Ability – werdet Mitarbeiter in der Produktion, Abteilungsleiter oder Geschäftsführer bei ‚SPEED FF‘

Tabarz/Thüringer Wald: Am Inselsberg | ‚In Schulen von gestern sollen Schüler von morgen mit Methoden von vorgestern auf die Probleme von übermorgen vorbereitet werden‘ - Ability widerlegt diesen Vorwurf ganz eindeutig, der immer wieder in den Gesprächen von Eltern, Kindern und Lehrern zu hören ist. Ability ist anders, innovativ, neu. Ihr fragt Euch, was bedeutet Ability? Hinter dem Begriff steckt nicht nur die deutsche Übersetzung ‚Fähigkeiten‘, sondern ein ganzes Konzept der LKJ Thüringen e.V., welches Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Unterrichtsgeschehens Berufsorientierung praktisch vermittelt.
Seit 2003 gibt es Ability in mittlerweile fünf verschiedenen Ausführungen, welche jeweils auf die Klassenstufen sieben bis zehn in Gymnasien und Regelschulen angepasst sind und unterschiedliche Inhaltsschwerpunkte setzen. So können beispielsweise nicht nur SchülerInnen herausfinden, welche besonderen Fertigkeiten zu einem bestimmten Berufsbild passen und eigene Stärken und Schwächen durch Selbst- und Fremdeinschätzung erkennen, sondern auch LehrerInnen die Möglichkeit einer Fortbildung nutzen.
Wie ein Tag mit Ability aussehen kann, soll Euch mein Bericht als Praktikantin der LKJ Thüringen e.V. erläutern, denn ich hatte die Gelegenheit, zwei meiner Kollegen zum ‚Unternehmensplanspiel‘ an die Regelschule Am Inselsberg in Tabarz zu begleiten.
An diesem Morgen klingelt mein Wecker um sechs Uhr. Nach einem schnellen Frühstück werde ich von Markus und Gaby abgeholt und lasse mir während der Autofahrt meine Erwartungen an den Tag durch den Kopf gehen. Wie wird das Spiel ablaufen? Wie werden die Schüler reagieren? Was können sie und ich daraus lernen?
Markus beschreibt mir das ‚Unternehmensplanspiel‘-Projekt: „Diese Ability-Variante gliedert sich in drei Projekttage. Vor vier Wochen waren wir das erste Mal an der Regelschule Am Inselsberg und stellten 16 SchülerInnen der neunten Klasse Unternehmensabläufe anhand unserer Scheinfirma ‚SPEED FF‘ vor. Sie sollten selbst einschätzen, welche Fähigkeiten zu bestimmten Abteilungen wie Marketing, Produktion, Personal, Logistik oder Geschäftsleitung passen und wo sie sich dementsprechend einordnen würden. Im Anschluss bereiteten wir gemeinsam eine Bewerbungsmappe vor, die sie später vollständig mit Bewerbungsschreiben an eine bestimmte Firmenabteilung ihrer Wahl und Lebenslauf an die LKJ in Erfurt postalisch schicken sollten. Nachdem wir diese jedes einzelnen Schülers gelesen und korrigiert hatten, trafen wir uns gestern wieder mit der Klasse und ihrer Klassenlehrerin, um die Mappen auszuwerten, Bewerbungsgespräche im Dialog durchzuführen sowie die SchülerInnen als ‚SPEED FF‘-Mitarbeiter einzustellen… Und heute erlebst du das Spannendste: das ‚Unternehmensplanspiel‘ in der Praxis, lass dich überraschen.“
Um 07:55 läutet es zur ersten Stunde und nicht nur die SchülerInnen warten gespannt, was auf sie zukommen würde. Innerhalb sechs Unterrichtsstunden soll ein Monat in der Firma ‚SPEED FF‘, welche Luftkissenfahrzeuge herstellt, durchgespielt werden. Dafür nutzen wir die große Schulaula und positionieren die Abteilungen in verschiedene Ecken. Zu Beginn erklärt Gaby, dass die Geschäftsleitung ein Startkapital von 100.000 € zur Verfügung hat, von dem die Mitarbeiter entsprechend ihrer unterschiedlichen Arbeitsaufträge einen Teil erhalten. Die neuen Angestellten freuen sich über ihren Betriebsausweis und werden sich ab jetzt nur noch siezen. Jeder Abteilung wird feierlich ein Ordner mit verschiedenen Formularen wie Rechnungsschreiben, Bestellzetteln oder Überweisungsscheinen von der Geschäftsleitung überreicht, welche das Spiel mit den Worten „Ab an die Arbeit. Ich will Ergebnisse sehen“ eröffnet.
