Der FC Eisenach steht überraschend an zweiter Stelle der Tabelle, ein Interview mit dem Trainer, Anstoß am Samstag ist 13.30 Uhr.

Daniel Reich, Trainer des FC Eisenach. Foto: Heyder
 
Nicht nur mit breiter Brust, auch mit Rückgrat kann der FC auftreten.
 
Teamfoto 2014. (Foto: FC Eisenach)
Eisenach: Wartburg Stadion |

Die Wartburg steht, aber unten in der Stadt. Das Wartburgstadion ist zu einen Festung geworden

Das Wartburgstadion ist eine Festung. 2014 gelang es nur einer Gastmannschaft, dem Chemnitzer FC, überhaupt einen Punkt hieraus zu entführen. Eisenach steht aktuell auf Rang zwei in der Tabelle, ein Aufstiegsplatz. Jetzt folgt das wohl wichtigste Heimspiel. Gegen Lok Leipzig, einer Traditionsmannschaft die rund 600 Fans mitbringen wird. Das könnten vielleicht mehr sein, als es heimische Fans gibt. Die Fanübermacht der Gäste gilt es zu verhindern. AA-Redakteur Axel Heyder sprach mit dem Trainer des FC Eisenach, Daniel Reich.

Eisenach steht in der Tabelle an zweiter Stelle. Mehr konnte man sich für eine Aufstiegsmannschaft nicht wünschen?
Richtig. Wir haben einen richtig guten Start hingelegt. Wir gehen mit breiter Brust in die Spiele und haben viel Selbstvertrauen. Wenn wir die ersten Partien verbockt hätten, wäre so ein Lauf sicher nicht möglich gewesen.

"... und dann ziehst Du das Ding"


Das Selbstvertrauen spielt eine wichtige Rolle?
Das ist meines Erachtens sogar das A und O. In einem Spiel, wie wir es gegen Rudolstadt abgeliefert haben, wenn du da nur „unten drin“ stehst, verlierst du so ein Spiel. Aber dann kommt das kleine Quäntchen, das du mehr hast, wenn du oben in der Tabelle stehst. Dann ziehst du das Ding.

Waren die Top fünf vielleicht ein heimliches Saisonziel?

Damit habe ich mich nie beschäftigt. Wir wollten die beste Mannschaft Thüringens werden, da die anderen immer unten in der Tabelle standen. Wir wollten mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Im Moment sind wir auf einem guten Weg.

Wenn man als Trainer mit einem gewissen Konzept in die Saison startet, wieviel davon muss man wieder über den Haufen werfen?
Man muss feinjustieren. Über den Haufen werfen würde ich nichts, sonst brauche ich auch kein Konzept. Mann muss aber offen sein für Situationen, die man nicht planen kann, wie Verletzungen oder Sperren. Man muss also kein Konzept wegwerfen, man muss reagieren können.

Gibt es in Bezug auf die Zuschauer schon Erfolge zu melden?
Wir stehen auf Platz zwei der Zuschauerstatistik und haben mit 500 bis 600 Zuschauern begonnen, die meisten waren es im Derby gegen Erfurt II. Inzwischen hat es sich so um die 300, 350 Fans eingepegelt. Das freut uns. Es wäre schön, wenn wir das noch steigern könnten. Im nächsten Heimspiel gegen Lok Leipzig könnte es sogar vierstellig werden, das wird das Highlight an Zuschauern schlechthin. Allein 600 Gästefans werden anreisen. Es ist dann schwierig für die Heimmannschaft, wenn der Gast mehr Fans hat, als man selbst. Lok Leipzig ist, was die Zuschauer angeht, eine Macht.

Und sportlich?
Lok Leipzig ist ein Spitzenteam mit langer Tradition. Die sind richtig ambitioniert und haben coole Jungs in der Truppe. Eine taktisch starke und kompakte Mannschaft, sie konnten sich noch sehr gut verstärken. Ich denke, Lok wird uns von den Spielanteilen her überlegen sein. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir ungefährlich sind.

