inselprinzip. Das Konzept ist, die Sammlungen zusammen zu lassen. Wir lassen uns auch die Geschichte des Sammlers mit aufschreiben. Da kommen ganz unterschiedliche Motive zusammen und es ist interessant zu sehen, wie sich derjenige in seiner Zeit gesehen hat.

Wie geht es weiter mit dem Archiv?
Reinhard Lorenz: Der Neubau ist geplant: Horst Lippman war gebürtiger Eisenacher. Eine der Klarinetten von Benny Goodman ist ja im Bachhaus zu sehen, zu denen wir bewusst die Kooperation gesucht haben. So könnte eine Schulklasse sich im Bachhaus die Geschichte der barocken Musik anschauen und danach zu uns kommen, um sich die Geschichte der populären Musik zu erleben. Wir können es aber ehrenamtlich gar nicht mehr schaffen. Wir betreuen manchmal auch Seminarfacharbeiten. Da sitzen dann drei 17-Jährige und fragen, 'haben sie auch was von Amy Winehouse?' Und dann frage ich zurück, kennt ihr den das große Vorbild von Amy Winehouse? Billie Holiday, die kennt kaum noch jemand und dann kann ich aus dem Archiv einen Titel von 1942 vorspielen. Manchmal ist es auch interessant zu erfahren, dass viele Jugendliche mit dem Begriff LP gar nichts mehr anfangen können.


Was beinhaltet die Sammlung zu Benny Goodman?
Reinhard Lorenz: Neben seiner Klarinette auch 2000 sogenannte Schellack-78er und Acetat Platten. Das heißt, wenn die Musiker in den 1930er Jahren durch das Radio-Studio gelaufen sind, dann haben die ihr Horn und die Klarinette ausgepackt, dann hieß es: Knopf an, Live-Sendung und nach einer Stunde Licht aus! Dann war das weg. Aber Benny Goodman hat augenscheinlich viel davon mitschneiden lassen. 'Das will ich haben, das Konzert'. Wir haben hier Platten, die offenbar noch keiner gehört hat. Und da sind wir gerade dabei, das auszuwerten. Da ist das Interesse groß, bis hin zu Charlie Watts von den Rolling Stones, der ein großer Benny Goodman-Fan ist. Die Musik ist über Jahrzehnte hinweg lebendig geblieben.


Und so klingt das Winehouse-Vorbild Billie Holiday ...
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