Auch damals gings schon hoch her: Kleine Ausstellung über Fasching zu DDR-Zeiten

Wann? 28.02.2016 bis 31.03.2016

Wo? Museum für Thüringer Volkskunde, Juri-Gagarin-Ring 140A, 99084 Erfurt DE
Praktikantin Fanny Mühlenberg bestückt eine der Ausstellungsvitrinen, diese zeigt zu DDR-Zeiten selbstgeschneiderte und auch industriell gefertige Kinderkostüme.
 
Blick in eine der Ausstellungsvitrinen
Erfurt: Museum für Thüringer Volkskunde | Närrisches mit Augenzwinkern undso einiges zum Schmunzeln: Ein kleine Ausstellung im Volkskundemuseum widmet sichab heute und bis Ende Februar dem Karneval zu DDR-Zeiten:


“Ohne Orden kein Fasching, das habe ich gelernt!“ Dr. Andrea Steiner-Sohn lächelt über die schnell gewonnene Erkenntnis. Sonst sei sie ja kein Karnevalfan, gibt sie zu, doch in diesen Tagen dreht sich bei ihr alles um dieses Thema. Im Volkskundemuseum widmet sich ab heute eine kleine Kabinettausstellung dem Fasching zu DDR-Zeiten. Wenn das Museum auf seinen drei Etagen Blicke in die Thüringer Vergangenheit gewährt, kann eben nicht jedes Thema ausführlich berücksichtigt werden. „Deshalb befassen wir uns extra im Kleinen mit verschiedenen Bräuchen im Jahreslauf“, freut sich Andrea Steiner-Sohn nach der gelungenen Weihnachtsausstellung nun über närrischen Kabinettinhalt. Mit den von einigen Thüringern - allen voran Rolf Fliedner von der Gemeinschaft Erfurter Carneval oder der Schloßvippacher Carnevalsverein 1958 e.V. - beigesteuerten Exponaten hat sie die Ausstellung konzipiert.


“Für mich war da vieles Neuland“, erzählt die Kustodin von einer spannenden Reise in die Vergangenheit. Der Wunsch nach Geselligkeit war es vor allem, der die Narren nach dem Krieg antrieb, wieder aktiv zu werden, weiß sie. Gastwirte und Handwerker taten in den 50-er Jahren dazu ihr Bestes, um die Vorkriegs-Fröhlichkeit anzukurbeln. Auch ein paar Rheinländern, die es nach Thüringen verschlagen hatte, ist es mit zu verdanken, dass zu jener Zeit eine ganze Welle von Karnevalsclub-Gründungen das Land erfasste. Erfurt, das Gebiet in und um Wasungen und der Südharz waren jahrzehntelang echte närrische Hochburgen.


Ein Jahrzehnt später schon mussten sich die Faschings-Liebhaber gefallen lassen, dass sie nun der Kulturpolitik zugeordnet wurden. Feiern und närrisch sein ist gut, Kontrolle besser. Die Narren spornt das nur weiter an, nun müssen sie sich noch mehr Mühe geben, ihre Büttenreden geschickt mit Seitenhieben zu spicken. „Gerade diese Reden waren eine Heimstatt für so manche politische Spitzfindigkeit“, spricht Andrea Steiner-Sohn davon, dass diese sich auch heute noch vergnüglich lesen. Sie lobt vor allem das vielseitige Spiel mit der Sprache.

Viel Improvisation


Auch die ausgestellten Orden, von denen der eine oder andere eine Mischung aus wenig vorhandenem Material und Improvisation ist, erzählen die Geschichte, wie es bis zur Wende war, hierzulande Karneval zu feiern. Dazu gibt es Fotos, die trotz fehlender Farbe von buntem Faschingstreiben berichten, selbstgeschneiderte Kostüme und einige Schmankerl mehr. „Wer die Ausstellung sieht, wird das mit einem Schmunzeln und Augenzwinkern tun“, ist Andrea Steiner-Sohn vom Unterhaltungswert der zusammengetragenen Stücke überzeugt. „Wir können das Thema natürlich nur anreißen“, bedauert die Museumsmitarbeiterin und wünscht sich, dass die Besucher Appetit bekommen, noch mehr zu erfahren, das ganze Museum zu erkunden. Die Maskenwerkstatt beispielsweise ist dauerhaft zu sehen und passt wunderbar zur Kabinettausstellung. Auch sonst ist das Haus voller festgehaltener Thüringer Geschichte.


Die Ausstellung:


Kabinettausstellung „Zwischen Bütt & Politik: Fasching und Karneval in der DDR“ im Museum für Thüringer Volkskunde, Juri-Gagarin-Ring 140a in Erfurt. Die Mischung aus Kostümen, Fotos, Orden und Geschichten ist vom 27. Januar bis 28. Februar zu sehen. Infos zum Museum: www.volkskundemuseum-erfurt.de

Noch mehr Karneval:


Thüringer Karneval Museum in Wasungen, Deutsches Fastnachtmuseum in Kitzingen (Offizielles Museum des Bundes Deutscher Karneval e.V.)

Neue Exponate gesucht:


Die nächste Kabinettausstellung widmet sich dem Thema Ostern in Thüringen. Wer dazu leihweise etwas beisteuern möchte, kann mit dem Museum Kontakt aufnehmen.
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