Zeichen setzen für den Frieden - von der Geschichte für die Gegenwart lernen

  Wenn es nach ihnen gegangen wäre, würden 15 Schülerinnen und Schüler der Regelschule Wutha-Farnroda und 15 Gleichaltrige der Partnerschule in Kamienica/ Polen nach einer zusammen verbrachten Woche noch nicht zurück nach Hause gefahren sein. Sie hatten sich gerade besser kennen gelernt und viele sogar Freundschaften geschlossen. Die lang ersehnte und sorgfältig geplante Austauschbegegnung der Schulen aus den Partnerregionen Thüringen und Kleinpolen fand vom 25.10.- 30.10.2015 im kleinen Ort Krzyzowa/Kreisau in Niederschlesien statt. Heike Heilwagen und Lucyna Festag leiteten das Austauschprojekt auf deutscher Seite.
Der ehemalige Gutshof der Familie von Moltke in Kreisau dient seit 1994 als Begegnungsstätte für junge Menschen aus Polen, Deutschland und anderen interessierten Länder. Es ist ein Ort der Versöhnung der einst verfeindeten Nachbarländer, hier trafen sich am 12.11.1989 der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und sein polnischer Amtskollege Tadeusz Mazowiecki zu einem Gottesdienst, der als Versöhnungsmesse in die Geschichte eingegangen ist.
Die Begegnung der jungen Menschen mit der Geschichte in Kreisau sollte nicht nur das Interesse an historischen Fragen wecken, sondern auch einen Bogen zur heutigen Zeit spannen. Was heutzutage Zivilcourage bedeutet, das erfuhren die Schüler in einem Theaterworkshop, in dessen Verlauf sie einige Alltagssituationen, die Mut erfordern, pantomimisch darstellten. Die Kreisau-Rallye, eine Lesung der Abschiedsbriefe des wegen Widerstands gegen das Nazi-Regime 1945 hingerichteten Helmut James von Moltke und seiner Frau Freya, Integrations- und Sprachspiele gehörten zum Programm dieser Schülerbegegnung. Am deutsch-polnischen Abend wurde gesungen und temperamentvoll getanzt. Bildungsreferentin Sofie Koscholke von der Internationalen Jugendbegegnungsstätte hatte alles perfekt vorbereitet und war auch offen für kurzfristige Wünsche der Schüler und Lehrer. Die Ausflüge nach Wroclaw/Breslau und Swidnica/ Schweidnitz rundeten das Programm ab.
Was jedem Besucher in Wroclaw sofort auffällt, sind kleine Zwerge aus Bronze.
Heutzutage sind die Zwerge zur Touristenattraktion geworden, sie erinnern aber an die avantgardistische „Orange Initiative“, deren Mitglieder in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts gegen das kommunistische Regime in Zwergkostümen protestiert hatten. Inzwischen gibt es über 300 Bronzegnome. Es machte den Schülern viel Spaß, ständig auf der Suche nach den beliebten geschichtsträchtigen Breslauer Zwergen zu sein.
Während dieser Austauschbegegnung lernten die Schüler nicht nur geschichtliche Daten und Fakten, viel mehr ging es dabei um interkulturelle Erfahrungen, die helfen, Ängste vor Fremden abzubauen. Ein hebräisches Lied begleitete die Schüler durch die Tage in Kreisau und wurde auch zum Abschied gesungen: „Hewenu shalom alechem“, was auf deutsch „Wir wünschen Frieden für alle“ bedeutet. So gab dieser vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk und dem Förderverein der Regelschule geförderte Austausch den jungen Polen und Deutschen einiges Rüstzeug mit auf den Heimweg, um Herausforderungen unserer Gegenwart zu begegnen.
Auf der Rückfahrt nach Wutha-Farnroda meldeten sich bereits die ersten Schüler für die Begegnung im nächsten Jahr.
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