Herz-Dame sticht Kreuz-Bube: Katja Wolf gewinnt Stichwahl ums Eisenacher Oberbürgermeisteramt

Katja Wolf
Von Wolfgang Rewicki

EISENACH. Die Nacht vom vergangenen Sonntag zum Montag war für sie alles andere als erholsam, gibt Katja Wolf zu. Um so erfreulicher für den Allgemeinen Anzeiger, dass sie ihren ersten Pressetermin am Tage nach der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt unserer Zeitung gewährte.

Hat Gregor Gysi schon gratuliert? "Nein, der ruft auch nicht an.” Ja, ihr Mitbewerber um das höchste städtische Amt habe sich recht bald gemeldet, per SMS, das heißt in der gebotenen Kürze. "Es war ein einziges Wort: Glückwunsch.”

Beim Fototermin vor dem Rathaus sagten viele der Passanten genau dieses Wort. Einige schenkten ihr Blumen. Doch Katja Wolf weiß auch, dass ihr von allen Wahlberechtigten bisher nur 7622 vertrauen. Leider ist es so, gibt sie zu, dass es mehr als der Hälfte aller Wahlberechtigten egal ist, was im Rathaus passiere. Genau das wolle sie ebenfalls ändern.

Die erste Oberbürgermeisterin, welche die Partei "Die Linke” in Thüringen nun stellt - Sie ist damit die siebte in Deutschland - will im Stadtrat vor allem mit Argumenten überzeugen. "Ich vertraue auf die Macht der guten Argumente”, meint die Sechsunddreißigjährige.

Ihr Landtagsmandat gibt sie auf. Und die Landespolitik ihrer Partei verliert für sie nun auch an Priorität. Die im Sternbild Fische geborene junge Frau hat in Sachen Politik schon gar viele Trainingsrunden absolviert. Ob sie jetzt ins kalte Wasser geworfen werde? "Das weiß ich noch nicht so genau.” Aber dass das Thema Landestheater vordringlich behandelt werden müsse, das deute sich schon jetzt an.

Ein weiteres Thema, das ganz oben auf ihrer Agenda steht, ist das der Kreisfreiheit. Eisenach, die verarmte Braut, muss jemanden finden, der sie freit. Mit ihrem Millionenberg Schulden. "Aber das muss in Erfurt entschieden werden. Und zwar baldmöglichst.”

Katja Wolf hat einen Bergmarathon siegreich hinter sich gebracht. Doch in siebeneinhalb Wochen, am 1. Juli, beginnen für sie mit dem Amtsantritt im Rathaus die Mühen der Ebene. Bleibt da überhaupt Raum für eine Verschnaufpause? "Die muss unbedingt sein. Das Tempo können wir nicht weiter durchhalten”, bekennt sie freimütig. Dennoch: Innerhalb der nächsten sechs Jahre soll sich Eisenach verändert haben.

Neben der Eisenacher Oberbürgermeisterin gibt es in Thüringen nun noch drei Landrätinnen, welche ihre Partei stellt. Ist das jetzt ein Linksruck in Thüringen? "Ach nein”, lächelt sie, "das bedeutet nur, dass wir weiter im Alltag der Menschen angekommen sind.”
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige