A-Cappella-Formation Basta zeigt in Erfurt weltschlechtestes Beatbox-Solo

Wann? 18.03.2016 20:00 Uhr

Wo? Dasdie Brettl, Lange Brücke 29, Erfurt DE
Basta gehört zu Deutschlands erfolgreichsten A-cappella-Formationen. Bandgründer William Wahl (steht ganz hinten) erinnert sich im Interview an die Anfänge. (Foto: Axel Schulten)
Erfurt: Dasdie Brettl |

Basta gehört zu Deutschlands erfolgreichsten A-cappella-Formationen. Am kommenden Freitag kommen sie mit ihrem neuen Album „Domino“ nach Erfurt. Bandgründer William Wahl sprach über den Image-Wandel des Genres und warum er sich jedes Mal auf das weltschlechteste Beatbox-Solo freut.


Ihr habt einen Song auf euerm neuen Album „Domino“, der heißt: „Es ist nur a cappella, doch ich mag es.“ Warum das Wörtchen „nur“?

Wir kokettieren ein bisschen mit dem Image von a cappella, das für viele Leute nicht so cool ist, das ein bisschen altmodisch und verstaubt ist. Wir versuchen mit Basta, das anders zu halten. Daher spielen wir mit dieser Fremdwahrnehmung. Es ist vielleicht nicht Lady Gaga, es ist vielleicht nicht der Stadion-Pop. Wir machen das aber trotzdem sehr gerne. Das ist eine Form der Selbstironie, die wir gerne mögen. Tatsächlich feiert dieses Lied das A-cappella-Singen auf eine ganz nette Weise. Wir singen es sehr gerne.

Habt ihr euch denn schon öfter Sprüche anhören müssen wie: „Ihr könnt wohl keine Instrumente spielen?“
Daran hängt kein verstecktes Trauma. Es ist ein spielerischer Umgang mit unserer Musik-Art.

Ihr seid aus einer Schülerband entstanden. War a cappella eine bewusste Entscheidung?
Lustigerweise ist es tatsächlich so, dass wir da hineingerutscht sind. Wir haben als Studenten Straßenmusik gemacht. Ein Gitarrist und ein Kontrabassist waren dabei. Das hat sich nach und nach so entwickelt, dass wir die Instrumente weggelassen haben. Das ist aber gar nicht mal das Schlechteste, weil wir dadurch viele Erfahrungen sammelten mit dem gemeinsamen Musizieren, ehe wir dann auf die echte Konzertbühne gegangen sind.

Sind A-cappella-Musiker ein spezieller Schlag Künstler, die innerhalb einer eigenen Szene gut miteinander vernetzt sind?
Ja, es gibt eine eigene Szene. Vielleicht auch deswegen, weil A-cappella-Musik mittlerweile so populär geworden ist. Es gibt einen Kreis von Leuten, die miteinander arbeiten, die vernetzt sind, die sich gegenseitig kennen durch die Festivals, die regelmäßig zusammen Musik schreiben und arrangieren.

Dass A-cappella-Musik in den USA gerade totaler Hype ist, ist hier noch nicht so ganz angekommen.


Kennt ihr die Thüringer A-cappella-Szene?
Das Festival in Ilmenau sagt mir definitiv etwas. Ich bin mit den nachwachsenden Künstlern nicht immer so sehr vertraut, weil sehr viele Bands nachkommen. Ich kenne die Generation von Leuten, mit denen wir zusammen angefangen haben –mit denen stehen wir in gutem Kontakt. Man kennt sich und mag sich gerne.

Die beiden Pitch-Perfect-Filme haben a cappella in den Fokus gerückt. Auch „Pentatonix“ sind international unglaublich erfolgreich mit a cappella. Spürt ihr diesen Wandel?
Ich spüre auf jeden Fall, dass junge Leute wieder sehr gerne singen. Als ich zur Schule gegangen bin, war das ein Orchideenfach. Das hat sich total geändert. Es gibt viele Talente, die früher total untergegangen wären. Das ist schon zu beobachten. Dass A-cappella-Musik in den USA gerade totaler Hype ist, ist hier, glaube ich, noch nicht so ganz angekommen. Dass das an den Schulen und Hochschulen so krass betrieben wird wie dort. Aber einen Unterschied stelle ich schon fest, dass viele, viele gute Leute nachkommen.

Normalerweise steht der Sänger immer im Mittelpunkt einer Band und greift nach dem Konzert die ganzen Mädels ab. Ihr habt fünf Sänger. Wie sind bei euch die Rollen verteilt?
Das ist sehr schön an der ganzen Geschichte. Man kann aus einer Rolle weiter hinten nach vorne kommen, sich dann wieder „ausruhen“ und die Hauptstimme unterstützen. Das Durchwechseln ist eine Attraktion fürs Publikum. Verschiedene Leute bringen verschiedene Farben ein. Das ist ein Konzept, das auch bei Boy-Groups jüngeren Alters funktioniert. Aber auch bei uns im fortgeschrittenen Alter ist es schön, wenn unterschiedliche Charakterköpfe Songs prägen und dem Publikum so vertraut werden und nicht immer die gleiche Figur da vorne steht.

Ich glaube, dass man mit eigenen Liedern in den Köpfen der Leute hängen bleibt.


