An den Ort des Verbannten: Ein symbolischer Schritt zu Luther

Papst Benedikt folgt einer Einladung der Evangelischen Kirche an eine der Wiegen der Reformation – ins Augustinerkloster

Die eigentliche Sensation geht dieser Tage bei allem Rummel um Sitzmöbel, Stoffüberzüge, Ratzefummel und Papstbrote fast unter: Benedikt der XVI. folgt einer Einladung der Evangelischen Kirche – ins Augustinerkloster. Schließlich bot Luther in seinen Predigten auch von hier aus Rom und Papst Leo X. die Stirn.

„Jedes Wort ist ein Zeichen, das etwas bedeutet“ – diesem Ausspruch Luthers sehen sich Besucher der Reformationsstätte gegenüber. An einem Wandteppich, direkt neben der Büste des Reformators. Daran vorbei muss auf dem Weg in den Kapitelsaal auch Papst Benedikt.

Der Kurator des Augustinerklosters, Lothar Schmelz, würde sich über jede Art der Annäherung, die sich bei der Zusammenkunft der großen Kirchen hier andeutet, freuen. Denn bis heute ist die ev. Kirche nach Lesart des Vatikans eine Glaubensgemeinschaft, keine eigenständige Kirche.

Daran, das nimmt Benedikt in seinem „Wort zum Sonntag“ vorweg, wird sein Besuch nichts ändern: „Wir erwarten keine Sensationen. Das eigentlich Große daran ist eben dies, dass wir miteinander an diesem Ort denken, das Wort Gottes hören und beten, und so inwendig beieinander sind und sich wahrhaft Ökumene ereignet.“ Der große Theoretiker Benedikt schickt damit die Deutung dieses Besuches selbst voraus. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass nach einem Eineinhalb-Stunden-Besuch – viel Zeit bei einem so vollen Terminkalender – es keine gemeinsame Erklärung geben wird“, vermutet dagegen Schmelz.

Rund eine Milliarde Menschen könnten das, wenigstens den öffentlichen Teil davon, weltweit an den Fernsehschirmen verfolgen. Dass Papst Benedikt der Einladung an jenen Ort folgt, an dem Luther als katholischer Priester seine erste Messe las (Primiz, 2. Mai 1507), später aber auch als Reformator predigte, ist mehr als nur ein Teil des Protokolls. Egal, mit welchem Ergebnis der Dialog mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider endet. Diesem Schritt ist der Eintrag in die Geschichtsbücher schon jetzt sicher. Und der zweite Satz Luthers an jenem Wandteppich könnte die Kirchen genau hier zusammenführen: „Am Wort erkennt man des Menschen Herz.“
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2 Kommentare
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andrea krämer aus Sömmerda | 21.09.2011 | 15:54  
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Holger Greilach aus Erfurt | 23.09.2011 | 10:39  
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