Wie bereiten Sie die Mannschaft auf so ein Spiel vor?
Es ist so, dass ich meine Mannschaft insoweit einstelle, dass ich meinen Weg mit ihnen gehen kann. Dass ich das Spiel trainiere, was uns stark macht. Teilweise gibt es Bildmaterial, teilweise kenne ich die Mannschaften gut. Schwierig ist es mit den zweiten Mannschaften der großen Klubs, weil sich da die Aufstellung immer wieder ändert. Das lässt sich schwer im Voraus planen, sie variieren sehr viel. Bei RB Leipzig II zum Beispiel muss man auf die Anstoßvarianten vorbereitet sein. Die Bernburger agieren mit weiten Einwürfen. Rudolstadt wusste ich genau, wie sie spielen. Das habe ich zwei Jahre selbst mitgemacht. Es ist ein größerer Aufwand, als in den unteren Ligen. Als Rot-Weiß II hier gespielt hat, haben sie in dieser Aufstellung noch nie gespielt. Wenn man sich da auf eine personenbezogene Analyse verlässt, dann funktioniert das nicht. Man sieht Grundstrukturen und auf die musst Du eingehen.

Was ist die größte Herausforderung für Eisenach in dieser Liga?
Das sind die Unterschiede: es gibt Mannschaften, die zumindest unter Halbprofi-Bedingungen trainieren. RB II, Markranstedt, Lok Leipzig, Neugersdorf, die zweiten Mannschaften, die haben einen anderen Trainingsrhythmus. Wir sind ein reines Amateurteam. Alle gehen arbeiten.

" ... wenn jetzt die Saison beendet wäre, dann?"


Wie sieht es mit den Trainingsbedingen im Winter aus?
Katastrophal. Wir hoffen auf möglichst lange Zeit gutes Wetter. Das bedeutet für uns, dass wir am Fischbacher Weg auf Rasen trainieren können. Aber irgendwann trifft uns der Hartplatz wieder. Das ist einfach kein Platz, wo du Fußball darauf spielst. Das muss man so klar sagen. Man kann ihn nur benutzen, wenn es geregnet hat. Dann ist es eine Schlammpiste, aber die einzige Möglichkeit, in der die Verletzungsgefahr nicht so groß ist. So bald er normal trocken ist (er wird ja als Parkplatz genutzt) oder erst der Frost kommt, kannst Du ihn nicht benutzen.

… und gibt es keine Ausweichmöglichkeiten in der Region?
Schwierig, das muss man extra bezahlen und bekommt nur Trainingszeiten nach 21 Uhr. Ist ja auch verständlich, dass die Vereine mit Kunstrasen diesen auch selbst nutzen.

Falls jetzt die Saison zu Ende wäre, wäre dann alles erreicht?
Dann wäre ich völlig zufrieden, das wäre fantastisch. Und ich könnte meinem Präsidenten mit einem breiten Grinsen entgegen treten. Er müsste dann entscheiden, was dann passiert? Aber Vorsicht, das ist nur eine Momentaufnahme. Es sind noch so viele Spiele zu spielen, es gibt noch viele Möglichkeiten noch oben oder unten zu entwickeln. Aber es macht ein schon ein wenig stolz, weil man sieht, dass die Jungs mit denen man arbeitet, genau dieses Leistungsvermögen haben. Es ist ja nicht so, dass wir durch irgendwelche glücklichen Umstände dorthin gelangt sind. Wir haben uns die Punkte redlich verdient. Wenn wird das durchziehen können, wird das eine fantastische Saison.

Wie haben sich denn die Neuzugänge entwickelt?
Alle sind alle Stammspieler geworden. Genau die richtige Personalentscheidung.

Nächste Saison, mal im Thüringen-Pokal angreifen?
Dieser Wettbewerb scheint uns genauso gut zu liegen, wie den Erfurtern. Jedenfalls ist es keine Schande, in Rudolstadt zu verlieren. Das soll aber keine Entschuldigung sein, wir hätten das Spiel auch gewinnen können. Ich stand 2011 mit Eisenach in Leinefelde im Viertelfinale. Es ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, so weit zu kommen. Und ein bisschen oben anzuschnuppern.

"Noch Ziele?"


Welche Ziele gibt es außerdem?
Gegen Lok Leipzig wollen wir ungeschlagen bleiben, am besten gewinnen. Dann hätten wir 2014 nur einen Punkt zu Hause abgegeben, das wäre eine Hausnummer. Ich bin nicht so ein Statistiker, aber das ist schon etwas besonderes. Klar will man auch auswärts nicht verlieren, aber vor den heimischen Fans ungeschlagen zu bleiben ist schon etwas besonders.
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