Bewundert, gehasst und verfemt: Die tragische Figur des Joseph Süß

Ines Beese
"Bewundert - Gehasst - Verfemt". Besser könnte die Veranstaltungsreihe nicht überschrieben sein, die vor der Premiere der Oper "Joseph Süß" versucht, sich der Persönlichkeit des Joseph Süß Oppenheimer zu nähern. 1698 in einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren, wurde er später als Hoflieferant und Geheimer Finanzrat des Württembergischen Herzogs Karl Alexander zu einer der einflussreichsten und schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Mit seiner geschickten wie rücksichtlosen Geld- und Steuerpolitik ermöglichte er den aufwendigen Lebensstil des Herzogs. Nach dessen Tod wird Joseph Süß zum Tode verurteilt.

Mehrere literarische Interpretationen beschäftigen sich im 19.Jahrhundert mit der Person Joseph Süß, er wird vor allem Projektionsfläche eines unverhohlenen Antisemitismus'. Feuchtwangers 1925 erschienener Roman "Jud Süß" gelangt zu Weltruhm.

Nach der Uraufführung der Oper "Joseph Süß" im Jahr 1999 erfährt sie nun in Erfurt eine Neuinszenierung durch Regisseur Guy Montavon. Ein gemeinsames Programm von Theater und Kleiner Synagoge Erfurt widmet sich der Person von Joseph Süß und der Rezeption durch die Nachwelt.

"Diese Person, das Schillernde an ihr, ist wirklich ein spannendes Thema", weiß Ines Beese, die Leiterin der Alten Synagoge und der Begegnungsstätte Kleine Synagoge. Joseph Süß Oppenheimer und seine Geschichte sind ihr selbstverständlich ein Begriff. Im Rahmen der Vorbereitungen für das Begleitprogramm hat sie sich in den vergangenen zwei Jahren noch einmal intensiver mit ihm befasst. "Er war ein geschickter, kluger Geschäftsmann, international gut vernetzt und hatte wohl auch den Damen gegenüber einen gewissen Charme", ist aus den Überlieferungen zu erfahren. Natürlich war der Mann auch einer, der die Prunk- und Herrschsucht seines Herrn genutzt hat, um selbst Geld zu verdienen. "Das war sein Beruf", sagt Ines Beese. Und fügt hinzu, dass an der Geschichte des Joseph Süß deutlich werde, wie Menschen in bestimmte Situationen kommen können. Außerdem sei der Umgang mit dieser Historie ein Zeugnis für tiefen Antijudaismus, später Antisemitismus. So wurde die Person des Joseph Süß von den Nazis in einem Film zu ihren Propagandazwecken missbraucht.


"Ich freue mich sehr auf diese intensive Woche, vor allem auf die Vorträge", sagt Ines Beese. Es ist der Versuch einer Annäherung, des Verstehens. "Nach den Vorträgen wissen wir noch viel mehr", freut sich die Leiterin der Synagoge auf neue Erkenntnisse. Eines weiß sie schon jetzt: "Auf jeden Fall war Joseph Süß Oppenheimer eine tragische Figur!"




Das Begleitprogramm:



12. März, 19 Uhr, Kleine Synagoge: "Hofjuden - Lieferanten der Fürsten und Instrumente absolutistischer Macht", Vortrag von Dr. Reiner Praß

15. März, 19 Uhr, Kleine Synagoge: "Joseph Süß Oppenheimer - genannt Jud Süß. Annäherung an die historische Figur", Vortrag von Dr. Gudrun Emberger

16. März, 18 Uhr, Theater Erfurt, "Das singende Haupt des Orpheus - Die Arbeit am Libretto zu Joseph Süß", Vortrag zur Oper mit den Librettisten Uta Ackermann und Werner Fritsch

17. März, 18 Uhr, Theaterrestaurant: Künstlergespräch mit Robert Wörle, Sänger,

18. März, 18.30 Uhr, Theater Erfurt: Probenbesuch mit Einführung zur Oper "Joseph Süß"

22. März, 19.30 Uhr, Theater Erfurt: Premiere (19 Uhr Kurzeinführung mit dem Komponisten Detlev Glanert)
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Hannelore Grünler aus Artern | 15.03.2014 | 13:01  
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