Späte Lehrstunde in Demokratie

Die Teilnehmer an der Lehrveranstaltung sind inzwischen 70 bis 90 Jahre alt und haben vor 25 Jahren die Diktatur hinter sich gelassen. Seitdem leben sie in einer Demokratie, in der laut Grundgesetz alle Macht vom Volke ausgehen sollte. Jedoch war außer Wahlkampf und Parteienstreit davon wenig zu erleben. Nach der Wahl orientieren sich die siegreichen Vertreter des Volkes recht wenig an dessen Willen und lassen sich auch durch Meinungsäußerungen nicht beeinflussen. Zahlreiche Mitbürger verzichten daher auf ihr Wahlrecht oder gehen stattdessen randalieren. Deshalb erklärte Herr Ralf-Uwe Beck, Bundessprecher des Vereins „Mehr Demokratie“ den Senioren vom Eisenacher BRH in einem anschaulichen, straffen und mitreißenden Vortrag, wie Demokratie im 21. Jahrhundert funktionieren kann oder warum nicht: Nur 3% des Volkes bilden die Parteien, doch diese bestimmen die zur Wahl stehenden Kandidaten. Von der Regierung wird die Meinung der Opposition nicht ernst genommen, obwohl Demokratie nur vom Zusammenwirken von Regierung und Opposition leben kann. Wir denken dabei auch an unseren Kampf um Rentengerechtigkeit. Zwar gibt es seit 10 Jahren wenigstens in allen Bundesländern und auf kommunaler Ebene Volksbegehren, doch finanzielle Anliegen sind nicht eingeschlossen. Im Gegensatz zur Schweiz, deren Demokratie Herr Beck aus eigener Erfahrung erläuterte, gibt es auch nicht das „letzte Wort“ des Volkes. Auf Bundesebene ist das deutsche Volk sogar völlig entmündigt. Es bildet damit eine Ausnahme in Europa. Das Volk und vor allem der Verein „Mehr Demokratie“ stehen also noch vor großen Anstrengungen. So kam die Lehrstunde des hervorragenden Redners auch für uns Alte gerade noch rechtzeitig, um die Demokratiebewegung nach Kräften zu unterstützen. I. Heilemann / Fotos Br. Störmer
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