„Vom Heimkind zum Kommunalpolitiker“

  Uwe Schenke Gesprächsgast im Eisenacher Seniorenverband BRH
Als jüngstes von 5 Kindern geschiedener Eltern wurde der einjährige Uwe in einem Kinderheim aufgenommen. Vier gab es in Eisenach, alle schön gelegen im südlichen Villenviertel gegenüber der Wartburg. Dem unbequemen, hyperaktiven Kind wurde anstelle von Pharmaprodukten liebevolle Zuwendung zuteil - die damalige Heimleiterin spricht heute noch von „mein Uwe“. Der Junge lebte bis zum 18. Lebensjahr im Heim und hatte es in dieser Zeit gut. Der allgemeinen Entwicklung entsprechend wurden die Bedingungen auch immer besser. Schliefen die Kinder anfangs zu 20 im Saal in Doppelstockbetten, brauchte er später nur mit vier anderen das Zimmer zu teilen. Zwar war das Taschengeld nicht üppig, es nahm aber mit der Zeit zu. Die Heimleitung sorgte für gutes Essen und dass die Kinder stets ordentlich gekleidet waren. Natürlich war die Erziehung auf kollektives Verhalten, die sozialistische Persönlichkeit sowie auf einen erfolgreichen Schulabschluss gerichtet. Von 12 Jugendlichen schlossen drei mit der 8. Klasse ab, um ein Handwerk zu erlernen, neun gingen weiter. Das Leben war auch Dank der schönen Umgebung abwechslungsreich und interessant. Individuelle Interessen wurden gefördert und ebenso trugen Patenschaften zu Betrieben und anderen Kollektiven dazu bei. Es entwickelten sich z.T. enge Freundschaften, die bis heute Bestand haben. - Uwe Schenke lernte und arbeitete nach dem Armeedienst als Maschinenbauer, Erzieher und schließlich als Ergotherapeut. Nebenbei engagiert er sich als Stadtverordneter sowie als Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Bildung und Gesundheitswesen. - Auf seinen Vortrag folgte eine interessante Diskussion, zu der frühere Erzieher, Heimleiter und Lehrer, vor allem auch als Gäste zwei weitere ehemalige Heimkinder beitrugen.
Der 1. Gast berichtete über seinen unerfreulichen Weg durch Kinderheime, einen Jugendwerkhof und die Gewalteinwirkung eines Erziehers, durch die er einen bleibenden Schaden davontrug. Zu Recht wurde ihm deshalb eine Entschädigung zuerkannt. Grund des anhaltend widerborstigen Verhaltens sei die Sehnsucht nach seiner Mutter gewesen, die ihn bei ihrer Ausreise nach Hamburg in der DDR zurückgelassen hatte.
Eine Frau als 2. Gast hatte nur Positives über ihr Heimleben in Eisenach und Wilhelmsthal zu berichten. Auch andere Kinder seien gerne im Heim gewesen, und manche, die zur Adoption freigegeben worden waren, wären aus Sehnsucht nach der Heimgemeinschaft dorthin zurückgekehrt. In der Broschüre „Erinnerungen, eine Nachkriegskindheit im Schloss und Kinderheim Wilhelmsthal“ erzählt sie ausführlich von diesem Leben.
Die übrigen Beiträge betrafen das undifferenzierte und einseitig negative Urteil, das heute über DDR-Kinderheime gefällt und als rein politisches Urteil angesehen wird. Es reiht sich ein in die ablehnende Haltung der westlichen Politik gegenüber dem östlichen Landesteil seit dem 2. Weltkrieg und den Bemühungen zur Verunglimpfung und Delegimitierung der DDR, ihrer Leistungen und Bestrebungen nach der Wende.
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