Auf dem Weg zu Albert Schweitzer

So viele erfahren nicht,
was Friede ist, weil sie meinen, er komme
von selbst und nicht wissen, dass man Arbeit
tun muss an sich selbst, damit der Friede sich in
uns einsenken und Wurzeln fassen könne.

Albert Schweitzer


Auf dem Weg zu Albert Schweitzer

Die Projektgruppe „Musik baut Brücken für den Frieden“ des Aktionskreises für Frieden e. V. startete mit einer Exkursion nach Weimar in das neue Projektjahr. Anlass war auch der Internationale Frauentag.
Es bestand bei den russisch-jüdischen Neubürgern der Stadt Erfurt schon lange der Wunsch, die Klassikerstadt Weimar einmal näher kennen zu lernen.

In Weimar empfing uns zunächst Frau Beate Lepper in der Albert-Schweitzer-Gedenkstätte im Winkel des Kegelplatzes 4. Die Gedenkstätte ist in einem eindrucksvollen, spätbarocken Bürgerhaus, das 1754 erbaut wurde, untergebracht. Hier wohnte bis zu seinem Tod der Märchendichter Johann Carl August Musäus. Bekannt wurde er durch seine Volksmärchensammlung und die Geschichten über den böhmischen Waldgeist Rübezahl.

In den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts erwarb das Albert-Schweitzer-Komitee das Gebäude. Albert Schweitzer hat hier allerdings nie gewohnt und es ist nicht bekannt, ob er je der Stadt einen Besuch abgestattet hat. Aber er fühlte sich geistig mit Goethe, Bach, Nietzsche und Schopenhauer verbunden. Dies spiegelt sich in seiner Philosophie der „Erfurcht vor dem Leben“ wider, sowie in Schweitzers Engagement für die Erhaltung des Friedens auf der Welt. 1952 erhielt er für sein konsequentes Wirken für den Frieden und für seine strikte Ablehnung des Baus und Einsatzes von Atomwaffen den Friedensnobelpreis.

Die Dauerausstellung, die sich über zwei Etagen des Hauses erstreckt, wurde 2001 von Studenten der Bauhaus-Universität geschaffen. Sie ist die einzige Ausstellung in Deutschland, die Albert Schweitzer gewidmet wurde. Die frühere Bundesrepublik tat sich nachhaltig schwer mit seiner Anti-Atompolitik.
Im Parterre befindet sich der Begegnungs- und Kinoraum sowie eine Leseecke mit Verkaufsausstellung.

Die weltbekannte Wirkungsstätte Albert Schweitzers im Urwaldhospital Lambarene, das sich am Ogowe-Fluss im heutigen Staat Gabun befindet, braucht immer noch Hilfe und finanzielle Unterstützung. Auch dies ist ein Ziel der Gedenkstätte in Weimar. Frau Eleonore Beitner informierte uns sehr ausführlich über das Anliegen der Ausstellung.

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Was viele nicht wissen: Im Albert-Schweitzer-Haus kann man sehr preiswert übernachten. Ein Einzelzimmer kostet 30 € und ein Doppelzimmer 45 € pro Nacht, ohne Frühstück. Im Zimmer befinden sich Dusche, WC und Fernseher. Speisen kann man sich selbst in der Gästeküche zubereiten.

Nach der Besichtigung der Gedenkstätte fanden sich die Reiseteilnehmer auf dem Vorplatz am Albert-Schweitzer-Denkmal aus Bronze ein, wo fleißig fotografiert wurde. Das Denkmal wurde von dem Bildhauer Gerhard Greyer geschaffen und steht seit dem 01.10.1968 als erstes Albert-Schweitzer-Denkmal der Welt an diesem Platz.

Die Teilnehmerin Swetlana Vozlinskaya hat alle Vorträge und Informationen aufmerksam verfolgt. Sie verriet mir, dass sie ein Foto und einen kurzen Text als Bürger-Reporterin an den Allgemeinen Anzeiger in Erfurt schicken möchte.

