Lebensversicherung kündigen?

Als Thüringen Wirtschaftsgeschichte schrieb

Am 2. Juli 1820 wurde in Gotha Geschichte geschrieben. Wirtschaftsgeschichte nämlich, oder genauer gesagt: Versicherungsgeschichte. Dies war die Geburtsstunde des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit – und damit des ersten Versicherungsunternehmens in Deutschland überhaupt. Das Grundprinzip des Versicherungsvereins war einfach: Alle Mitglieder teilen sich die wirtschaftlichen Erfolge des Vereins – aber auch die Risiken und Kosten.

Auch die Lebensversicherung – ein kollektiver Sparplan mit integrierter Versicherungsleistung trat von hier aus seinen Siegeszug an. Später kamen Aktiengesellschaften hinzu, das heißt, am wirtschaftlichen Erfolg (und Misserfolg) waren nicht nur die Versicherten beteiligt, sondern ganz normale Aktionäre. Die Gothaer blieb bis heute Versicherungsverein – so wie 16 weitere Gesellschaften in Deutschland, die mit dieser Rechtsform heute zur Minderheit in Deutschland gehören.

Bunte Vielfalt sorgt heute für Verwirrung bei Verbrauchern

Heute gibt es in Deutschland 96 verschiedene Versicherungsgesellschaften mit insgesamt vier verschiedenen Rechtsformen. Das ist gut für die Verbraucher, denn sie können sich durch Vergleiche die beste Versicherungsgesellschaft heraussuchen. Allerdings handelt es sich bei einer Lebensversicherung um ein ziemlich kompliziertes Produkt und viele Begriffe wirken auf den Nicht-Eingeweihten eher abschreckend: Ob Rückkaufswert, Bewertungsreserven oder Überschussbeteiligungen – diese Bestandteile einer Lebensversicherung gehören nicht unbedingt zum Vokabular eines normalen Versicherungsnehmers. Was Ihre Lebensversicherung zum jetzigen Zeitpunkt wert ist, das erfahren Sie einmal im Jahr aus der Wertemitteilung Ihres Versicherers – oder natürlich auf Anfrage.

Lohnt es sich, eine Lebensversicherung zu kündigen?

Viele Thüringer haben nach der Wiedervereinigung eine Lebensversicherung abgeschlossen, um Ersparnisse zu bewahren oder die Familie abzusichern. Oft handelt es sich dabei um sehr langfristige Verträge, da man sich gerade davon die höchsten Renditen versprach. Doch was macht man mit seinem Vertrag, wenn plötzliche Veränderungen in Verbindung mit akutem Kapitalbedarf eintreten? Beispielsweise der Erwerb eines Eigenheims, Selbständigkeit – oder auch Hochzeit oder Scheidung.

Anstatt die teuren Prämien für die Lebensversicherung weiterzubezahlen, denken viele nun an Kündigung, um einerseits die Prämien zu sparen und sich andererseits den bereits angesparten Rückkaufswert auszahlen zu lassen. Doch genau davor warnen Verbraucherschützer: Die Kündigung der Police ist in der Regel ein Minusgeschäft, weil der Versicherer Stornokosten in Abzug bringt. Außerdem erlischt sofort der Versicherungsschutz.

Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen

Der Bund der Versicherten (BdV) empfiehlt daher auf seiner Webseite den Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt. Dort gibt es professionelle Ankäufer, wie zum Beispiel den Marktführer Policen Direkt, die Policen mit einem Rückkaufswert von mindestens 10.000 Euro ankaufen und nach Ankauf weiterführen. Für die Versicherten hat das den Vorteil, dass sie in der Regel einen Kaufpreis erhalten, der ein paar Prozent über dem Rückkaufswert liegt und außerdem eine Zeit lang versichert bleiben.

Solche Versicherungs-Zweitmärkte gibt es weltweit außer in Deutschland nur noch in den USA und in Großbritannien. In Deutschland werden nach Angaben des Branchenverbandes BVZL jährlich Lebensversicherungen im Wert von 200 Millionen Euro angekauft. Auch in Thüringen. Wenn Sie wissen wollen, ob sich der Verkauf auf dem Zweitmarkt lohnt, sprechen Sie einfach den Berater ihrer Sparkasse, Volksbank oder ihren Versicherungsberater darauf an.
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