Nachdem die Abteilungsleiter gewählt wurden, stürmen die zwei Geschäftsführer herein und verteilen auf kleinen Zetteln die ersten Arbeitsanweisungen an ihre fünf Abteilungen, die durch einen firmenexternen Baustoffgroßhandel komplettiert werden. So darf z.B. die Personalabteilung Löhne, angepasst an Qualifikation und Verantwortung der Mitarbeiter, entsprechend des Etats unter Berücksichtigung der Steuerabzüge berechnen und stellt bald fest, dass diese Arbeit weitaus vielseitiger und spannender ist als erwartet. Die Produktionsabteilung wird angewiesen, 30 Fahrzeuge des Modells ‚SPEEDY‘ nach Bauanleitung zu konstruieren und dabei die benötigten Materialien vom Baustoffgroßhandel zu beziehen. Das Beachten der ‚Zettelwirtschaft‘ von Bestellung, Rechnung und Überweisung stellt die handwerklich Begabten vor echte Herausforderungen. Die Abteilung für Marketing und Vertrieb findet auf ihrem Zettel die Aufgabe, ein Werbeplakat mit Hilfe einer Software zu erstellen und später ein Kundengespräch zu führen, bei dem das Luftkissenfahrzeug vorgestellt werden soll. Markus und ich spielen zwei anspruchsvolle Kunden, die mit vielen Fragen die ‚SPEED FF‘-Mitarbeiter aus der Reserve locken. „Gibt es eine wetterfeste Plane zum Fahrzeug kostenlos dazu? Ist es möglich, es in der Farbe lila mit roten Streifen zu bestellen? Lässt sich ein Mengenrabatt bei 30 Mobilen vereinbaren?“ Ohne Absprache mit der Produktion oder Geschäftsleitung bekommen wir die Antwort „ja“ und lassen die Abteilung Marketing mit ihren neuen Problemen alleine. Von jetzt an werden unzählige symbolische Telefonate getätigt, Hektik bricht aus. Die Produktion muss sich sehr beeilen, die Modell-Fahrzeuge aus Pappe und Schaumstoff herzustellen und muss feststellen: rote Streifen liegen nicht im Rahmen des Möglichen. Die Geschäftsführung versucht mit uns als Kunden zu verhandeln und schließlich einigen wir uns auf ein Ergebnis, mit dem alle einverstanden sind.
Nach einem Monat harter Arbeit in der Firma ‚SPEED FF‘ laden die zwei 16jährigen Geschäftsführer zur Betriebsversammlung ein. Selbstsicher stehen sie vor der Belegschaft, begrüßen die MitarbeiterInnen und fordern jede einzelne Abteilung auf, ihre Arbeit vorzustellen. Die SchülerInnen berichten stolz von ihren Ergebnissen, die sich wirklich sehen lassen können. Sie gestehen sich jedoch auch einige Fauxpas ein, die sich in gewisser Weise in der Gesamtbilanz widerspiegeln. Denn der Ausgangsetat von 100.000 € ist nach allen Ausgaben und Einnahmen auf 44.491 € geschrumpft. Doch immerhin könnte ein weiterer Monat in der Firma ‚SPEED FF‘ finanziert werden.