Anschließend machten wir im riesigen Atrium-Einkaufskompex Rast. Es gibt dort viel zu bewundern. Die Fundamente und Wände wurden einst für eine „Halle des Volkes“ im
3. Reich konzipiert. Der Verlauf des 2. Weltkriegs verhinderte dann den Weiterbau. Erst in den 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand hier das „Atrium“. Im Römischen Reich bezeichnete man mit diesem lateinischen Wort den zentralen Eingansbereich eines bürgerlichen Wohnhauses.
In der Sport- und Bowling-Gaststätte gönnte ich mir ein leckeres Zigeunerschnitzel. Dieses Mahl hat für mich stets einen Geruch nach Heimat. Letscho-Gerichte habe ich schon als ganz junges Mädchen sehr gern gegessen. Natürlich habe ich den anderen Teilnehmern aus der achtköpfigen Reisegruppe nicht auf die Teller geschaut, aber alle schienen sehr zufrieden zu sein.
Das „Andilli“, das große Spiel- und Freizeitangebot für Kinder, kannte ich schon durch Besuche mit meiner kleinen Enkelin Freya.

Den Abschluss des Weimar-Ausfluges bildete ein sehr informativer und gemütlicher Besuch im Büro der Europa-Abgeordneten Gabi Zimmer. Ein ganz großer Dank gebührt der Mitarbeiterin Karin Schrappe, die das Europa-Büro betreut und uns köstlich bewirtete und ausführlich über die EU informierte, wozu sie auch Informationsmaterial bereitstellte. Zum angeregten Gespräch gab es Kaffee, Tee, Saft oder Mineralwasser sowie Gebäck und Pralinen. Da konnte unser jüngstes Gruppenmitglied, der 8-jährige Leonid, tüchtig bei den belgischen Pralinen zulangen. Außerdem gab es für ihn das Kinderbuch „Der kleine Stern in Europa“ dazu. Die Erwachsenen bekamen zur Erinnerung ein Mini-Buch
(ca. 2 cm x 3 cm) „Meine Grundrechte in der Europäischen Union“.

Das Arbeitsgebiet der Europa-Abgeordneten Gabi Zimmer umfasst den Komplex Familie, Frauen und Kinder. Sie erarbeitete einen Armutsbericht, auf dessen Grundlage sich das Europäische Parlament einen Überblick über die sozialen Verhältnisse verschaffen kann.
Frau Zimmer ist häufig in den vier Thüringer Wahlkreisen Gerstungen, Eisenach, Weimar und Eichsfeld unterwegs. In Gerstungen an der Werra nimmt sie sich zur Zeit der Probleme im Zusammenhang mit Umweltverschmutzungen durch die Firma Kali und Salz an. Sie besuchte auch Thüringer Asylbewerber-Heime und Arbeitsloseninitiativen und sammelte Informationen über die dortigen Probleme für das Europaparlament.



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Ein wichtiges Anliegen ist auch das Thema „Europa für Frauen“. Hier geht es um die Fragen: Wie sieht die Gleichstellung aus? Wie kann man Familie, Kinder und Berufstätigkeit vereinbaren? Wie sehen für Frauen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus? Wie wird die Anti-Gewalt-Politik und der Frauen- und Kinderschutz durchgesetzt? Wie ist die gesundheitliche Situation der Frauen? All dies sind brisante und spannende politische Kriterien.
Die Fraktion, der Gabi Zimmer angehört, hat einen etwas komplizierten, langen Namen:
„Vereinte Europäische Linke / Nordische Grüne Linke“, kurz „GUE/NL“.

Der Dank der Gruppe gilt ebenfalls der „Alternative 54 e. V.“ der Mitglieder des Thüringer Landtages der Fraktion DIE LINKE. Da unsere teilweise aus Migranten bestehende Gruppe wegen körperlicher Behinderungen und aus anderen Gründen nicht nach Brüssel eingeladen werden konnte, wurde der Tag in Weimar finanziell unterstützt.
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