Wann kommt der Luchs? Facettenreicher Forschungsbericht über den Nationalpark Hainich erschienen

Manfred Großmann, der Leiter der Nationalparkverwaltung, präsentiert den Forschungsbericht 2011.
Von Wolfgang Rewicki

BAD LANGENSALZA. "Eigentlich leben sechs Spechtarten im Hainich. Zurzeit sind es allerdings nur fünf - der Wendehals weilt noch in Afrika”, weiß Manfred Großmann, Leiter der Nationalparkverwaltung. Und warum ausgerechnet das Leben der gefiederten Zimmerleute so intensiv beobachtet wird, erläutert er auch: "Spechte gehören im Wald zu den so genannten Schlüsselgruppen, das sind jene, die Lebensraum für andere Arten schaffen.” Dabei haben sich die beiden häufigsten Spechtarten den Hainich gut aufgeteilt: Die Buntspechte bevölkern den westlichen Teil, die Mittelspechte den östlichen. Das wiederum liege an den hauptsächlichen Baumarten in den jeweiligen Gebieten. Im Westen dominieren Buchen, im Osten Eichen und Hainbuchen. Doch das werde sich in 50 Jahren ausgeglichen haben, ergänzt Großmann, der am frühen Morgen selbst auf Vogelpirsch war.

Zurzeit werden im Nationalpark auch schon 49 Säugetierarten gezählt. Die 50. könnte unter günstigen Umständen der Luchs werden, der hie und da werden. Der Vergleich mit dem Jahr 2000, wo erstmals eine solche Wald-Inventur stattfand, wird Aufschluss darüber geben, wie weit der Hainich im letzen Jahrzehnt auf seinem Weg zum "Urwald mitten in Deutschland" schon voran kam.

"Der Forschungsbericht beinhaltet aber auch die Auflistung der eigenen Aktivitäten bei der Erfassung von Pflanzen- und Tierarten”, so Großmann. So wurde mit Dr. Weise aus Mühlhausen 2011 eine gemeinsame Aktion zur Erfassung von Kleinsäugern im gesamten Hainich begonnen, die auch künftig weitergeführt werden soll. Fortgeführt wurden die Erfassungen von Vögeln im Rahmen eines Monitorings, was mittlerweile schon über zehn Jahre läuft.

Die Anlage zum Bericht enthält zudem Klimadaten, Besucherzahlen, einen Bericht zu den Biodiversitäts- Exploratorien (Forschungseinheiten zur Untersuchung der Biologischen Vielfalt) sowie eine Liste aller Projekte und Arbeiten. schon gesichtet worden sei. Zum Stand der Forschung im Nationalpark Hainich, seit 2011 Unesco-Welterbe, liegt jetzt der 182 Seiten umfassende Jahresbericht 2011 im Internet vor. "Für uns ist es wichtig, Zwischenbilanz zu ziehen”, betont der Nationalpark- Chef.

Da gehöre es auch dazu, die Besucher zu zählen. Wieviel Mensch verträgt der Wald eigentlich? Da ist Großmann nicht bange: "Sicher, es konzentriert sich am Baumkronenpfad. Aber wandert man ein wenig in den Wald hinein, dann relativiert sich das sehr schnell.” Außerdem strebe er an, dass nicht unbedingt noch mehr Besucher kämen, sondern dass die Besucher künftig länger in der Region bleiben.

Einen Schwerpunkt im Jahre 2011 stellte der Abschluss der ersten Wiederholung der so genannten Kontrollstichprobeninventur dar. Im Ergebnis wurden Daten von 1421 Stichprobenpunkten im Wald erfasst und die Inventur auf der Basis von vier homogenen Waldgebieten ausgewertet. Der ausführliche Bericht über den aktuellen Zustand der Waldflächen im Nationalpark soll in diesem Jahr im Rahmen eines Forschungsbandes veröffentlicht Unter der Projekt-Bezeichnung "FunDivEurope” wurden 2011 von der Uni Freiburg 42 Dauerbeobachtungsflächen eingemessen. In einer europaweit für vier Jahre und mit 24 Partnern aus 15 Ländern betriebenen wissenschaftlichen Studie will man neue Erkenntnisse über die Artenvielfalt unter den Bedingungen des Klimawandels gewinnen. Dafür werden Feld- und Modell-Daten über das Verhalten von Monokulturen gegenüber artenreichen Beständen in verschiedenen Klimazonen Europas betrachtet, auch im Hainich.

Neben der Uni zählen, messen, wiegen oder beobachten externe Partner im Nationalpark. In der Anlage zum Forschungsbericht sind allein 27 Kurzberichte der neuen Forschungsergebnisse im Rahmen der Biodiversitäts- Exploratorien aufgeführt.

Bericht & Anlage unter: www.nationalpark-hainich.de.
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