Behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen auf der Bühne

Sich begegnen, kennen- und schätzenlernen, dabei eigene Vorurteile und Ängste überwinden: Darum geht es in dem Tanztheaterstück "Zueinander". Die Darsteller sind behinderte und nicht behinderte Kinder und Jugendliche. (Foto: Franziska Stepputtis)
 
Werden sie alle "Zueinander" finden? Das gleichnamige Bühnenstück gibt die Antwort. (Foto: Franziska Stepputtis)
Erfurt: Tanztheater Erfurt | "Zueinander finden": Im neuen Stück des Erfurter Tanztheaters stehen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam auf der Bühne - für sie ist das ganz normal.


Lichter schwirren über die dunkle Bühne, glühwürmchengleich. Schon zerstäubt der unruhige Schwarm, flieht in alle Richtungen. Dann kommen sich die Lichtpünktchen wieder näher, um gleich darauf unkoordiniert davonzuflirren...


Es ist nicht einfach, sich zu begegnen, einander zu akzeptieren und schätzen zu lernen. Vor allem, wenn der eine so anders ist als der andere. Oder ist es doch viel leichter als gedacht? Zehn junge Menschen finden das jetzt für sich und andere - die, die ihnen zusehen - heraus. Im neuen Stück des Erfurter Tanztheaters, das den Namen "Zueinander" trägt. Sie sind zwischen zehn und zwanzig Jahren alt, die Hälfte von ihnen hat körperliche oder geistige Behinderungen. Für Ester Ambrosino, die Tänzerin, Choreografin und künstlerische Leitung dieses Theaters, war die Idee für das Projekt fast logisch. "Kinder mit Einschränkungen haben so sehr viel Potenzial fürs Tanzen", macht sie immer wieder in ihren Kursen die Erfahrung. Manchmal trauen sie sich sogar mehr als ihre nicht gehandicapten Altersgenossen. Dass sie sie gemeinsam unterrichtet, ist für sie seit Jahren schon normal. Warum also sie nicht in zuammen auf der Bühne agieren lassen?

Es geht um Zwischenmenschliches

Zwölf Wochen lang erarbeiten sie zusammen das neue Stück. Keine vorgegebene Geschichte, alles entsteht Tanzschritt für Tanzschritt. "Es geht vor allem um Zwischenmenschliches", erzählt die Ester Ambrosino vom "Zueinander". Nicht darum, den einen in die Welt des anderen zu integrieren, sondern einen gemeinsamen Weg zu finden. Einen, an dessen Rand nicht von vornherein die Schilder "Gut" oder "Schlecht" stehen.

Die Kinder übertreffen sich in ihren Ideen vom Zeigen, wie man zueinander findet. Auf der Bühne wie im Leben. Selbst die Erwachsenen an ihrer Seite staunen über die geballte Ladung Phantasie, lassen den Kleinen neben dem Tanz genügend Raum, auch andere Talente auf der Bühne zu zeigen. Zeichnen, Cello spielen, Gitarre. "Es ist einfach das Beste, was den Kindern passieren kann - zusammen kreativ zu sein", ist Ambrosino überzeugt. Vielleicht, sinniert sie, sei das ja sogar eine Lösung, die Gesellschaft ein wenig besser zu machen. "Es prägt die jungen Tänzer fürs ganze Leben, wenn sie hier schon beim Tanzen ganz normal auch mit Behinderten umgehen", stimmt auch Susanne Ogan zu, Projektmanagerin im Tanztheater. Hier redet man nicht über Inklusion, hier wird sie einfach gelebt. Seit Jahren schon.

Tanzen tut so gut

Ob ein Kind behindert ist oder nicht - Tanzen tut ihnen allen gut. Für die Stärkung der Persönlichkeit sei der Tanz enorm wichtig, weiß Ester Ambrosino. Dass er Körper und Körperhaltung trainiert, ist natürlich auch nicht zu verachten. Und mit dem Tanzen lassen sich so wunderbar Gefühle ausdrücken. Auch verarbeiten. Und jeder macht hier bald schon die Erfahrung: Du bist genau richtig so, wie du bist.


Auch die vielen unterschiedlichen Glühwürmchen können zueinander finden und schließlich zu einer geballten Ladung Licht werden.



Aufführung & mehr:

Nach der gelungenen Premiere von "Zueinander" treten die Akteure gern weiterhin, auch außerhalb von Erfurt auf. Sie benötigen dafür etwa eine 8 Mal 8 Meter große Fläche.


Kontakt & Infos:

Tanztheater Erfurt, Dalbergsweg 2a, www.tanztheater-erfurt.de

Das Stück:

Zueinander finden, sich begegnen, kennen- und schätzen lernen und dabei eigene Vorurteile und Ängste überwinden: Das ist der Leitfaden des Stückes "Zueinander". Was während der Proben gelebte Inklusion ist, spiegelt sich gleichsam auf der Bühne wieder. Unter der Leitung von Daniela Backhaus und Daniel Medeiros und nach einer Idee von Ester Ambrosino ist ein Stück entstanden, das die Glücksmomente und Herausforderung beschreibt, die die Bekanntschaft mit dem scheinbar "Anderen" birgt. Die jungen Tänzer verschiedener Förderschulen Erfurts und der Juniorcompany des Tanztheaters Erfurt zeigen eindrucksvoll, wie man von Vielfalt profitieren kann.
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