Der Dirigent Joan Pagès Valls liebt Herausforderungen – Der vollständige Film „Metropolis“ mit kleinem Orchester am 18. September in Erfurt

Wann? 18.09.2014 20:00 Uhr

Wo? Heizwerk am Brühl, Erfurt DE
"Beim Stummfilm Metropolis ist jede Bewegung ein Klang", sagt Dirigent Joan Pages Valls. Der junge Spanier lebt in Weimar und freut sich auf die Aufführung.
 
Ganz in Gedanken versunken lernt der Dirigent seine Partitur.
Erfurt: Heizwerk am Brühl | Er sieht aus wie ein Sportler, doch Joan Pagès Valls ist ein erfolgreicher Dirigent. Eine kleine Handbewegung von ihm genügt, um ein ganzes Orchester erschallen zu lassen. In Thüringen gibt der junge Spanier gerne den Ton an. Unter seiner musikalischen Leitung spielt das Weimarer Orchester Franz‘L. am 18. September live zu den Filmbildern von „Metropolis“ – der erste Since-Fiction-Film aus dem Jahre 1927. Die vollständige Originalkomposition für kleines Orchester blieb seit Ende des Zweiten Weltkrieges bisher deutschlandweit ungespielt. Im Gespräch mit AA-Redakteurin Ines Heyer erzählt der Dirigent, was den Reiz dieser Aufführung ausmacht.

Wie sieht die Partitur aus?
Wir spielen nach der Originalmusik von Gottfried Huppertz , meine Partitur hat 590 Seiten. Auf jeder Seite stehen die Noten der 15 Instrumentenstimmen untereinander. Diese muss ich alle mit einmal im Blick haben.

Und wie wird umgeblättert?
Leider hat man noch nichts erfunden, das diese Arbeit erleichtert. Ich blättere beim dirigieren mit der Hand um.

Wie übt ein Dirigent?
Ich sitze an meinem Klavier und spiele die Musik. Daraus entsteht in meinem Kopf ein Klangbild, das ich verinnerlichen und fast auswendig kennen muss. Um so eine große Partitur zu lernen dauert es mehrere Monate.

Wie oft haben sie den Film „Metropolis“ schon gesehen?
Ich denke, mehr als 30 Mal. Ich muss in Gedanken immer schon voraus denken und genau wissen welche Szene als nächstes kommt.

Wo sieht der Dirigent den Film?
Ich habe in meinem Blickfeld nicht nur die Partitur, sondern auch einen kleinen Monitor, auf dem der Film parallel zur Leinwand mitläuft.

Was ist die Schwierigkeit dieser Aufführung?
Jeder Ton muss auf die Millisekunde genau stimmen, denn die Musik wurde exakt zu den Bildern komponiert. Jede Geste und Bewegung der Darsteller wird direkt in die Musik übertragen. Ebenso alle Arten von Geräuschen, wie zum Beispiel der Rhythmus der Herzmaschine in der Unterwelt, die Werksirenen oder das scheinbar nebensächliche Schwingen einer Flügeltür.

Wie lange dauert das Stummfilmkonzert?
Es sind zweieinhalb Stunden, in denen die Musiker und ich Höchstleistungen bringen müssen. Der Film ist dabei unser „Tanzpartner“, der den Rhythmus taktiert.

Wie schaffte es der Dirigent Emotionen zu transportieren?
Bei Metropolis kommen alle Arten von Emotionen vor: Liebe, Hass, Freude, Angst oder Dramatik. Die Musiker müssen jeweils die Stimmung von meiner Körpersprache aufnehmen. Ich bin sozusagen der Mittler zwischen Film und Musiker.

Was macht für sie den Reiz der Aufführung aus?
Bisher hat sich in Deutschland noch kein kleines Orchester an die vollständige Aufführung des Films herangetraut. Ich stelle mich sehr gerne dieser Herausforderung, da ich diese Musik absolut großartig finde. Die Fabrikhalle im ehemaligen Heizwerk am Brühl bietet dafür einen perfekten Rahmen. Das Publikum kann ganz in die Atmosphäre des Filmes eintauchen.

Braucht ein Dirigent nach Sport?
Ich mache meinen Sport beim dirigieren. Arbeite mit Kopf und Körper gleichzeitig. Nach so einer großen Aufführung wie Metropolis werde ich mich wie geduscht fühlen – nur eben mit Sachen.

Termin: 18. September, 20 Uhr, Fritz Langs „Metropolis“ mit Livemusik vom Orchester Franz‘L., Erfurt, ehemaliges Heizwerk am Brühl, Karten: Ticketshop Thüringen

Zur Person:
- geboren in Lleida/Spanien
- Musikstudium in Spanien und Deutschland mit Auszeichnung
- Dirigierstudium an der Hochschule für Musik in Weimar
- Erfolgreiche, europaweite Konzerte als Pianist
- dirigiert Konzerte der Staatskapelle Weimar, Jenaer Philharmonie und anderen
- unterrichtet Orchesterleitung an der Hochschule für Musik in Weimar
- seit 2009 Leitung des Orchesters am Musikgymnasium „Schloss Belvedere“
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