Ansichtssache: Prost, Verblichener - Erfurter Hauptfriedhof mit Wirtshauscharakter

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Bierzapfstelle Friedhof? (Foto: Karl-Heinz Laube / pixelio.de)
Erfurt: Hauptfriedhof |
Im Grunde bin ich für eine rasche Liberalisierung des Bestattungs- und Friedhofwesens. Warum sollte man nicht die Urnen der Liebsten zu Hause haben, den Ahnen ganz nah sein?

Doch was ich auf dem Erfurter Hauptfriedhof erlebte, geht selbst mir zu weit. Auf einer Decke neben dem Grabstein sitzend mit dem Verblichenen zu reden, passt ja noch in mein friedhöfliches Weltbild. Wird der Dahingegangene dann aber lauthals beschimpft, ja angegrölt, stört das schon die Friedhofsruhe. Aber vielleicht muss er auch endlich mal zuhören und kann nicht widersprechen. Wenn es als Therapie der Hinterbliebenen hilft, will ich noch mal ein Auge zudrücken.

Das bleibt aber dann weit offen, als dem Vonuns-Gegangenen mit Prosecco laut zugeprostet wird. Und die Verlassene sich eine Kippe nach der anderen anzündet und den Grabstein in Nebel hüllt.

Dann noch ein Trinkliedchen, lautstarkes Meckern, ein paar ungläubige Schimpfwörter, ein Bäuerchen und schon ist der Verdruss zu Asche geworden. Wenn die frustrierte Trauernde zu Hause wütend um die Urne tanzen könnte, blieben den Mitmenschen solche Kapriolen und den letzten Ruhestätten dieser pietätlose Wirtshauscharakter auf dem Friedhof erspart.
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5 Kommentare
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 13.08.2016 | 11:19  
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Renate Jung aus Erfurt | 13.08.2016 | 18:01  
Thomas Gräser aus Erfurt | 13.08.2016 | 19:22  
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Renate Jung aus Erfurt | 14.08.2016 | 11:28  
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Griseldis Scheffer aus Gera | 15.08.2016 | 16:43  
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