Sehr interessanter Besuch im Museum „Automobile Welt Eisenach"

  Jeder kannte den hochaufgeschossenen Herren im dunklen Anzug, den ehemaligen OB von Eisenach. Nun erleben ihn die Besucher vom Eisenacher Seniorenverband in dessen neuer Funktion als Museums-Chef. Vor allem erfahren sie aber aus seinem Mund Interessantes über die bedeutende Rolle und wechselvolle Geschichte des Autos und des Automobilbaus im Eisenacher Werk. Natürlich kann man das auch sehr ausführlich im Internet nachlesen, aber der straffe und anschauliche Vortrag vor Ort, gewürzt mit Zitaten von Zeitzeugen, kommt den Besuchern sehr entgegen.
Heinrich Ehrhard und sein Sohn Gustav stehen für den Beginn der Eisenacher Fahrzeugtradition im Jahre 1896. Anfangs handelte es sich um diverse von Pferden gezogene Transportfahrzeuge für das Militär. Daneben wurden auch Fahrräder der Marke „Wartburg“ hergestellt. Zwei Jahre später erfolgte mit französischer Lizenz die Produktion des „Wartburg-Motorwagens“, zunächst einer motorisierte Kutsche mit einem 5 PS-2-Zylinder-Viertaktmotor, der 40 km/h schaffte. Die weiterentwickelte und zuverlässige Variante konnte bereits 1898 viele Goldmedaillen und Pokale gewinnen. Trotzdem setzte der Kaiser weiter auf Pferde uns betrachtete den Motorwagen als vorübergehende Erscheinung. Auch die Kleinstaaterei und die zwischen ihnen fehlenden Verbindungen waren dem Absatz nicht dienlich. Das kommt auch zum Ausdruck in dem Spruch: „Das Autowurde in Deutschland erfunden – erzogen wurde es in Frankreich“.
Nachdem Vater und Sohn Ehrhard von der Firmenleitung zurückgetreten waren, erhielt das Fahrzeug den bedeutungsvollen Markennamen „Dixi“- „…Ich habe gesprochen!“ Er mutierte vom Kleinwagen zum leistungsstarken, repräsentativen PKW, der im 1. Weltkrieg der Kriegsproduktion weichen musste. Als Folge des Krieges, der Reparationszahlung, Demontage und Inflation drohte Werk und Stadt der Bankrott. Notgedrungen wurde die vollendete Fließbandtechnik und der neuste Dixi an BMW verkauft. So hat Eisenach den Bayern das Autobauen beigebracht. Das Werk wurde BMW-Zweigniederlassung. Es wurde erweitert und produzierte neue Automobiltypen mit 6-Zylinder-Motoren, u.a. ein erfolgreicher Sportwagen. Bei Kriegsbeginn wurden stattdessen Motorräder und im Werk Dürrenhof Flugzeugmotoren gefertigt, was zur Folge hatte, dass die Werkteile und die Stadt Ziel von Flächenbombardements alliierter Bomberstaffeln wurden.
Nach dem Krieg konnten in den enttrümmerten und enteigneten Betriebsteilen nur Bedarfsgüter für die Bevölkerung hergestellt werden, später folgten Autos und Motorräder als Reparation für die Sowjetunion. Das Werk war Sowjetische Aktiengesellschaft Awtowelo, bis es unter dem Namen VEB Automobilwerk Eisenach in staatliches Eigentum der DDR überging. Die Produktion musste von größeren Viertaktern auf kleinere Zweitakt-PKW umgestellt wurde. Nach Kassenlage erfolgten Verbesserungen, wie die Erneuerung des Fahrwerks und ein Jahr später der Karosse in Pontonform. Für einen neuen Motor fehlte das Geld. Ersatzlösungen, wie der Einbau eines Viertakt-Polomotors, führten zu untragbaren Nachfolgekosten und logistischen Problemen vor allem nach der Währungsreform, weshalb das Werk geschlossen werden musste. In die Produktionsanlagen konnte Opel einziehen, vielen qualifizierten und hochmotivierte Arbeitern und Ingenieuren einen Arbeitsplatz bieten und Automobiltradition in Eisenach weitertragen. – Nach diesem doch noch erfreulichen Ende des Museumsrundgangs konnten die betagten Museumsbesucher in der Kaffeestube platznehmen. IH + Foto
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