(K)ein Herz für Tiere !

Ein Leserbrief von Andrea Altmann



Seit einigen Monaten versorge ich in meinem Wohnviertel am Lutherplatz einige Streunerkatzen mit Futter.
Anfangs war es nur eine geringe Anzahl von Tieren, die meine Hilfe gerne in Anspruch nahmen, nun sind es knapp ein Dutzend…
Da ich um das Problem der Überpopulation der Tiere, die herrenlos täglich um ihr Überleben kämpfen müssen, weiß, fragte ich damals im Eisenacher Tierheim nach, ob man mir helfen würde, das Problem einzudämmen. Immerhin gibt es seit einigen Jahren ja auch eine „Fachgruppe Stadtkatzen“, welche sich intensiv um diese Tiere kümmern soll.

Mein Ziel war es, mit Hilfe des Tierschutzvereines einen Großteil der Katzen einzufangen, sie kastrieren und Jungtiere bestenfalls domestizieren lassen zu können. Und laut den Ausführungen über das Katzenelend auf der Homepage des Tierschutzvereines, war ich der Annahme, dass es auch in dessen Sinne sei.

Ich erhoffte mir tatsächlich Unterstützung. Vergeblich.
Auch nachdem ich mehrmals nachfragte tat sich nichts.

Während dieser Zeit kamen wieder Junge auf die Welt und im Nu verdreifachte sich die Anzahl der Katzen, was bei den meisten Nachbarn hier auf wenig Gegenliebe stieß.
So werden zwar das ganze Jahr über Wildvögel von angeblichen Tierfreunden gefüttert, händevoll Brotrester aus den Fenstern gestreut. Jedoch scheint freilebenden Katzen dieses Recht nicht zuzustehen.
Tiere, die friedlich auf dem Hof liegen, wenn sie sich mal auf den Hof trauen, werden verjagt, mit Dreck beschmissen oder mit Wasser aus den Fenstern beschüttet mit den Worten: „Scheiß Viecher!“ Ich habe auch schon beobachten müssen, wie Hundebesitzer ihre Tiere auf die Katzen hetzten. Was für Tierfreunde !
Begründung: „die haben hier nichts verloren, die machen unsere Autos kaputt, die kacken überall hin „usw. Und außerdem kämen die „Krepel“ doch alleine gut zurecht!

Dass hier Hunde frei umherlaufen, ihre Hinterlassenschaften aber auch nicht wegräumen und die Vögel auf Autos und Wegen ihre Verdauung gut sichtbar präsentieren, scheint egal.

Aber nicht nur die Tiere haben hier einiges auszustehen: auch ich!
Man ist hier offensichtlich der Meinung, dass ich an der Vermehrung der Tiere schuld sei. Ich wurde schon so oft beschimpft, und es wird schlecht über mich geredet.
Zahllose Versuche meinerseits, den Leuten zu erklären, dass allein der Mensch schuld hat am Katzenelend, werden abgewunken. Die Bitte um Mithilfe und nachbarschaftliche Zusammenarbeit sowieso.

Dieser Zustand zehrt nicht nur am Geldbeutel, sondern vor allem an den Nerven.
Nachdem ich daraufhin einen letzten verzweifelten Versuch gestartet und im Eisenacher Tierheim nochmals erfolglos um Hilfe gebeten habe, griff ich zur Selbsthilfe:

Ich erstand teuer eine Lebendfalle, stellte sie auf und eh ich mich versah, tapste auch gleich eine Katze hinein.
In dem guten Glauben, den laut eigenen Aussagen ständig überstrapazierten Tierheimmitarbeitern Arbeit abgenommen zu haben und nun endlich hier etwas bewegen zu können, traten mein Fang und ich am nächsten Tag die Reise ins Tierheim an.

