Die Burg ruft

 
Gerd Biehl (52), der Restaurator ist zugleich Vorarbeiter des Bautrupps auf der Wartburg.

Zu Besuch auf der höchstgelegenen Baustelle in Thüringen



Von Wolfgang Rewicki

EISENACH. Sie haben vielleicht derzeit den wohl höchstgelegenen Arbeitsplatz in Thüringen, mit Sicherheit ist ihr Arbeitsplatz an höchst prominenter Stelle. Die fünf Mitarbeiter der Erfurter Firma Nüthen Restaurierungen arbeiten nämlich auf der Wartburg bei Eisenach. Tag für Tag erklimmen der Restaurator Gerd Biehl und seine vier Kollegen den Gipfel des Berges, auf dem die bekannteste Burg Deutschlands steht. Und weil sie schon so lange dort oben steht - Der Legende zufolge wurde die Wartburg im Jahre 1067 von Graf Ludwig dem Springer gegründet. - geht manchmal auch etwas kaputt, muss erneuert werden. Das ist bei allen solchen Bauwerken der Fall. Sie sind und bleiben ewige Baustellen. Das ist beim Kölner Dom so und ist bei der Wartburg nicht anders.

Darum eben sieht man die stolze Burg auf dem etwa 400 Meter hoch gelegenen Felsplateau nahe Eisenach auch so oft eingerüstet. Ganz so, wie es auch zurzeit der Fall ist. Immerzu wird gewerkelt. Das mag manchen Besucher, zumeist weither gereiste, verdrießen, ist nun aber nicht zu ändern. Die Burg muss ja in Schuss gehalten werden. Und so sind jetzt gerade am westlichen Wehrmauerbereich Handwerker tätig, und auch im Bereich des Haupteingangs, dort wo vor einigen Monaten die Zugbrücke demontiert wurde, ist eine rechte Großbaustelle nicht zu übersehen. Während das Gerüst im Wehrmauerbereich schon Ende August abgebaut werden kann, werden sich die Bauarbeiten im Eingangsbereich noch etwas hinziehen.

“Wir sind hier im westlichen Wehrmauerbereich gerade beim Fugen verfüllen. Und da sind bei den einzelnen Bauabschnitten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert auch unterschiedliche Fugenvarianten anzutreffen“, erklärt Gerd Biehl. Für solche Arbeiten gebe es nun mal keine Maschinen. Neben dem Restaurator sind Steinmetze und Maurer auf der Baustelle tätig. „Aber im Grunde ist hier jeder Beschäftigte ein Allrounder“, fügt der Vorarbeiter erklärend hinzu. Allraunder, das bedeutet insbesondere auch Transportarbeiter. Denn immerhin haben die Bauleute hier oben erschwerte Bedingungen schon allein was den Antransport der nötigen Materialien angeht. Von den Gerüstteilen bis zum letzten Sack Zement - alles muss zumindest auf den letzten Metern getragen werden. Da braucht „Mann“ Muckis! Biehl schätzt, dass sie insgesamt so zwischen 12 bis 14 Tonnen Material bewegt haben.

Im Eingangsbereich sind Michael Pirk und Frank Siegmund gerade mit den Vorarbeiten beschäftigt, die zum Wiedereinbau der Zugbrücke vonnöten sind. Gerade sortieren sie die einzelnen Felssteine, aus denen das Widerlager, also das eigentliche Fundament der Brücke gemauert wird. Eine durchaus schweißtreibende Arbeit. Zumal bei diesen derzeitigen hochsommerlichen Temperaturen. Da werden es die Zimmerleute, die nach ihnen kommen, besser haben. Dann geht der Sommer schon zur Neige.

Um 6.30 Uhr beginnt ihr Arbeitstag. Da liegen die Gäste im benachbarten Wartburghotel allerdings noch im Schlummer. Auch darauf müssen die Bauleute Rücksicht nehmen. Das ist zum Beispiel die Zeit, Material zu schleppen. Das erzeugt keinen Lärm, weil's eben mit Muskelkraft passiert. Um 17 Uhr, manchmal auch 18 Uhr, fällt der Hammer. Feierabend! Nur freitags ist eher Schluss. Aber montags ruft er wieder, der Berg!
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