Mit Karacho in die Kurve: Markus Creutzburg ist der Thüringer Rallyemeister

Markus Creutzburg am Steuer: "Es ist nicht nur dieser Moment, wenn du im Auto sitzt und schnell fährst."
 
Schnell, schneller, Familie: Der Thüringer Rallyemeister Markus Creutzburg ist Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft. (Foto: Daniel Konnerth)
 
Der Thüringer Rallyemeister Markus Creutzburg (links) und Mechaniker Marcus Hess, beide von der RSG Mosbach, beim Check des Rennwagens.
Wutha-Farnroda: RennSportGemeinschaft Mosbach |

Markus Creutzburg ist Thüringer Rallyemeister. Ein teurer Sport mit Tradition, mit Tausenden Fans am Straßenrand, der aber erst jetzt auch fürs Fernsehen interessant wird. Der Erfolgspilot aus Friedrichroda über den Adrenalinkick und das Gemeinschaftsgefühl.

Normalerweise zählt für Markus Creutzburg jede Sekunde. Wenn der wuchtige 31-Jährige seinen Dreier-Golf mit Karacho in die Kurve wirft, weil ihm Copilotin Vivian Baier gerade „150 rechts voll“ zugerufen hat. Dann wummert sein Herz im Techno-Takt, dann genießt er den Adrenalinkick. „Was so ein Golf physikalisch schafft, das ist wie Fallschirmspringen. Wie ein Tanz auf Messers Schneide“, begeistert er sich.

Doch jetzt sitzt der Thüringer Rallyemeister ganz gemütlich bei Kaffee und Kuchen unter Gleichgesinnten. In der Werkstatt von Mechaniker Marcus Hess in Mosbach (Wutha-Farnroda), zugleich Clubheim der Rennsportgemeinschaft, ist er während der Saison fast jeden Abend anzutreffen. Pokale auf dem Regal an der Wand, die Rennwagen zu Füßen der Galerie und alle Zeit der Welt fürs Schrauberlatein. Jetzt ist bis März Winterpause und die erfolgreichste Saison im Fahrerleben von Creutzburg ist zu Ende. Vorn dabei war er seit seinem ersten Start vor sieben Jahren immer, ganz gereicht hat es bisher nicht. Umso größer ist jetzt seine Freude über den Meistertitel.

Sein Gewinnerwagen, ein VW Golf 3 GTI 16V, ist nichts Besonderes. Mit 150 PS ist er nicht einmal besonders schnell. In den Kleinanzeigen gibt es den Oldie ab 500 Euro. Doch der Friedrichrodaer hat in den vergangenen drei Jahren gut 15.000 Euro in sein Auto gesteckt. „Das darfst du normalerweise keinem verraten, was das kostet. Das kann keiner verstehen, dass wir so viel Geld rauswerfen. Doch jeder Sport kostet Geld. Es gibt keine Grenzen, auch in diesem Sport nicht.“ Sich zu verschulden, einen Kredit fürs Hobby aufzunehmen - das kommt für ihn nicht in Frage.

Die Reifen erweisen sich als Achillesferse


Vom Original-Golf sind nur noch die Hülle und die Hinterachse übrig. Unterfahrschutz, Fahrwerk, größere Bremse, ein kürzeres Getriebe, um Tempo zu machen, Stoßdämpfer, Scheiben - alles neu. Und ein Ende der Metamorphose ist nicht in Sicht. Vor allem die Reifen erweisen sich als Achillesferse. Hinzu kommen horrende Anmeldegebühren. „Es ist ein teures Hobby. Deswegen sieht der Wagen auch aus wie eine Litfaßsäule.“ Die weiße Lackierung geht unter Werbe-Aufklebern verloren. Viele kleine Sponsoren finanzieren dem Amateursportler den Spaß und die Erfolge.

Creutzburg hat es auch ohne die große Kohle geschafft. „Mein Großvater hat damals immer gereimt: Es läuft einiges verkehrt. Der eine kann reiten, der andere hat das Pferd.“ Der Opa musste es wissen. Er war zweimal DDR-Rallyemeister. Was er meinte: Der schnellste Fahrer hat nicht immer das schnellste Auto. Meist ist es sogar umgekehrt, glaubt Creutzburg. Er rast seine Rennen gegen Konkurrenten in Wagen, die das Zehnfache kosten. „Ich bin nicht der schnellste, habe aber in Thüringen die meisten Punkte erzielt.“

Zu verdanken hat er dies auch seine Copilotin Vivien Baier, seinem menschlichen Navi. Sie kennt den Weg, die Zeit, alle bürokratischen Hürden. „Ich fahre nur noch mit einer Frau. Ich fühle mich da wohler.“


