Der belgische Tausendsassa

  Noch heute erinnert er sich an dieses Gefühl. Voller Stolz konnte Tom Dewulf nach monatelangem Pauken endlich von sich behaupten: "Jetzt kann ich deutsch!". Sogar die schwierige Grammatik hatte sich der Belgier mithilfe eines dicken Wälzers beigebracht. Nun konnte es also beginnen, das große Abenteuer Deutschland. Doch an der Hochschule in Leipzig verstand der junge Mann kein einziges Wort. Und die Welt nicht mehr. "Dort haben alle sächsisch gesprochen", lacht er über seinen holprigen Start.

Er bringt sie alle zum Lachen



Heute, fünf Jahre später, kann er längst selbst sächsisch, am liebsten als Parodie. Außerdem singt und tanzt Tom, spielt traumhaft sicher Klavier und beherrscht auch andere Instrumente recht gut, jongliert, bringt mühelos einen ganzen Saal voller Menschen zum Lachen, kann moderieren, komponieren und texten, sich verwandeln sowieso... Ein Mann mit vielen Talenten, ein Tausendsassa.

Von kleinauf kunstinteressiert



Dass Kinder in Belgien musisch gefördert werden, ist nicht immer selbstverständlich. Nicht alle Belgier, so gesteht der 31-Jährige, haben es mit der Kunst. Kinder belächeln ihre Schulkameraden, wenn sie voller Inbrunst im Musikunterricht ein Liedchen schmettern. Und wenn von Beethoven die Rede ist, denken nicht wenige, auch die Erwachsenen, zuerst an den Hund aus dem Film, der diesen Namen trägt. Doch schon den kleinen Tom bekommt keiner weg vom Klavier. Später dann, im Internat und beim klassischen Musikstudium, weiß er es endgültig: "Hier bin ich richtig". Eher nebenbei ergibt es sich, dass er nicht auf dem Klavierhocker sitzen bleibt, erste Rollen in Musicals, schon während des Studiums, enthüllen weitere Talente des begabten jungen Mannes. Manchmal besetzen ihn die Verantwortlichen, ohne dass er dafür vorsingen muss.

Leidenschaft Musical



Vor allem Musicals sollen sich als das erweisen, was Tom Dewulf besonders liegt. Obwohl er so ganz nebenbei komponiert und textet, Kindern Musik beibringt, für sie sogar extra Lehrbücher schreibt. "Das Unterrichten liegt mir", sagt Tom und ist sich sicher, später, irgendwann einmal, wieder auf diesem Gebiet tätig zu sein.
Doch das hat Zeit. Zahlreiche Engagements führen ihn nach Deutschland, schon, bevor er beschließt, ganz ins Nachbarland umzuziehen und in Leipzig noch einmal zu studieren.

Neue Heimat Deutschland



Heute ist er längst angekommen, liebt seine zweite, deutsche Heimat. "Es war die allerbeste Entscheidung herzukommen", freut er sich über neue, aufregende Herausforderungen auf der Bühne von Dasdie Stage und Alter Oper in Erfurt. In der Rocky Horror Show hat er eine Hauptrolle. Mit zwei Mitstreitern wagt sich Tom hier an ein neues Metier, das Kabarett. Das Programm haben die drei selbst auf die Beine gestellt, seit Oktober rühren sie damit die Zuschauer zu Lachtränen

Auch solo ein Ass



Ähnlich startet er mit seinem noch ganz jungen Soloprogramm und schon sehr erfolgreichen durch, in dem der Belgier auch einmal von außen auf das Land, in der er jetzt wohnt, sieht. Ein humorvoller, warmherziger Blick. "Ihr Deutschen lasst euch nicht so gern kritisieren", lacht Tom. Ja, wer mag das schon...? Freimütig plaudert er darüber, wie er manchmal aneckt, wenn er wie von zu Hause gewohnt, das Du und das Sie großzügig durcheinanderwürfelt und im strengen Deutschland manchen missbilligenden Blick erntet. Auch an die extreme Höflichkeit hierzulande musste sich der 'Auswärtsche' erst gewöhnen. Überschwängliche Geburtstagswünsche etwa. In Belgien ist man da kühler, ein "HB" für "Happy Birthday" als SMS-Geburtstagsgruß reicht da völlig. "In Deutschland habt ihr viel mehr Traditionen", zeigt sich Tom Dewulf noch immer verwundert. Manche, gesteht er, verleiten den Ausländer zum Schmunzeln. "Für jede Kleinigkeit braucht ihr hundert Zettel", kann er sich nur schlecht an Vorschriften und Bürokratie gewöhnen. Dafür aber liebt er es zum Beispiel, vor Weihnachten Plätzchen zu backen. "Das finde ich sehr schön!"

Er hat noch viel vor



Tom Dewulf strahlt übers ganze Gesicht, wenn er ins Plaudern gerät. Er ist angekommen. Hier in den Dasdie-Häusern, kann er sich künstlerisch austoben, wie er sagt. Immer wieder kann er sich neu beweisen, in alle Richtungen. Eine wunderbare Möglichkeit, für die er seinem Intendanten von Herzen dankbar ist. Schon wieder plant er die nächsten Aufgaben, ein Duo mit ihm ist geplant, außerdem singt er gemeinsam mit Kindern. Die musikalische Früherziehung der Kleinen liegt ihm sehr am Herzen. Doch viel Zeit bleibt dafür nicht. Im April soll er sich bei der Talentschmiede von Thomas Hermanns "Quatsch Comedy Club" vorstellen. Wahrscheinlich wird man von Tom Dewulf noch oft hören.



Ausschnitte Toms Werdegang:



- Mit neun Jahren schrieb Tom Dewulf sein erstes Lied

- er spielte kleine und größere Rollen in Film und Fernsehen

- 2005 schrieb er vier Musiklehrbücher für Kinder, unterrichtete auch

- Das Musical "Panakamanakapa" stammt aus seiner Feder wie auch andere Songs und Kompositionen

- seit 2005 ist Tom ausgebildeter Konzertpianist, er schloss das Studium mit dem Titel "Master of Music" ab

- schon während des Studiums spielte er Hauptrollen in Musicals, es folgten Engagements am Landestheater Gera/Altenburg, in der Alten Oper Erfurt ("Comedian Harmonists"), bei einer deutschlandweit zu sehenden Musicalgala sowie anderen Musicals (z.B. "All You Need Is Beat")

- Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, Abschluss 2009

- als Solist bereiste er singend und tanzend 18 Monate lang mit der AIDA-Flotte die Weltmeere, schrieb für sie ein Arrangement

- fast anderthalb Jahre lang war Tom in Düsseldorf in Hape Kerkelings Musical "Kein Pardon" zu erleben

- in Erfurt ist er nun als Musicaldarsteller, Kabarettist, Solokünstler sowie künstlerischer Leiter tätig
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