Alles hat seine Zeit im Leben

Dr. Uta-Christine Breitenstein ist Zahnärztin in Erfurt. In ihrer Freizeit schreibt sie Gedichte und kurze Geschichten. (Foto: Privat)
Die schreibende Zahnärztin Dr. Uta-Christine Breitenstein hat eine feine Antenne für ihre Mitmenschen entwickelt. Ihre Antworten im Protokoll:

Ich wurde schon öfter gefragt: „Ist das jetzt alles autobiographisch?“ Das ist es natürlich nicht. Aber es fließen eigene Erfahrungen mit ein.

Ich bin die ersten Jahre in einer Großfamilie auf dem Land aufgewachsen. In dem Dorf hatten alle einen Spitznamen und es gab immer eine Geschichte dazu. Das hat mich von Klein auf fasziniert. So habe ich begonnen, die Menschen zu beobachten und habe vielleicht eine etwas feinere Antenne entwickelt.

Als Kind habe ich die Ameise Ferdinand im Fernsehen gesehen. Da habe ich die Geschichten gemalt und meine Mutti musste dazu schreiben. Das war mein erstes Buch.

Ich habe zwei Bücher als „Zwillingsbuch“ herausgebracht. Das eine Buch ist traurig, das andere ist humorvoll geschrieben. Die beiden Seiten des Lebens.

Eigentlich wollte ich die Bücher erst verfassen, wenn ich in Pension gehe. Ich wollte sie mal meinen Kindern hinter­lassen für Situationen, in denen es mal haarig wird, wenn der Mensch traurig ist und denkt, es geht nicht weiter.

Meine Botschaft ist: Es geht im Leben immer weiter. Es gibt immer einen Weg.

Manchmal ärgert man sich über seine Mitmenschen und ihre Besonderheiten. Man muss mit einem lachenden Auge sagen: Menschen sind einfach so. Das macht das Leben bunt und interessant. Wenn wir alle gleich wären, wäre das sehr langweilig.

Gedichte sind kein Verkaufsrenner. Das ist auch nicht mein Anliegen.

Beim Lesen meines ersten Buch haben sehr viele geweint und gesagt: „Genau das habe ich auch erlebt.“

Ich werde wohl kein Romanschreiber. Wenn ich zu sehr ins Detail gehen und seitenweise Äußerlichkeiten oder Eindrücke beschreiben müsste – das wäre nicht meines. Ich habe es gerne kurz und bündig.

Es ist mir ganz wichtig, das Gefühl anzusprechen und den Menschen im Herzen zu berühren.

Um schreiben zu können, braucht der Mensch Ruhe und Muße und muss in sich selbst abtauchen können. Erlebt ­haben muss der Mensch eine ganze Menge.

Ich bin in meinem Leben nie den leichten Weg gegangen und habe immer die Herausforderung gesucht. Es hat mal jemand zu mir gesagt: „Man hat den Eindruck, du ziehst die Probleme an.“ Vielleicht reizen mich aber genau diese bestimmten ­Situationen.

Wer sagt „Bei mir ist immer alles eitel Sonnenschein“, dem glaube ich nicht. Es sei denn, jemand lebt in Watte eingepackt oder es fehlt ihm an gesunden Kontakten oder Reibungs­punkten. Ein Mensch, der normal im Leben steht, sich interessiert und ein Stück bewegen will, wird auch anstoßen und auch immer mal wieder an einem Stachel lecken.

Ich habe meine Ideale, meine Vorstellungen und den Mut zu sagen: Ich finde das nicht gut. Das gefällt natürlich so manchem nicht.

Ich habe immer ein Stück an mir gezweifelt und hatte das Bestreben zu lernen. Weisheit ist für mich etwas ganz Wertvolles und Wunderbares. Doch je älter ich werde, desto mehr hinterfrage ich die Dinge.

Kinder haben in unserer Gesellschaft eine viel zu geringe Lobby. Viele Jugendliche haben keine Ausbildung, keinen Schulabschluss, null Bock, werden belächelt und abgewertet. Aber die Frage ist doch: Warum? Wir haben es ihnen nicht besser beigebracht. Junge Menschen brauchen mehr Hilfe als Kritik.

Bildung muss Spaß machen. Wenn ich noch einmal jung wäre, würde ich vielleicht gern zur Waldorfschule gehen und wer weiß, vielleicht sogar meinen Namen tanzen. Diese Freiheit, das Kreative – diesen Weg der Bildung finde ich schön.

Es ist nicht mein Ziel, den Zeigefinger zu erheben. Mit meinen Büchern will ich die Herzen und Seelen der Leser berühren, Denkanstöße geben, Lebenserfahrung weitergeben sowie Verständnis und die Aufforderung zu mehr Mut im Leben transportieren.

Ich bin ein Nachtmensch. Ich finde es herrlich, wenn alle anderen schlafen. Es ist rundherum dunkel und ich sitze an meinem Schreibtisch im Lampenlicht und habe das Gefühl: Jetzt bist du ganz für dich und keiner stört dich.

Als ich mein erstes Buch eingeschickt habe, bekam ich innerhalb von zwei Wochen eine positive Antwort. Ich habe mich so sehr gefreut, dass ich es kaum beschreiben kann. Das war einfach schön, dass es jemandem in einem Verlag gefallen hat, der etwas davon versteht.

Die einen sitzen lustlos zu Hause, sind frustriert, haben sich aufgegeben und eine eigene Welt geschaffen. Die anderen sind getrieben und gehetzt. Das kann nur nach hinten losgehen, weil wir wider die Natur leben. Alles hat seine Zeit im Leben. Da dürfen wir nicht einfach darüber hinwegsehen.


Zur Person
Dr. Uta-Christine Breitenstein ist Zahnärztin in Erfurt. In ihrer Freizeit schreibt sie Gedichte und kurze Geschichten. Im Karin-Fischer-Verlag sind in diesem Jahr ihre ersten drei Bücher erschienen: „Gedichte und kleine Lebensweisheiten“, „Der blaue Hahn und andere kurze Geschichten“ sowie „Gereimte Lebensgeschichten“. Am 29. November erscheint ihr viertes Buch „Alles hat seine Zeit“.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige