Das verloren geglaubte Relief

Carsten Fromm, Ute Unger und Karsten Horn vom Vorstand des Initiativkreises Barfüßerkirche werfen schon mal einen Blick auf das Bronzerelief. Am Samstag wird es offiziell übergeben.
Gesucht hat niemand danach, schließlich galt es lange schon als verschollen. Nur wenige Eingeweihte wussten überhaupt von dem Relief „Die Zerstörung der Barfüßerkirche“, das der Erfurter Bildhauer Hans Walther 1947 schuf. Es ist eine von fünf Tafeln aus seinem Totentanz-Zyklus, mit dem er, der Gegner von Gewaltverherrlichung und Chauvinismus, seine Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Nationalsozialismus zu verarbeiten versuchte.

 Hans Walthers künstlerischer Nachlass wird heute im Angermuseum bewahrt. Doch bis vor kurzem waren nur vier der fünf Tafeln zu sehen, jene mit dem Barfüßerkirche-Thema war verschwunden.

 Fast wie durch ein Wunder ist es im vergangenen Jahr plötzlich aufgetaucht, aus Gips. Der Initiativkreis Barfüßerkirche erhielt daraufhin einen Gipsabguß der Tafel als Geschenk. „Das Kunstwerk ist für die Öffentlichkeit konzipiert, es hat eine große Symbolkraft“, weiß Ute Unger vom Vorstand des Initiativkreises. Deshalb dauerte es auch nicht lange, bis der Entschluss feststand: Das Relief soll in Bronze gegossen und gut sichtbar an der Ruine angebracht werden.
 Der Spendenaufruf trifft auf offene Ohren. Kunstfreunde aus ganz Deutschland haben Geld gespendet, um das Vorhaben zu verwirklichen. Inzwischen ist das Relief gegossen und harrt seiner Einweihung.

Der Erfurter Oberbürgermeister, Vertreter der christlichen Konfessionen, die Predigergemeinde, der Posaunendienst der Reglergemeinde und viele Helfer bereiten gemeinsam die Enthüllung vor. Nun also erhält das Kunstwerk 65 Jahre nach seinem Entstehen seinen würdigen Platz. Und die Barfüßerkirche bekommt wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Die braucht sie auch. Der Initiativkreis widmet sich rührig der Erhaltung und Aufwertung dieses Kulturdenkmals und hofft, noch mehr Menschen für dessen architektonischen Rang und seine historische Bedeutung zu sensibilisieren.


TERMIN:
Das Bronzerelief wird am Samstag, 24. November, um 18 Uhr an der Ruine der Barfüßerkirche enthüllt. Ute Ebert, die Tochter des 1961 verstorbenen Künstlers, hat ihr Kommen bereits angekündigt.
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