Mit einem großen Applaus wird das ‚Unternehmensplanspiel‘ beendet und erwartungsvolle SchülerInnen blicken unserer Auswertung entgegen. Wir schätzen die Arbeit jeder einzelnen Abteilung ein, werten die Teamarbeit aus, zeigen Stärken und Schwächen auf. Überrascht sind wir speziell von einem Schüler aus der Produktion, der anfangs lustlos vor seinen Arbeitsmaterialien saß und das ganze Projekt „eher doof“ fand. Doch nach einer Weile stellte er fest, dass seine zwei Kollegen ohne seine Hilfe zeitlich in Verzug kämen, somit die Produktion verlangsamt werden würde, und letztendlich die Arbeit und das Wirken einer ganzen Firma nicht mehr richtig funktionieren würden. Auch an unserer Geschäftsführerin konnten wir an diesem Tag eine richtige Weiterentwicklung sehen. Von dem schüchternen Mädchen, welches sich anfangs wenig zutraute, war während der geschickten Führung von Verhandlungen während des Spielverlaufs und der Leitung der Betriebsversammlung nichts mehr zu entdecken. Sie selbst sagt in der folgenden Einschätzungsrunde, dass sie sich in einer solchen Chefrolle nie hätte vorstellen können, ihr aber der abwechslungsreiche Tag große Freude bereitet und sie die Wichtigkeit ihrer Person genossen hätte. Als sie den Mitarbeiter des Monats bestimmen soll, grinst sie und ruft: „Alle“. Das sehen wir genauso. Die Unternehmensabläufe der Firma konnten nur deshalb so reibungslos funktionieren, weil wirklich jeder an einem Strang zog. Die Einsatzbereitschaft sowie das Engagement der SchülerInnen wurde während des Tages deutlich, denn sie arbeiteten nicht nur für sich, sondern als Gemeinschaft für ‚SPEED FF‘.
Zum Schluss hat jeder die Möglichkeit, mit einem lachenden, weinenden oder neutralen Smiley das Kennenlernen von Unternehmensabläufen mit Ability einzuschätzen. 11 von 16 SchülerInnen finden den Tag einfach super und begründen ihre Entscheidung mit Worten wie: „Man konnte richtig Berufserfahrung sammeln. Meine Aufgabe hat viel Spaß gemacht“, „Das Spiel war ganz anders, als ich gedacht habe. Man konnte einen guten Einblick erhalten“, „Der Tag hat meine Erwartungen absolut übertroffen“. Auch die Klassenlehrerin ist überzeugt, dass dies eine geeignete Übung für die Zukunft ist und stolz, dass ihre Klasse so viel Teamgeist zeigte und das ganze Spiel mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betrachtete.
Sechs SchülerInnen können sich sogar vorstellen, später in genau dieser Firmenabteilung zu arbeiten, die sie sich längst nicht so spannend und abwechslungsreich vorgestellt hatten.
„Ein gutes Fazit!“ denken Markus, Gaby und ich, verabschieden uns von den dankbaren SchülerInnen und steigen mit unseren Materialien ins Auto und fahren nach einem aufregenden, anstrengenden Tag zurück in die LKJ.
Nachdem ich als Abiturientin dem scheinbar trockenen Thema ‚Berufsvorbereitung‘ mit einem eher kritischen Auge entgegen sah, bin ich positiv überrascht, auf welch kreative Art und Weise man SchülerInnen Bewerbungsschritte, Betriebsabläufe und das Arbeiten in einer Firma praktisch vermitteln kann. Ich bin mit dem Tag und unseren Erfolgen mit fleißigen Mitarbeitern bei ‚SPEED FF‘ zufrieden und hätte mir einen solchen auch während meiner Schulzeit gewünscht. Ich kann mich der Meinung der Regelschüler Am Inselsberg nur anschließen: Ability sollte man unbedingt weiter empfehlen! Dabei kann man richtig Spaß haben, in andere Rollen schlüpfen und wirklich etwas fürs Leben lernen.
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2 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 04.04.2011 | 12:30  
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Elisa Dambeck aus Erfurt | 04.04.2011 | 13:33  
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