Mehr Ruhe für den Eremit: Geschützter Wald

Im wildromantischen Wald bei den Wolfslöchern gibt es künftig keinen wirtschaftlichen Holzeinschlag mehr. (Foto: Thomas Stephan)
Von Werner Kaiser MARKSUHL. "Ein kleines bisschen weh tut es schon, die Flächen aus der Nutzung zu nehmen, aber wir unterstützen das Anliegen der Thüringer Regierungskoalition", sagt Ansgar Pape, der Leiter des Thüringer Forstamtes Marksuhl, das für alle Waldflächen zwischen Ruhla und Gerstungen zuständig ist, für die landeseigenen natürlich besonders. Und seine Mitarbeiterin Antje Jarski, selbst eine ausgebildete Försterin, ergänzt: "Es ist noch nicht so lange her, da gab es für Buchenkernholz kaum Interesse, und jetzt lassen sich gute Preise damit erzielen." Gegenstand der Überlegungen ist der Passus im aktuellen Thüringer Koalitionsvertrag, wonach im Rahmen der Biodiversivitätsstrategie der Bundesrepublik "in Thüringen 25.000 ha Wald aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen" sind. Wie man auf die konkrete Gesamtsumme gekommen ist, kann sich Ansgar Pape nicht so recht erklären, aber sein Forstamt engagiert sich in beachtlichem Umfang, und zwar mit etwa 530 Hektar. Der größte Teil davon liegt in der Umgebung von Eisenach, darunter die Wartburg, die Drachenschlucht, die Landgrafenschlucht, die Herzogseiche und der Hirschstein. Hinzu kommen die bereits bestehenden Totalreservate Rinnberge und Viehburg. 24 Hektar an unmittelbar angrenzenden Flächen steuert außerdem die Wartburgstiftung bei. Welche Konsequenzen hat die Entscheidung? Auf den besagten Flächen sind Holzernte (darauf bezieht sich die Bemerkung von Antje Jarski, immerhin machen Buchenzwei Drittel des ausgewählten Bestandes aus), Wegeneubau und Brennholzgewinnung in Zukunft nicht mehr gestattet. Aber für die Bürger sind die Einschränkungen so groß nun auch wieder nicht. Wandern und Radfahren unter Berücksichtigung "waldtypischer Gefahren" bleiben erlaubt; Wanderwege werden nach wie vor frei geschnitten, Ausblicke und Sichtachsen freigehalten. Auch die Jagdausübung ist weiterhin möglich und aus forstwirtschaftlicher Sicht erwünscht. Als Gebiet für Wanderer und Naturfreunde werden die Flächen also erhalten bleiben, und darauf ist der Forstamtsleiter auch ein bisschen stolz. Schließlich haben seine Reviere nicht bloß Bäume von unterschiedlicher Statur zu bieten - auch die Fauna macht etwas her: Beispielsweise hat man hier den FFH-geschützten "Eremit" entdeckt, einen Käfer, "den es nicht mal im Hainich gibt", so Pape. Unwägbare Gefahren haben Waldbesucher auch nicht zu befürchten: Der Erhalt und die Pflege der Wege sowie die Verkehrssicherung bleiben weiterhin Aufgabe der Förster und ihrer Mitarbeiter.
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