Bemützt und behütet: Nicht ohne meine Mütze! - Geheimnisse um die Kopfbedeckungen der Eisenacher gelüftet

„Toff“ trägt leidenschaftlich gern Mützen aller Art.
Von Wolfgang Rewicki

EISENACH. Die närrische Zeit ist mit dem Aschermittwoch vorüber. Leider, so seufzen die einen, zum Glück, so sagen es die Faschingsmuffel frei heraus. Mit dem heutigen Tag sind auch die Narrenkappen verschwunden und wir können uns wieder den zivilen Kopfbedeckungen zuwenden. Die Fotoserie bringt es an den Tag: Hüte werden kaum getragen, Mützen sind klar in der Überzahl. Eine Mütze ist laut Definition eine weiche Kopfbedeckung, die aus Stoff, Wolle, Leder oder Fell bestehen kann und im Gegensatz zum Hut keine umlaufende Krempe besitzt.

Das weiß keine besser als Susi Schneider, die seit Jahren in Eisenach ein Atelier führt, in welchem vornehmlich Hüte und Mützen hergestellt werden. Die Frage Mütze oder Hut beantwortet sie ganz eindeutig: "Hüte verkaufe ich eher in großen Städten, wie in Potsdam oder Berlin." Gibt es eigentlich Leute, denen Mützen oder Hüte nicht stehen? "Eindeutig ja", meint die Expertin und fügt hinzu, dass sie in einem solchen Falle das der Kundin beziehungsweise dem Kunden auch offen sagt. "Ich will doch nicht, dass jemand mit ‘nem Hut von uns rumläuft, der gar nicht zu ihm passt."

Die meisten der Befragten sind Pragmatiker und tragen ihre Mütze derzeit nur witterungsbedingt. Da mag "Toff" eine Ausnahme sein, denn er ist ein begeisteter Mützenträger. Besonders Uniformmützen haben es ihm angetan. Und hat Toff auch einen Hut? Klare Ansage: "Einen Tropenhelm. Aber dafür ist jetzt nicht die Zeit, ich habe ja gerade mal den Fellmützenalarm beendet."

Auf dem Markt und in der Karlstraße werde ich auch fündig, wenn es darum geht, Leute zu treffen, die Mützen oder Hüte tragen. Richtig, George B. genießt seinen Kaffee vor einem Café am Markt. Decke im Rücken, warm ist es, das passt. Fotografieren? "Ja warum nicht", meint er freundlich. Und als verdiene er sein Geld als Model lächelt er, die dicke Fellmütze auf dem Kopf, in die Kamera. Klick, fertig. Nein, manche brauche ich erst gar nicht anzusprechen. Berufserfahrung. Das ist sofort zu sehen, wenn der Mund zugenäht ist.

Aber zum Glück gib es Frau Bätzel am Bratwurststand wo es auch noch zieht wie Hechtsuppe. Die kann sich schon von Berufs wegen keine Scheu leisten. Und Herr Schumann? "Ja, knipsen Sie nur", stimmt er zu, aber der Briefträger ist in Eile. Zeit zum Posieren kann er sich nicht nehmen. Schließlich, nach etlichen Bekanntschaften mit weiteren Mützenträgern, ein Besuch bei Susi Schneider, die im eigenen Atelier unter anderem oder besser gesagt hauptsächlich Kopfbedeckungen aller Art herstellt. "Ich selbst trage nur Mützen", bekennt die Modistin. Aber Hüte... da könnte sie ins Schwärmen geraten habe ich den Eindruck, nur der unverhoffte Gast muss weichen: Kundengespräch. Hut oder Mütze? Die Mütze hat zurzeit Platz eins inne.

Wäre noch das mit der Kapuze zu klären: Im mittelalterlichen Deutsch nannte man die Kapuze "almuz". Das wurde schließlich zu Mütze verkürzt.
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