Ansteckend lustig: Dr. Eckart von Hirschhausen

Eckart von Hirschhausen (Foto: Frank Eidel)
Eckart von Hirschhausen gilt als der witzigste Arzt Deutschlands. AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt sprach mit dem Mediziner unter den Kabarettisten über Rückenleiden, Glücksgefühle und Antidepressiva. (April 2009)

Unser Interview wurde verschoben − wegen Ihres Arzttermins...

Ja genau, wie jeder erwachsene Mann über 35 habe auch ich Rückenprobleme und gehe zum Orthopäden. Obwohl ich mich sonst immer über diese Berufsgruppe lustig mache. Aber meiner ist tatsächlich ein guter.

Jetzt sind Sie körperlich fit für ihren Auftritt?

Natürlich. Allerdings geht es im Programm "Glücksbringer" nicht wie im vorigen um die körperliche, sondern um die seelische Gesundheit. Ich möchte klar machen, dass Glück kein Zufall, sondern eine Frage der Übung ist. Dass ich es beeinflussen kann mit dem, was ich jeden Tag tue.

Wie kann man das Glücklichsein trainieren?

Es hat viel mit Beobachtung zu tun. Damit, wie ich Dinge bewerte, die mir passieren. Ein Beispiel: Wenn der Magen grummelt und ich verliebt bin, freue ich mich über die Schmetterlinge im Bauch. Bin ich nicht verliebt, denke ich: Nie wieder kaufe ich ein Fischbrötchen!

Auch Vergleiche können unglücklich machen.

Man sollte sich immer überlegen: Mit wem vergleiche ich mich denn? Mit dem Model in der Zeitschrift, das nur dank Bildbearbeitung so makellos wurde? Frauen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind, rate ich: Gehen Sie in die Sauna, gucken Sie sich um und Sie merken, Sie sind völlig normal.

Vertrauen Sie auf die guten alten Glücksbringer?

Sie meinen auf ein vierblättriges Kleeblatt oder so? Nein. Was passiert da psychologisch? Vierblättriger Klee ist seltener als dreiblättriger. Wir erklären also bewusst Dinge zu Glücksbringern, die selten vorkommen, und wundern uns dann, dass wir selten glücklich sind. Dabei stehen wir uns oft nur selbst im Weg.

Was tun Sie, wenn Sie mal richtig mies drauf sind?

Das passiert natürlich auch hin und wieder. Dann stelle ich mir fünf Fragen: Wann habe ich zuletzt gegessen? Wann habe ich mich zuletzt unter freiem Himmel bewegt? Wann habe ich zuletzt geschlafen? Mit wem? Und warum? Ehrlich beantwortet, kommt man der Ursache der schlechten Laune schon ein Stück näher.

Welche Antidepressiva würden Sie verordnen?

Einen Dackel, Licht, soziale Kontakte, gute Freunde und eine ehrenamtliche Tätigkeit, die das Gefühl gibt, mit den eigenen Talenten etwas zu anderer Leute Glück beizutragen. Wer das macht, wird deutlich seltener depressiv und lebt sogar länger.

Hirschhausen
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Florian Storch aus Gotha | 11.01.2011 | 16:19  
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