Als Kerstin starb

Als ich 14 wurde starb Kerstin. Kerstin ist mir eine gute Freundin gewesen, eine sehr gute Freundin. Von einem Tag auf den Anderen war ihr Leben beendet. Der Tod im zarten jugendlichen Alter. Es war entsetzlich. Die Eltern, die Familie und Kerstins Freundeskreis spürten, wie zerbrechlich das Leben ist. Ich sehe uns vor dem Sarg sitzen. In grünen Kutten und unsicher und fragend. Verstohlen zu weinen und zu klagen. Bis heute ist dieses Bild wach in mir. Und das – das ist schon sehr lang her. Dennoch verankert in meinem Gedächtnis. Meine Lebensfreude war getrübt. Und die Trauer begann als langer und steiniger Weg. Eine interessante und fordernde Weggefährtin – die Trauer. Ich habe sie schätzen gelernt. Trauer wurde wichtig für mein eigenes Leben. Sie lehrte mich, wie zerbrechlich das Leben ist. Von einem Tag auf den Anderen kann sich so Vieles ändern. Und wie scheinbar sicher leben wir doch Tag für Tag.

Inzwischen stand ich an vielen anderen Gräbern. Meine Weggefährtin mit mir - Die Trauer. Und sie lehrte mich, Wichtigkeiten haben sich oft als Nichtigkeiten herausgestellt. Auch am kommenden Sonntag werde ich auf den Friedhof gehen. Meine Freundin geht mit. Sie ermuntert zum Nachdenken und Stille werden.

Ich nenne den kommenden Sonntag: „Ewigkeit – Ewigkeit, Du Schöne“ So habe ich diesen Sonntag in meinem elektronischen Kalender eingetragen. Weil ich glaube, die Ewigkeit wartet. Die Ewigkeit wartet auf mich und auf uns Menschen. In Ihrer Unerklärbarkeit, ihrer fragilen Existenz und bizarren Schönheit. Eines Tages werde ich sie sehen – die Ewigkeit. Vielleicht ganz unerwartet. Und es wird ein anderes Sehen sein, als ich das bisher vermag. Vielleicht lerne ich dann, mit dem Herzen zu sehen. Die Ewigkeit sehen und in ihr mein eigenes Leben. Gelungenes und weniger Gelungenes und meine Freundin Kerstin und die Menschen, die mir lieb und wert waren? Daran glaube ich. Das ist meine Hoffnung.

Wenn Sie an diesem Wochenende an den Gräbern sind. Oder an Menschen denken, die das Zeitliche gesegnet haben. Dann wünsche ich Ihnen gute Gedanken. Gedanken der gelassenen Erinnerung und Gedanken für die Zukunft Ihres Lebens. Mit viel Lebensfreude und – wenn es sein darf - Heiterkeit. Weil das Leben in seiner Einmaligkeit zur Freude ermuntert. Auf denn, schreiten wir sicher und heiter. Der Weg kennt sein Ziel.

Wie dichtete Gerhard Teerstegen 1729: „Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit.“

Gesegnet Zeit wünscht
Johannes Haak
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