Der Schweiß fließt in Strömen


Gefahren wird bei Wind und Wetter, über Asphalt und Schotter, durch abgesperrte Ortschaften und über matschige Waldwege. „Wir sind nicht wie die Formel 1 und fahren nur im Kreis.“ Steckt er in der Sicherheitskleidung, ist er von einem Formel-1-Piloten allerdings kaum zu unterscheiden. „Handschuh, Maske und Helm, bei mir guckt nur das dicke Gesicht heraus. Im Rennoverall mit feuerfester Unterwäsche fließt der Schweiß in Strömen. Hat das Auto einmal Renntemperatur, kann man ein Ei auf dem Mitteltunnel braten.“ Auch sonst geht es an die Knochen. „Mir tut nach der Rallye drei Tage lang alles weh.“

Wer einmal den Einstieg in den Sport gefunden hat, den lässt er kaum noch los. „Es ist nicht nur dieser Moment, wenn du im Auto sitzt und schnell fährst. Es ist das ganze Drumherum: die Leute, die Atmosphäre, die Gespräche, die Freunde. Man hat sich immer was zu erzählen.“ Creutzburg spricht von einer eingeschworenen Familie, in der jeder jedem hilft - von der Ostsee bis Bayern. Profis fahren und feiern mit den Amateuren. Ein Sport mit Tradition, mit Tausenden Fans am Straßenrand, der aber erst jetzt auch fürs Fernsehen interessant wird.

Außenstehende sehen eher die Kosten oder das riesige Reglement, das gefühlt ganze Aktenschränke füllt. All die Abkürzungen, Zertifizierungen, Homologationsnummern. „Das schreckt schon ab“, gesteht Creutzburg. Vielleicht ist das besser so, denn der Sport ist nicht ungefährlich und nicht für jeden dahergefahrenen Heißsporn geeignet. „Bei der Prüfung machst du Dinge, die würdest du sonst nicht machen“, weiß der reaktionsschnelle Rallyepilot. Wehe, ein Begrenzungspfosten steht im Weg. Nur aus Liebe zum Auto, das einiges auszuhalten hat, würde Creutzburg da ausweichen. „Es ist ein gefährlicher Sport. Immer wenn es schnell geht, passiert auch etwas. Aber im Pferdesport kommen zehnmal mehr Menschen ums Leben.“

Für Fahrer, die ihre Karre ständig in die Wiese übersteuern, hat er nur ein mildes Lächeln übrig. „Du solltest das Auto verstehen.“ Köpfchen beweisen, an die Grenzen herantasten, immer wieder dazulernen und Erfahrungen sammeln. Schnell fahren, aber auch ankommen. Dieses Erfolgsrezept hat Markus Creutzburg zum Thüringer Rallyemeister gemacht.

Hintergrund



Wie funktioniert eine Rallye?
Die Autos müssen alle TÜV und AU vorweisen, denn zu den Wertungsprüfungen (WP) geht es über Verbindungsetappen im öffentlichen Straßenverkehr. Ob der Fahrer hier auf die Tube drücken muss oder trödeln kann, weiß sein Copilot. Denn es gibt Zeitstrafen für zu spätes oder zu frühes Eintreffen an Zeitkontrollen (ZK), vor den WP sowie an den Serviceparks für den Boxenstopp. Nur in den WP rast der Fahrer gegen die Zeit, nicht aber gegen andere Fahrer, denn gestartet wird einzeln mit einer Minute Abstand. Zwölf Läufe werden in der Saison maximal gefahren, die besten acht gewertet. In verschiedenen Klassen, es gibt rund 20, starten die Wagen mit Trabi bis zum Beinahe-Bolidentempo. Amateure fahren mit Profis. Die Ergebnisse in der Klasse werden mit Punkten gewertet und notiert für jeden Lauf.


Der Einstieg in den Sport
Man benötigt den Führerschein und eine Rallye-Lizenz. Regelmäßig geht es zum medizinischen Test. Für alle, die nicht mit eigenem Wagen starten wollen, vermieten verschiedene Anbieter wie Marcus Hess die Rallyeautos.


Zur Person:
- Als Kind, so sagt Markus Creutzburg, hat er nichts anderes erlebt als Rallye und Wald. Er entschied sich gegen die Jagd und für das Fahren.

- Der Friedrichrodaer fährt für die RSG Moosbach. Der Club hat schon mehrere Thüringenmeister gestellt, gehört zu den erfolgreichsten Clubs in Deutschland. In der Mannschaftswertung - eine Mannschaft besteht aus mehreren Teams - wurde die RSG Mosbach 2015 mit überragendem Vorsprung Thüringer Meister im Rallyesport.


Kontakt
www.cf-rallyesport.de
www.rsg-mosbach.de
Markus Creutzburg und die RSG sind auch bei Facebook zu finden.

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