Zwei (ungleiche?) Seiten einer Medaille

Zwei ungleiche Seiten einer Medaille - wo gibt es denn sowas? Im nachfolgenden Fall schon.

Die TLZ berichtet über einen Gerichtsprozess im Amtsgericht Eisenach wegen nachgewiesenem Einbruchdiebstahl im Jahr 2015 in Gerstungen (TLZ-Artikel "Empörung im Saal: Einbrecher in Gerstungen verurteilt", 20.01.2015, Autor: Jensen Zlotowicz ). Siehe der Artikel analog im » Internet.

Die zwei Tatverdächtigen erwarten die Urteilsverkündung. Ein dreiviertel Jahr nach der Tat (!) gibt es das Urteil. Die Opfer und Beobachter im Saal sind empört über das uneinsichtige Verhalten eines Täters. Umso mehr sollte dieser Unbelehrbare die Hand der Judikative mit aller Macht spüren.

So in Gerstungen und Eisenach in diesem Fall geschehen. Der Artikel schildert es - bis dahin.

Täter sind Täter - unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sonstiger Veranlagungen. Vor dem Gesetz sollten sie gleich sein - ganz wichtig und leider nicht immer in diesem Land beobachtet. Vertrauen ging daher verloren. Ermittler und Richter haben keinen Unterschied zu machen und zeitnah erst Recht im Sinne der Opfer und zu ihrem Schutz zu agieren.

Was nur - bitteschön - haben im o.g. Artikel subjektive und nicht belegte Ermittlungseindrücke eines Polizeibeamten zu suchen? Der Autor erwähnt solche Dinge. Er zitiert den Polizeibeamten: "Ohne die Gerstunger Bürgerwehr hätte die Polizei im Zuge der Ermittlungen zur Einbruchserie nicht so schnell Ergebnisse liefern können". Wer hat hier was geäußert? Geht es präziser?

Was zu beweisen wäre (!) ..., wenn wir einen Richter zu Wort kommen lassen würden. Überträgt der Autor durch reflektierende Fragen und Paraphrasierung seine Meinung auf befragte Personen und in Folge auch auf den Leser? Wäre das sein Job? Wäre das dann eine zielführende Fragestellung und unzulässige, nicht der Wahrheit dienende Auslegung durch den Autor? Hat dieses Vorgehen System? Der Autor kommt mir mit diesem Vorgehen nicht unbekannt vor.

Und - es kommt noch schlimmer - die vermeintliche "Ermittlungshilfe" der Bürgerwehr wird dem Artikel folgend auf gleicher Stufe erwähnt mit den durch diese Bürgerwehr Hysterie verbreitenden, massenhaft gemeldeten Indizien zu Einbruchsvorbereitungen - ohne dass in der Werra-Region wirklich eine Steigerung der Kriminalitätsrate eintrat bzw. vorlag.

Welche "Hilfen" leisteten wirklich auserkorene Mitglieder des Führungskreises dieser Bürgerwehr? Wer initiierte diese Bürgerwehr mit welchen Ambitionen? Warum spricht der Autor nicht über die Rolle von NPD, seinem radikal-extremistischen Nachwuchs, nicht über Aktionen ehemalige NPD-Aktivisten und Neu-Rechter in dieser Bürgerwehr?

Warum spricht er nicht über die verbalen Brandschatzungen und nie endende Kette von Halb- und Unwahrheiten u.a. in Social Networks, die von diesen Leuten ausgingen? Warum spricht er nicht über den klaren rechtsextremen und fremdenfeindlichen Vorsatz, der schon in der Gründungsphase das Hauptmotiv der rechtsextremen Aktivisten bildete? Warum geht der Autor hier nicht in die Tiefe? Verfassungsschützer jedenfalls sehen hier offensichtlich Handlungsbedarf.

ODER - warum lässt der Autor das Thema der Bürgerwehr nicht einfach außen vor? Ging es im Artikel nicht um den Gerichtsprozess? Thema verfehlt?

Diese vom Autor aufgezeigte eine Seite der Medaille ist im Ansatz bedenklich. In Wirklichkeit aber "verniedlicht" bzw. beschönigt sie den eigentlichen Fakt des wirklichen Ausmaßes des "Wirkens" dieser Bürgerwehr bzw. der Rolle einiger Führungsmitglieder.

Ja - zwei Seiten der Medaille - sie haben so ihre Eigenart. Medaillenseiten sind im Grundsatz für einen Betrachter ausgewogen in ihren Ausmaßen und ihrer Bedeutung. Nur - der Vergleich hinkt, wenn ein Seite in Wirklichkeit völlig andere Ausmaße hat, wenn die Dimensionen der viel schwerwiegenderen Seite außen vorgelassen werden.

Die Medaille ist hier wohl als bildlicher Vergleich untauglich. Nicht jede Schandtat hat Platz auf so einer kleinen Medaillenseite.

Der Autor bläst mit seiner Beschönigung frischen Wind in die Glut geistiger Brandherde gegen den gesellschaftlichen Frieden. Er erweist den Führern der Bürgerwehr Gerstungen einen Bärendienst.

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