Wie entscheidet ihr, wer den Text bzw. die Leadstimme bei welchem Song singt?
Das hat sich so ergeben. Das hat mit Stimmfärbung und dem Charakter zu tun und wer gut die Geschichte verkaufen kann. Ohne es 100-prozentig in klare Worte fassen zu können, besitzen wir eine intuitive Ahnung, wer bei uns für welche Lieder zuständig ist. Das kann man auch immer wieder gegen den Strich besetzen. Aber generell ist es schon so, dass wir einen haben, der tänzerisch aktiver ist oder einer der wie Dean Martin die coolen Chanson-Nummern macht.

Ihr singt keine Lieder nach, sondern schreibt und komponiert eigene Stücke. War das schon immer so?
Wir sind immer mal wieder mit Bands unterwegs, die sehr humoristische Sachen machen, viel covern, Stimmen imitieren und auf bekannte Lieder neue Texte schreiben – was ja auch immer sehr schön ist. Aber ich glaube, dass man mit eigenen Liedern in den Köpfen der Leute hängen bleibt. Das ist noch ein Unterschied. Das macht uns auch stolz, dass die Leute ins Konzert kommen, um Lieder zu hören, die sie erst einmal noch nicht kennen, aber genau diese hören wollen.

Welche Instrumente imitiert ihr denn mit den Stimmen?
Ganz prägend sind der Bass und die Beatbox. In seltenen Fällen ist das sonst eine echte Imitation von Instrumenten. Man kann so einen Effekt mal einsetzen, aber man hat sehr viel mehr Spielraum und Möglichkeiten, um ganz viele möglichen Sachen zu machen.

Ihr habt auch einen Song: Der Mann, der keine Beatbox konnte.
Das ist eine unserer Lieblingsnummern. Wir mögen es, dass weltschlechteste Beatbox-Solo aufzuführen. Es ist eine Wahnsinnsfreude unseren Mann Thomas, der dafür zuständig und eigentlich ein sehr guter Beatboxer ist, zuzuhören, wie er es komplett versemmelt und alles mit einer Virtuosität falsch macht. Da bleibt kein Auge trocken. Da musste er einiges verlernen, dass er eigentlich besser weiß, Geräusche falsch machen, gegen die Erwartungen spielen. Das ist schon nicht ohne.

Da bleibt kein Auge trocken.


Es gibt Youtube-Videos, da singt ihr mit einem Chor zusammen. Was ist das Besondere an a cappella im Gegensatz zum Chorgesang?
Also in einem Chor ist es sehr schwer, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wir haben in Köln in Chören gesungen. Das macht auch Riesenspaß. So ist es ja nicht. Jetzt fehlt uns die Zeit, um sich regelmäßig zum Chorsingen zu treffen. Wenn man Singen als Beruf haben will, tut man gut daran, es als Ensemble zu versuchen. Mit 20 Leuten wird das ein bisschen knapp. Mit Fünfen ist es auch ein anderes Klangerlebnis. Viel individueller als in einem Chor, in dem es darum geht, mit vielen Leute zu einem gemeinsamen Sound zu kommen.

Im Lied „Domino“ singt ihr wie Mönche.
Der Sound ist grotesk, macht aber auch wahnsinnig viel Laune. Das ging mit Enigma los und dann kamen – keine Ahnung wie das alles hieß. Wir lieben die Musik und den 90er-Jahre Mönchspop und machen daraus eine immer absurder werdende Nacherzählung eines misslungenen Spieleabends, an dem wir Domino gespielt haben.

Die Gregorian-Mönche sind gerade zum Vorentscheid des „Eurovision Song Contest“ angetreten. Wäre das auch etwas für euch?
Ich glaube, dass a cappella keine Erfolgschancen hat beim ESC. Es gab immer wieder Gruppen, die das gemacht haben, die weit abgeschlagen sind. Ich weiß nicht, ob man sich in diese Phalanx einreihen muss, nur um es wiederum zu probieren. Da gehört andere Musik hin: schillernder, mehr europopmäßiger. Das ist ja auch häufig eine Veranstaltung, bei der man sich am Bad Taste erfreut. Da sitze ich lieber vorm Fernseher und lache mich scheckig über die Kostümierungen und die Songs.

Wann wusstet ihr, dass ihr von der Musik leben könnt?
Als wir im Jahr 2000 angefangen haben, ging alles sehr fix. Wir haben sehr schnell einen Plattenvertrag bekommen, sind dann durch die Gegend getingelt und haben bemerkt, dass die Leute uns sehr gerne mögen. Das hat sich innerhalb kurzer Zeit entwickelt, dass wir davon leben konnten. Das waren nicht die Zahlen, die wir heute haben. Aber es reichte als Student, angenehm davon zu leben. Mit den Jahren haben wir uns ein immer größeres Publikum erspielt.

Müsst ihr in dieser kalt-feuchten Jahreszeit aufpassen wie die Schießhunde, euch nicht zu erkälten?
Wir müssen schon aufpassen. Bei einer Erkältung ist es allerdings so, dass die anderen Vier so stark sind, dass sie einen auch mitziehen können. Sobald zwei Leute krank werden, wird es wirklich eng. Das ist aber zum Glück sehr selten der Fall.

Termin:

Basta, 18. März, Dasdie Brettl Erfurt

Vita:

- William Wahl, Thomas Aydintan, Arndt Schmöle, René Overmann und Werner
Adelmann bilden die A-cappella-Formation Basta.
- „Domino“ ist das siebte Album der Kölner Band, die seit rund 16 Jahren existiert.
- Erfolgreichster Chart-Titel: Der WM-Song „Gimme Hope Joachim“ (2010, Platz 18).
- Der studierte Musiker William Wahl ist Bandgründer, Autor, Texter und Arrangeur der meisten Basta-Songs.
- Mehr Infos: www.basta-online.de

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