Dort angekommen brach statt einer Begrüßung ein Donnerwetter über mich herein: ich wurde äußerst unfreundlich und schroff mit großem Augenrollen und Gezeter einer Mitarbeiterin empfangen.
Sie ließ mich kaum zu Wort kommen und überschüttete mich lautstark mit Vorwürfen.
Als ich mein Tun irgendwie versucht habe zu erklären, hieß es nur: „Wir können das Tier nicht nehmen, wir sind voll und wissen nicht mehr wohin mit den ganzen Neuzugängen.“ Ich solle aufhören, die Welt verändern zu wollen und mich damit abfinden, dass das Tierelend nicht aufhören würde. Ich erwähnte noch ein krankes Jungtier, dem man hätte helfen können. Aber die einzige Reaktion der Mitarbeiterin war der lapidare Satz:“ Die schafft es dann eben nicht!“
Nach einem ewigen Hin-und-her nahm man mir das 6 Monate alte Tierchen schließlich doch mit großem Groll gegen mich ab. Es wurde kastriert und wieder ausgesetzt, weil es wohl schon zu wild war.
Währenddessen musste ich mir immer wieder anhören, wie verantwortungslos ich gehandelt habe. Das Tier hätte durch die ganze Fangaktion und den Transport einen Schaden fürs Leben, das könne ich nie wieder gutmachen usw.
Ich entgegnete nur, dass es gar nicht so weit hätte kommen müssen, wenn man auf meine Hilfegesuche entsprechend frühzeitig und kompetent reagiert hätte.
Als Antwort polterten mir dann gleich 2 Mitarbeiterinnen entgegen, dass es personell und finanziell auch überhaupt nicht zu schaffen sei, ständig Tiere aufzunehmen. Die Stadt zahlt zu wenig und spenden würde auch kaum noch jemand.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit den Tierheimmitarbeitern wundert mich das nicht.
Und von vielen Tierfreunden weiß ich, dass sie ähnliche Erfahrungen machen mussten.
So fällt immer wieder der unfreundliche und belehrende Ton vor allem zweier Mitarbeiterinnen auf, die einen lustlosen und desinteressierten Eindruck gegenüber dem Tierwohl vermitteln. Und eine kompetente Beratung lässt ohnehin zu wünschen übrig.
Auch wurden vielfach Hilfsangebote von engagierten Mitbürgern, die Arbeit im Tierheim zu unterstützen, einfach abgeblockt, sei es das Gassi gehen oder die Mithilfe bei der Verbreitung von Vermittlungsvorschlägen…Jeder kann nun mal nicht Geld spenden ! Aber jeder kann nach seinen Möglichkeiten helfen, wenn man denn die Hilfe auch zulassen würde…

All das wirft kein gutes Bild auf das Eisenacher Tierheim, dessen Ruf sicher nicht zuletzt auf das Verhalten der dortigen (nicht aller!) Mitarbeiter/innen zurückzuführen ist, und man kann verstehen, dass die Bereitschaft zu Spenden nachlässt, wenn man derart vor den Kopf gestoßen und immer wieder verprellt wird.

Dass am Ende die Tiere darunter zu leiden haben, ist einfach nur traurige Realität.


Andrea Altmann
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31 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 12.10.2014 | 14:32  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 12.10.2014 | 15:10  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 14.10.2014 | 08:15  
meinanzeiger .de aus Erfurt | 23.10.2014 | 09:43  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 23.10.2014 | 09:59  
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Ekkehard Schorch aus Eisenach | 23.10.2014 | 11:06  
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Mario Wolframm aus Saalfeld | 23.10.2014 | 16:37  
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Harald von Fehr aus Gotha | 23.10.2014 | 16:51  
meinanzeiger .de aus Erfurt | 24.10.2014 | 13:06  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 25.10.2014 | 12:56  
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Anke Aschmann aus Artern | 25.10.2014 | 20:01  
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Ekkehard Schorch aus Eisenach | 26.10.2014 | 13:21  
meinanzeiger .de aus Erfurt | 27.10.2014 | 10:46  
meinanzeiger .de aus Erfurt | 28.10.2014 | 10:21  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 28.10.2014 | 13:46  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 28.10.2014 | 16:34  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 12.11.2014 | 17:59  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 13.11.2014 | 17:07  
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Richard Müller aus Gera | 17.11.2014 | 17:34  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 17.11.2014 | 17:48  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 17.11.2014 | 21:07  
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Anke Aschmann aus Artern | 04.12.2014 | 18:12  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 04.12.2014 | 19:38  
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Richard Müller aus Gera | 04.12.2014 | 20:32  
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Anke Aschmann aus Artern | 04.12.2014 | 22:50  
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Richard Müller aus Gera | 05.12.2014 | 16:01  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 05.12.2014 | 16:06  
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Anke Aschmann aus Artern | 05.12.2014 | 16:35  
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Antje Hellmann aus Jena | 06.12.2014 | 13:47  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 06.12.2014 | 15:32  
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Andrea Altmann aus Eisenach | 06.01.2015 | 19:57  
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